Dienstag, 17. Februar 2026

MULTIPOLARE WELTORDNUNG UND TRANSNATIONALE DEMOKRATIE

 Leitgedanken zur Funktion freier Gesellschaftswelten für die Zukunft der Zivilisationen


von J Michael Heynen*



Nach den eher untauglichen Versuchen weltweiter Staatlichkeit, eine nachhaltige Ordnung unter konsequenter Regel- und Rechtsanwendung zu etablieren, gibt die internationale Staatenwelt ihren Aufrag faktisch den Gesellschaften zurück . Es ist jetzt an der Gesellschaftswelt, Ihren Gesellschaftsvertrag zu erneuern, zu transnationalisieren und zukunftsfest zu machen. - Dafür erscheinen fünf im folgenden skizzierte Determinanten non-konditional:



I    Menschenbild der kosmopolitischen Demokratie


Der Mensch ist frei geboren in einen Raum des freien Willens und als emanzipierendes, entwickelndes autonomes Subjekt Das Individuum vereint zwei Welten: Eine innere, absolut freie, noumenale, transzendente Welt, eine äußere, relative Welt der Verantwortung, eine kommunikativ lernende, mit anderen Menschen ko-kreativ verbindende Potentiale der Entwicklung. So integriert und equilibriert er absolute und relative Welten. Innere Reflexion, Erkenntnisentscheidung, freier Wille treten in die äußere Welt der relativen Erscheinungen, die unendliche Chancen seiner ausgleichenden Umsetzung und Weiterentwicklung bieten. Dieser Mensch – als Teil der Evolution – schöpft aus seinem Selbst und inspiriert seine nahe und fernere Außenwelt. Potentiale und Synergien können sich idealerweise für die Menschheit entfalten und Fortschritt in freier und friedlicher Absicht bewirken So formiert der idealische, der transpersonale Mensch – integer, authentisch, verantwortlich – im familiären wie weltweiten zugleich. Ob große oder kleine Welt: Das Subjekt formt das Objekt, ist Determinator gesellschaftlicher Lebenswelten und gestaltet in ständig equilibrierendem Prozess demokratische Willensbildung mit.



II    Multipolare Weltordnung: Transpersonal und transnational


Die Versuche, eine Weltordnung zu gestalten, sind zumeist gescheitert, da die Träger der Staatenwelt jedenfalls den (idealischen) Menschen ignoriert und Machtprozesse von den Gesellschaften diskonnektiert haben. Das Administrieren als Regierungsversuch setzt auf egozentrische „Objectives“ statt auf den menschenwürdigen Reichtum seiner Auftraggeber, den transpersonalen Subjekten. Aber eben diesen humanen Kapazitäten kommt eine multipolare Weltordnung am nächsten; der demokratische Prozess freier, verbundener, eben transpersonaler Individuen ist also notwendigerweise unbegrenzt transnational.



III   Transnationale Demokratie und Gesellschaftseliten


Analog zur Evolution und ihren Lebensdynamiken: Menschen und ihre Gruppen verfügen über Unterschiedliche Wege, Qualitäten, Dynamiken und also auch Entwicklungsgeschwindigkeiten. Diese Diversität Ist für jede innere / äußere lernende Essen / Organisation von elementarer Größe, vor allem bezogen auf Inspiration und schöpferische Weiterentwicklung. Bei aller Bedeutung der Rechtsgleichheit (insbesondere im Bereich des öffentlichen Abwehrrechts) geht es hier um die ständige Fazilitierung von – auch gerade wissenschaftlichen – Gesellschafts- und Weiterentwicklungsdynamiken. Diese kommunikative und fazilitierende Beherrschungsdynamik ist eine zentrale Funktion gesellschaftlicher Entwicklung.


Hier kommen vor allem reale Eliten (nicht aus dem Unterbau) zur Geltung, da sie treibende, elevierende Kräfte für die transnational-demokratische, eben kosmopolitische Prozessbeherrschung sein können. Auch in Kenntnis der oft berechtigt negativen Konnotation der aktuell noch erlebbaren „Eliten“ wird umso mehr auf die nicht verhandelbaren hohen Qualitätsanforderungen hingewiesen: Hohe Integrität, Transparenz, Widerspruchsfreiheit, Respekt und eben Transpersonalität (siehe oben) sind die non-konditionalen Voraussetzungen. Darum ist Demokratie nicht „Kredit auf mögliche Zukünfte“, sondern die Gewährleistung von Zukunft aus der bestehenden Kraft des autonomen Subjekts und seiner proaktiven Inspiration und Überzeugung.



IV   Vernunft in der transnationalen Demokratie


In Abweichung von staatlicher Administration und ihrem hohen Formalisierungsgrad sind transnationale Demokratiefunktionen inner- / außergesellschaftlicher Findungs- und Führungsprozesse nicht an formale Kriterien gebunden. Dazu zählt auch die quantitive Ermittlung also mehrheitlicher Willensbildungsprozesse. Die Akteure der transnationalen Demokratie in einer Gesellschaftswelt können zusätzlich die universellen Denkgesetze und Prinzipien der Vernunft in ihre Willens- und Positionsbildung einbeziehen und je nach Anforderungen verstärken. Die Integrationschancen des autonomen Subjekts sind hier wesentlich besser, und zugleich sind freilich die Anforderungen an Überzeugungsarbeit und Equilibrierungsverfahren um so höher.



V   Interaktion von Gesellschafts- und Staatenwelt In der transnationalen Demokratie


Die Staatsmacht ist Verwalter und Koordinator der Form, die Gesellschaftsmacht liegt in der Überzeugungsleistung durch die Beherrschung der noumenalen Substanz und ihrer Kommunikation. Eine dieser Mächte allein – wie historisch erkannt - wird nicht ausreichen, eine menschenwürdige Zukunft zu gewährleisten und nachhaltige Weltordnungen zu etablieren. Beide Seiten haben eine unauflösbare synallagmatische Verbindung und sind also interdependent.


Die transnationale Demokratie etabliert und fördert die Institutionalisierung notwendiger Visionsbildung sowie Dialog- und Entscheidungsprozesse von menschlichen Lebenswelten Und Wissenschaften. In horizontalen wie in vertikalen Prozessen der Kollaboration und Assoziierung werden jeweilige Erkenntnisse und Entscheidungen gewissermaßen gutachterlich moderiert, syndiziert und der Staatlichkeit vermittelt. Die transnational-demokratisch erzeugte ändernde oder erweiternde Normativität steht dann – auch unter Berücksichtigung der bestehenden Weltöffentlichkeit – der Staatlichkeit zur Verfügung, um notfalls eine Verfassung, jedenfalls Administration und Koordinierung betreffende Regelungen anzupassen.


Sämtliche Interaktionen zwischen Gesellschafts- und Staatenwelt wenden uneingeschränkt unter besondere Wahrnehmung und angemessenen Schutz zu stellen sein, um von Menschen für Menschen die Freiheit und Entwicklung ihrer Zukünfte zu gewährleisten, die ihre Gesellschaften im Jetzt Erfahren und weiterentwickeln. Beide Welten sind nicht gleich, dennoch bedingen sie sich gegenseitig bei ihrer Aufgabe, den erwachsen werdenden, transformierenden, sich vor allem vertikal rückverbindenden Menschen in seiner jeweiligen Entwicklung zur jeweiligen zivilisatorischen Erfüllung zukunftsfähig zu begleiten.



* Der Verfasser ist Gründungspräsident des International Senate of Cultures (ISC) http://internationalsenate.org Die vorstehenden Gedabken bilden zugleich einen Teil des programmatischen Hintergrund der ISC Organisationspolitik.- Curacao, 17.02.2026




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