Mittwoch, 25. Februar 2026

KULTURELLE WELTORDNUNGEN DER ZIVILGESELLSCHAFTEN

 


Suprematie der Gesellschaftswelten: Determinanten noumenaler

Normativität für zivilisatorische Transformation



von J Michael Heynen *





I Funktion von Kulturen


Unabhängig von zahllosen Definitionen und Variationen von ‚Kultur’, die wohl entscheidende Funktion von Kulturen ist eine hybride, eine quantum-physisch-metaphysische, horizontal wie vertikal verbindende. Denn auch unabhängig von Zeiten und Räumen gewährleisten Kulturen die gegenseitige Interdependenz und equilibrierende Syndikation von wahrnehmendem, erkennendem Bewusstsein und potentieller Realität, von Transzendenz und Materie, Idee und „Realität“. In Kulturen, ihren kreativen Prozessen von Willensbildungen und Interaktionen wird „Geist verlebendigt, Leben vergeistigt“. Schöpferischer Gestaltungswille erzeugt entsprechende Resonanz, dynamisiert Antizipation und Weiterentwicklung. Damit kommt kulturelles Wirken des Menschen der universellen Schöpfungsgesetzlichkeit am nächsten und fazilitiert den humanen Evolutionsrozess. Und die Noumenalität kultureller, interdisziplinärer Prozesse legitimiert die Superiorität verbundener Gesellschaftswelten als Determinatoren sich frei ordnender Welten.




II Kulturen und Gesellschaftswelten


Der kulturelle Schöpfungsprozess ist immer frei und individuell erzeugt, zugleich ein intrinsischer Prozess der Zivilgesellschaften. Individuelle Initiation und gesellschaftliche Antizipation bilden im Sinne synallagmatisch gegenseitig bedingender Prozesse entsprechende Resonanz und dialogisch sich formenden ‚Common Ground‘ sowie die treibende Kraft weiterer Entwicklung. Dieser Equilibrierungsprozess kann sich auch idealerweise zum nicht-linearen Kontinuum herausbilden und freie wie friedliche Ausgestaltung der Ästhetik und daraus abgeleitete Normativität erzeugen. Ihr Stifter, die Normquelle ist immer Geist und Fantasie. Und eben diese sind die grundlegende und identifizierende, visionsbildende und einende Kraft notwendig offener Gesellschaftswelten: Individuen schaffen Kulturen, Kulturen ihre Gesellschaften.




III Kulturen und Weltordnungen


Ursachen und Wirkungen von Kulturen sind immer unbegrenzt, Ihre jeweilige Resonanz gestaltungsoffen und Ausdruck menschlicher Wahlfreiheit. Kultureller Schöpfungsprozess Ist immer zuerst noumenal und determiniert den Fokus der Resonanz, die Phänomenologie in der äußeren Welt . Die Potenziale equilibrierender Reflexion und antizipierende Elevation bereichern die inneren und äußeren Prozesse des autonomen Subjekts. Damit sind die konstituierende Essenz transnationaler Demokratien, zugleich die Voraussetzungen einer Weltordnungsfunktion beschrieben. Denn die notwendig immer vorausgesetzte Legitimation des Regierens ist hier Teil des Schöpfungs- und Entscheidungsprozesses und weiterer Entwicklung. Des Menschen Selbst, das freie Subjekt ist Schöpfer und Facilitator: Das Objekt Weltordnung - authentisch gestaltungsoffen, evolutiv, transformatorisch, verbunden - ist equilibrierende Plattform menschheitlicher Transformationspotentiale und ihrer koordinierenden Repräsentation freier Entwicklungsprozesse.




IV Institutionalisierug noumenal-kultureller Diskurse


Wenn sich Regieren und also Staaten zu weit von den Menschen und ihren Gesellschaftsprozessen und ihrem Auftrag an die Staatenwelt entfernt haben, ist es zuerst an der Gesellschaftswelt, die Weltordnung neu zu justieren und zu bestimmen, vor allem um die höchst mögliche Normativität von Freiheitlichkeit und Friedlichkeit zu gewährleisten – vor allem als nicht statischen, nicht-linearen ständigen Prozess, der geeignet ist, die Immanenz bestehender Systeme "von aussen" zu transformieren und zu transzendieren. Die oben beschriebene Ableitung beschreibt damit auch die Suprematie von Kulturen und ihren Gesellschaftswelten; daran gemessen kann es nicht jeweilige internationale Staatsfunktion sein, mehr als jedenfalls minimale Administration erfolgreich zu führen. Der zeitgenössische Verfassungsstaat ist zu recht säkular bzw laizistisch. Die nicht religiös-ideologischen gesellschaftlichen Transzendenzprozesse sind aber die erforderlichen und geeigneten - unabhängig von Einzelinteressen, von „Realpolitik“ - transpersonal repräsentiert, regiert und organisiert zu werden. Die Koordination, Syndikation und potentielle Fusion noumenal geleiteter Erkenntnisse, Willensbildungen und legitimierter Handlungsprozesse sind so für eine freie Weltordnung zu institutionalisieren. Die Organisation dieses Prozesses hat in ihren Repräsentationssystemen die ständige Equilibrierierung (vgl oben) zu gewährleisten. Folglich ist nicht formal-quantitative Mehrheitsevaluation allein entscheidend, sondern die Angemessenheit im Verhältnis zur universellen Denkgesetzlichkeit sowie die adäquate, vernunftgeleitete wie überzeugende Qualität im Sinne humaner Essentialität. Denn der Mensch ist der vor allem die Weltordnung seiner Zukunft bestimmendes autonomes Subjekt in und aus der Verbindung seiner kulturellen Gesellschaftswelten.




V Regimes-Entwicklung kultureller Gesellschaftswelten * *


Die weltweit teils akut zu erkennende Zukunftsfrage menschheitlicher Transformation zielt wahrscheinlich auf den höchst erfolgsversprechenden Korridor kultureller vor allem noumenaler Weiterentwicklung dieser Gesellschaften als erstrangigen Träger evolutiver Entwicklung. Diese Suprematie basiert auf determinierendem und equilibrierendem kulturellen Diskurs, der wohl nur so zu leisten ist. Dieser Prozeß kann die höchst mögliche Koordinierung und Syndizierung von Freiheitsprozessen fassen und verstetigen. Die Generierung und Fazilitierung von noumenalen Diskursen ist grundsätzlich neutral und transparent, gestaltungsoffen und interdisziplinär. Damit sind zugleich die Determinanten kultureller Regimes bezeichnet. Die Formen der Ausgestaltung sind ebenso grundsätzlich prozessoffen, denn historische Parallelen sind nicht erkennbar. Zugleich liegt eben hier die Herausforderung, denn die gesellschaftliche Erzeugung kultureller Regimes konstituieren zugleich die essenziellen Bausteine einer menschengerechten Weltordnung, die die Individuell-gesellschaftliche Emanzipation des Menschen transformativ fördert und wieder mit seiner Evolution zurück verbindet.



* Der Verfasser ist Gründungspräsident des International Senate of Cultures (ISC)

http://internationalsenate.org ** Die vorstehende Gedankenführung bildet zugleich

den programmatischen Hintergrund der einführenden ISC Organisationspolitik.


Dienstag, 17. Februar 2026

MULTIPOLARE WELTORDNUNG UND TRANSNATIONALE DEMOKRATIE

 Leitgedanken zur Funktion freier Gesellschaftswelten für die Zukunft der Zivilisationen


von J Michael Heynen*



Nach den eher untauglichen Versuchen weltweiter Staatlichkeit, eine nachhaltige Ordnung unter konsequenter Regel- und Rechtsanwendung zu etablieren, gibt die internationale Staatenwelt ihren Aufrag faktisch den Gesellschaften zurück . Es ist jetzt an der Gesellschaftswelt, Ihren Gesellschaftsvertrag zu erneuern, zu transnationalisieren und zukunftsfest zu machen. - Dafür erscheinen fünf im folgenden skizzierte Determinanten non-konditional:



I    Menschenbild der kosmopolitischen Demokratie


Der Mensch ist frei geboren in einen Raum des freien Willens und als emanzipierendes, entwickelndes autonomes Subjekt Das Individuum vereint zwei Welten: Eine innere, absolut freie, noumenale, transzendente Welt, eine äußere, relative Welt der Verantwortung, eine kommunikativ lernende, mit anderen Menschen ko-kreativ verbindende Potentiale der Entwicklung. So integriert und equilibriert er absolute und relative Welten. Innere Reflexion, Erkenntnisentscheidung, freier Wille treten in die äußere Welt der relativen Erscheinungen, die unendliche Chancen seiner ausgleichenden Umsetzung und Weiterentwicklung bieten. Dieser Mensch – als Teil der Evolution – schöpft aus seinem Selbst und inspiriert seine nahe und fernere Außenwelt. Potentiale und Synergien können sich idealerweise für die Menschheit entfalten und Fortschritt in freier und friedlicher Absicht bewirken So formiert der idealische, der transpersonale Mensch – integer, authentisch, verantwortlich – im familiären wie weltweiten zugleich. Ob große oder kleine Welt: Das Subjekt formt das Objekt, ist Determinator gesellschaftlicher Lebenswelten und gestaltet in ständig equilibrierendem Prozess demokratische Willensbildung mit.



II    Multipolare Weltordnung: Transpersonal und transnational


Die Versuche, eine Weltordnung zu gestalten, sind zumeist gescheitert, da die Träger der Staatenwelt jedenfalls den (idealischen) Menschen ignoriert und Machtprozesse von den Gesellschaften diskonnektiert haben. Das Administrieren als Regierungsversuch setzt auf egozentrische „Objectives“ statt auf den menschenwürdigen Reichtum seiner Auftraggeber, den transpersonalen Subjekten. Aber eben diesen humanen Kapazitäten kommt eine multipolare Weltordnung am nächsten; der demokratische Prozess freier, verbundener, eben transpersonaler Individuen ist also notwendigerweise unbegrenzt transnational.



III   Transnationale Demokratie und Gesellschaftseliten


Analog zur Evolution und ihren Lebensdynamiken: Menschen und ihre Gruppen verfügen über Unterschiedliche Wege, Qualitäten, Dynamiken und also auch Entwicklungsgeschwindigkeiten. Diese Diversität Ist für jede innere / äußere lernende Essen / Organisation von elementarer Größe, vor allem bezogen auf Inspiration und schöpferische Weiterentwicklung. Bei aller Bedeutung der Rechtsgleichheit (insbesondere im Bereich des öffentlichen Abwehrrechts) geht es hier um die ständige Fazilitierung von – auch gerade wissenschaftlichen – Gesellschafts- und Weiterentwicklungsdynamiken. Diese kommunikative und fazilitierende Beherrschungsdynamik ist eine zentrale Funktion gesellschaftlicher Entwicklung.


Hier kommen vor allem reale Eliten (nicht aus dem Unterbau) zur Geltung, da sie treibende, elevierende Kräfte für die transnational-demokratische, eben kosmopolitische Prozessbeherrschung sein können. Auch in Kenntnis der oft berechtigt negativen Konnotation der aktuell noch erlebbaren „Eliten“ wird umso mehr auf die nicht verhandelbaren hohen Qualitätsanforderungen hingewiesen: Hohe Integrität, Transparenz, Widerspruchsfreiheit, Respekt und eben Transpersonalität (siehe oben) sind die non-konditionalen Voraussetzungen. Darum ist Demokratie nicht „Kredit auf mögliche Zukünfte“, sondern die Gewährleistung von Zukunft aus der bestehenden Kraft des autonomen Subjekts und seiner proaktiven Inspiration und Überzeugung.



IV   Vernunft in der transnationalen Demokratie


In Abweichung von staatlicher Administration und ihrem hohen Formalisierungsgrad sind transnationale Demokratiefunktionen inner- / außergesellschaftlicher Findungs- und Führungsprozesse nicht an formale Kriterien gebunden. Dazu zählt auch die quantitive Ermittlung also mehrheitlicher Willensbildungsprozesse. Die Akteure der transnationalen Demokratie in einer Gesellschaftswelt können zusätzlich die universellen Denkgesetze und Prinzipien der Vernunft in ihre Willens- und Positionsbildung einbeziehen und je nach Anforderungen verstärken. Die Integrationschancen des autonomen Subjekts sind hier wesentlich besser, und zugleich sind freilich die Anforderungen an Überzeugungsarbeit und Equilibrierungsverfahren um so höher.



V   Interaktion von Gesellschafts- und Staatenwelt In der transnationalen Demokratie


Die Staatsmacht ist Verwalter und Koordinator der Form, die Gesellschaftsmacht liegt in der Überzeugungsleistung durch die Beherrschung der noumenalen Substanz und ihrer Kommunikation. Eine dieser Mächte allein – wie historisch erkannt - wird nicht ausreichen, eine menschenwürdige Zukunft zu gewährleisten und nachhaltige Weltordnungen zu etablieren. Beide Seiten haben eine unauflösbare synallagmatische Verbindung und sind also interdependent.


Die transnationale Demokratie etabliert und fördert die Institutionalisierung notwendiger Visionsbildung sowie Dialog- und Entscheidungsprozesse von menschlichen Lebenswelten Und Wissenschaften. In horizontalen wie in vertikalen Prozessen der Kollaboration und Assoziierung werden jeweilige Erkenntnisse und Entscheidungen gewissermaßen gutachterlich moderiert, syndiziert und der Staatlichkeit vermittelt. Die transnational-demokratisch erzeugte ändernde oder erweiternde Normativität steht dann – auch unter Berücksichtigung der bestehenden Weltöffentlichkeit – der Staatlichkeit zur Verfügung, um notfalls eine Verfassung, jedenfalls Administration und Koordinierung betreffende Regelungen anzupassen.


Sämtliche Interaktionen zwischen Gesellschafts- und Staatenwelt wenden uneingeschränkt unter besondere Wahrnehmung und angemessenen Schutz zu stellen sein, um von Menschen für Menschen die Freiheit und Entwicklung ihrer Zukünfte zu gewährleisten, die ihre Gesellschaften im Jetzt Erfahren und weiterentwickeln. Beide Welten sind nicht gleich, dennoch bedingen sie sich gegenseitig bei ihrer Aufgabe, den erwachsen werdenden, transformierenden, sich vor allem vertikal rückverbindenden Menschen in seiner jeweiligen Entwicklung zur jeweiligen zivilisatorischen Erfüllung zukunftsfähig zu begleiten.



* Der Verfasser ist Gründungspräsident des International Senate of Cultures (ISC) http://internationalsenate.org Die vorstehenden Gedabken bilden zugleich einen Teil des programmatischen Hintergrund der ISC Organisationspolitik.- Curacao, 17.02.2026




Samstag, 14. Februar 2026

„DIE WELTORDNUNG IST TOT, ES LEBE DIE WELTORDNUNG!“

 

Zivilisationen in Transition: Gesellschaftswelten als

transformierender Determinator


Eine klärende Reflexion von J Michael Heynen *






I   Freiheit im internationalen System



Der Mensch ist frei in einen universellen Raum des freien Willens geboren – zu oft nicht in die äußere Freiheit, jedenfalls aber in den evolutiven Prozess der Befreiung. So ist individuelle wie gesellschaftliche Entwicklung immer zuerst Emanzipation hin zum frei erkennenden Bewusstsein. Je mehr dies gelingt, umso mehr reift die Erkenntnis über die Ordnung als Immanenz der Freiheit. Ordnung wird so vor allem zur äußeren Bedingung der Freiheit, und ihre Determination kommt aus Geist als Prizipienstifter jeder Normativität. Und dies gilt für jedes Subjekt der internationalen Beziehungen, zuerst für den Menschen.



Geprägt von Renaissance und Aufklärung sowie auch horribler Empirie, entstand das lange wirksame westphälische Friedens- / Ordnungssystem der internationalen Beziehungen (der Staaten). Gemäß regionaler Selbstwahrnehmung wurde damit ein Ordnungssystem „auf die Welt“ übertragen. Dieser artefaktische Universalismus hat sich heute überlebt und beklagt seine selbst bewirkte Paralyse. - Eine anamnestische Auswahl von Gründen:





II   Zum Niedergang „Alter und Neuer Weltordnung“



- Die illegitime „Globalisierung“ des westphälischen Systems ist durch Doppelstandards sowie mangelnde Selbstregulierung der realen, zumal rein materiell-technischen Globalisierung konsequent vaporisiert worden. In der Folge endeten Politikversuche in reinen Geopolitiken und projizierten inneren wie äußeren „Kulturkämpfenoft auch als immer noch nicht überwundenen „Mein Kampf“. Liberale Normativität und Ordnungen wurden als Camouflage des überlebten wie überdehnten angelsächsischen Eigentumsbegriffs und seines dialektischen „Zwillings“ roher marxistischer Egalisierung recht erfolgreich benutzt und also konterkariert. Ein schein-transitorischer Übergang in technoid-materiellen Feudalismus und Plutokratismus ist wohl konsequent und gewollt. Internationales Recht liberaler Ordnung – abhängig von höchster Freiwilligkeit – wird dann „befolgt“, soweit es neo-kolonialistischen wie - imperialistischen Zielen dient und aufgrund minimaler Transparenz die gebotene „compliance“ und integre“ Form wahren hilft.


- Die Überwindung der absoluten Monarchie (westliche Ausnahme: der Vatikan) war so letztlich rein formaler Austausch der offiziellen Repräsentanz. Das Paradigma „Von Gottes Gnaden“ wechselte den Projektor, ein egozentrischer Auto- / Plutokratismus – eingebettet in Gleichheitsphantasien und Partizipationsprojektionen mit selbstgerechtem Weltgeltungsanspruch hat sogar das Potential weltweiter Systemangleichung, was im UN Kontext zur Friedensstiftung taugen könnte. Nicht gelöst bleibt die nachhaltige und letztlich zivilisationsgefährdende Diskonnektierung von Staat und Gesellschaft. Die lebende Anschauung bieten vor allem die zahlreichen Außenpolitiken: die Repräsentanz kleinbürgerlicher Provinzialität und diplomatischer Inkompetenz sowie illegitimer Allmachtsphantasien, hegemonialer Zentripedalität, imperialen Chauviinsimus’, kurzsichtiger Gewalteskalation und Kriegstreiberei. Der gesellschaftsvertragliche Auftrag an den Staat und die Staatenwelt ist ad-absurdum geführt, und so sind menschheitlich-zivilisatorische Visionen und also Zukünfte unerreichbar. Notwendende minimale Ansätze transnationaler Ordnungspolitik werden systematisch vaporisiert.


- Das verbliebene „kleine Format“ ego-zentripedaler Außenpolitiken wird welt-messianistisch vermessen und also zur rein quantitativen, paternalistischen Staatlichkeit. Die damit korrespondierende innere Entkopplung von Staat und Gesellschaft mit der Konsequenz illegitimen Regierens (unabhängig von Inkompetenz, fehlender Integrität und Transparenz) hat die eigene (westphälische) Freiheits- und Friedensordnng eben des Westens zerstört: Verfassungen sind ausgehöhlt, die menschenfernen Formen des Regierens und seelenlose Governance-Artefakte lösen die Gründe und Substanzgeltung der Freiheit ab und spiegeln sich direkt in feudalistisch-imperialistischen „Außenpolitiken“ wider. Die dadurch erzeugte post-nationale, insbesondere aber zunehmende post-staatliche Irreversibilität bedingt systematische wie systemische Entleerung eben der Gesellschaften und überlässt sie ihrem historisch geübten Schicksal.


- Ein Regieren als Ausdruck zeitlos, klassischer Staatskunst ist also abgelöst von faktischer wie insbesondere geistiger „Insolvenz“, so fällt Staatlichkeit als Grundlage internationaler Ordnungsmacht, als Kontinuum transnational kreativer Entwicklung und Friedensstiftung aus. Dies gilt erst recht für die aktuellen Versuche der Beherrschung durch technokratisch-materialistisch-militaristische sogenannte Neu-Eliten. Die messianistische Eigenwahrnehmung – von den Glaubenskriegen zum regionalen Universalismus bis hin zu heutiger egozentrischer Kapitalkumulation etc. - lehrt: Herkunft ist nicht auch Zukunft, und ein Absolutismus im Äußeren existiert nicht, denn die universelle Welt ist relativ. Und genau dies gilt zuerst für eine freie Politik der Internationalen Beziehungen speziell im Sinne transnationaler Ordnungspolitik im Geiste zivilisatorischer Zukunftsbestimmung.




III   Transnationale Ordnungspolitik



Jede Ordnung ist, vor allem als Freiheitsordnung, minimal regelbasiert und – analog zum Regelkreis – dynamisch, um früh- / rechtzeitig Entwicklungen und Änderungen zu antizipieren. Jenseits ihrer Immanenz kann sich eine Ordnung auch auflösen und – im Falle der Freiheitsordnung – ersatzlos vegetieren. Der in einem universellen Raum des freien Willens geborene Mensch ist im Falle unfreier Lebensbedingungen der rohen Existenz auf Reptilienlevel ausgeliefert, also ganz im Gegenteil zu seiner zivilisatorischen Evolution. Rechtslosigkeit, Anarchie und Chaos oder erstarrte Ordnung sind dann zugleich die Auslöser eines potentiellen Zivilisationskollapses. Haben statt Sein und Bewusstsein haben so eine weltweite fundamentale Krise herauf beschworen, letztlich eine absehbare Konsequenz, die ein messianistischer Transhumanismus zuätzlich kathalysiert.



Wenn machtpolitische Staats-Egozentrik der letzten Jahrhunderte jedenfalls die europäische Renaissance und Aufklärung – den Humanismus - verraten haben, so ist endgültig bewiesen, dass nur Gesellschaften und ihre Eliten vor allem im transnationalen Zusammenleben von Menschen die politisch-geistige Führung aus Bewusstsein und also Zukünfte gewährleisten können. Denn internationale Ordnungspolitik ist daher zuerst aus transnational-universeller, individuell-gesellschaftlich geistiger Freiheitsordnung zu schöpfen und zu legitimieren. Jedes andere Verfahren internationaler Ordnungsstiftung wird wie gehabt wieder und wieder scheitern, da es die evolutive Kernsubstanz des Menschen ignoriert. So führt auch die große letzte Nachkriegsordnung der Vereinten Nationen und ihre fundamentale Krise – ein tragisches Scheitern – recht präzise in die Wechselpotentiale einer globalen Transformation vor allem der Politik der Internationalen Beziehungen: Transnational assoziierende Gesellschaftsformate sind also die einzig legitimierende treibende Macht zivilisatorischer Bestimmung menschlicher Zukünfte.




IV    Gesellschaft – Markt – Administration



Klar ist: Es braucht die Staatlichkeit – als Gegenentwurf zur Anarchie: professionell, transparent, integer – zur Organisation, Koordinierung und abgeleiteten Regelung / Ordnung freier Handlungsräume. Dazu zählen präzise legitimierte Gewaltmonopole und formale Souveränität auch in den Außenbeziehungen: Der Staat als minimaler Administrator zwischen Gesellschaften und Märkten – innerstaatlich wie außerhalb. Die Machtfaktoren einer solchen transnationalen Ordnungspolitik liegen zugleich ausschließlich im Bereich der den freien Willen bestimmenden Gesellschaften. Während die Märkte den „Unterbau“ organisieren, setzen die emanzipierten Träger des gesellschaftlichen Willens die qualitative und geistige Macht ihres politischen Willens. Nicht Angst und Paternalismus, sondern equilibrierendes Bewusstsein und freier Wille steuern zivilisatorische Entwicklung und Normativität der Immanenz ständig transformierender Ordnungsdynamiken – im Inneren wie im Äußeren.




V   Evolutionäre Weltordnungen: Zivilisationen als Gesellschaftswelten



Gemessen an den Bedingungen menschlicher Evolution hat die Staatenwelt in den letzten Jahrhunderten versagt: Generierung von Ängsten, Regelungsdominanz und Gewalt, illegitime Kontrolle, vor allem die damit verbundene Begrenzung menschlicher Entwicklungsdynamiken – oft auch religiös-ideologisch camoufliert – haben die Zivilisationen in ihren Abstieg, im Zweifel an ihren Endpunkt geführt. Ohne jede human adäquate Legitimation haben sie ihren administrativ-koordinierenden Auftrag missbraucht und die strukturelle Entropie des internationalen Systems verursacht. Diese Welt-Unordnung ist nur durch eine Kopernikanische Wende, besser: einen Quantensprung in die Zentropie, eine freiheitlich-friedliche, ko-kreativ gesellschaftliche Weltordnungsdynamik zu leisten, um Zukünfte der Menschenwürde angemessen zu gestalten.



Diese zivilisatorischen Zukünfte und also auch Ordnungen hängen mehr denn je vom Menschen Selbst und seiner individuell-gesellschaftlichen Fähigkeit zur Rückverbindung mit seiner transzendenten Evolutionsgesetzlichkeit ab. Diese Bestimmung – wohl nie Aufgabe des Staats – ist nur durch die Gesellschaften zu definieren: Eine für Menschen lebenswerte Welt ist nur eine Welt freier Gesellschaft. In diesem indivduell-gesellschaftlichen Selbstbewusstsein kann eine adäquate Weltordnungspolitik, eine Menschenpolitik der Internationalen Beziehungen als transnationale Freiheitsordnung gestaltet und bewirkt werden. Alpha und Omega jeder globalen Governance stehen folglich unter dem non-konditionalen Primat freier Gesellschaftswelten.



So ermächtigtes Regieren ist dann weit mehr als staatliches Administrieren: Selbst-Regieren mit universeller Verantwtortung und vor allem mit angemessen dynamischer Normativität, die aus geistiger Erkenntnis und freiem Willen schöpft – freilich in gesellschaftlicher Relativität und Equilibration. Reflektierte Führung aus dem Menschen Selbst schafft eine nachhaltige, zukunftsfähige Weltordnung mit ständigen Findungsprozessen und höchst möglicher Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, denn „des Menschen Wille ist sein Himmelreich“! Eine solche Weltordnung gemäß dem Primat der Gesellschaftswelten macht die Zukunft zur dynamischen, ko-kreativen Gegenwart – und den Planeten zu einem universellen Analogon als Raum des bedingungslos freien Willens.



* Der Verfasser ist Gründungspräsident des International Senate of Cultures (ISC) http://internationalsenate.org Die vorstehenden Reflexionen bilden zugleich den programmatischen Hintergrund der ISC Organisationspolitik. - Curacao, 14.02.2026




Sonntag, 23. November 2025

ANASTASIS: DER QUANTENSPRUNG INS ‚NOUS‘

 


Reflexionen über die zentrale gesellschaftliche Herausforderung für

das zweite Viertel des 21. Jahrhunderts: des Menschen Anastasis



von J Michael Heynen







I. Was war es?



Die internationalen Gesellschaften starteten aus der Gewissheit der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts in die Ungewissheiten des 21., dennoch: die Erkenntnisse aus den empirischen Befunden wurden wohl weitgehend ignoriert. Und gleich zu Beginn wurde – in strategisch-konsequenter und post-imperialer Manier – das alte fatale Spiel der künstlich dramatisierenden Antagonismen wieder aufgenommen, diesmal weitgehend internationalisierend und militarisierend. Das rein spekulative Narrativ vom „Kampf der Kulturen“ wurde zum Paradigma simpler Leute und ihrer Führer, schließlich zur Normativität staatlichen Handelns aus globalisierenden egomanischen Projektionen.


9/11 prägte dann auch in alten bitteren Mustern und Gewalteskalationen den weiteren Weg des ersten Viertels: die Fragmentierung des fragilen internationalen Systems sowie die intendierte Entropie der „Demokratie“ durch die endgültige Aufgabe von Transparenz und Integrität für Findungsprozesse von Wahrheit und Gerechtigkeit. Die offensichtliche Irreversibilität dieser Entwicklung wurde dann Jahre später durch zivilisatorische Maßnahmen wie Epidemien global zusätzlich verstärkt. Die Auflösung jeder Ordnung als Grund und Bedingung der Freiheit führte im Zeitraffer direkt über das 20. zurück ins 18./19. Jahrhundert: diesmal ein geopolitischer Irrgarten als sog. Weltordnung.




II. Das omnipotente Ego des Unterbaus



Dieser systematisch initiierte und expandierte Prozess – gezielte Konflikteskalation, ersatzlose Ordnungsauflösung bei gleichzeitig politisierter Bürokratieexplosion, staatlich selbstüberschätzendes „Regieren“, in der Regel inkompetentes Führungspersonal, individuelle Freiheiten nur noch als „Diaspora“ etc. - bewirkt die flächendeckende Vaporisierung von Gesellschaften und Staaten sowie ihre konstituierende Verbindung zur Legitimation von Staatlichkeit.


Vor allem vormals demokratisch verfasste Gesellschaften wurden durch kollektivistisch materialisierende Ideologien quantitativ konditioniert statt auf der Basis der Autonomie des Subjekts qualitativ determiniert vertieft und dynamisiert zu werden. In Konsequenz haben sich auch die sog. demokratischen Ordnungen der internationalen Beziehungen als reine Interessenpolitik in endlosen Antagonismen und Doppelstandards verstrickt und also eliminiert. Der sog. „demokratische Universalismus“ outete sich folglich selbst als imperiale wie feudalisierende Strategie und endete in der Sackgasse: „The West and the Rest“!


Renaissance, Aufklärung, Westfälischer Friede fielen egomanischen Machtprojektionen zum Opfer - technisch-ökonomisch, nihilistisch materiell unterlegt und trans-humanistisch camoufliert: Statt aus dem Überbau sinn- und friedensstiftend Gegenwart und Zukunft zu beherrschen, wird der Unterbau aus der Realität und ihrer „Normativität des Faktischen“ zur alleinigen Modalität des Regierens, also illegitim und notwendigerweise Gewalt eskalierend. - Gesellschaften bestellten also den Staat, um am Ende als egomanische Projektionsfläche entkoppelter Staatlichkeit zu dienen und auch schon bald durch vollkommene Substanzentleerung sich wieder selbst überlassen zu werden: Der Neuanfang!



III. Ein Weg daraus?



Das erste Viertel des 21. Jahrhunderts, seine multi-kausalen wie -lateralen Krisen und Konflikte beweisen endgültig die Untauglichkeit, die faktische Realität aus ihrer Immanenz zu regieren. Menschliches Leben heisst wählen, dabei heisst wählen aber nicht, aus den Realitätsbedingungen die jeweils egozentrisch passende auszusuchen, desweiteren heisst es vor allem nicht, die Konstanten des kosmischen Gesetzes egomanisch zu biegen, sondern im Gegenteil: die Bedingungen der Realität aus der Bestimmung des kosmischer (kognitiver) Gesetzlichkeit zu gestalten und zu ordnen. Nur so entsteht die individuelle Freiheit und Kreativität des Subjekts. Und eben hierin liegt der auch wohl einzige Ausweg aus der zivilisatorischen Krise, die Zukunft zu erreichen und menschenwürdig zu gestalten.


Wer diese Krise und ihre Ursachen erkennt, öffnet automatisch zu Transition und Transformation: zur Emanzipation im Sinne endgültigen Erwachsenwerdens, zur Rekonnektierung innerer und äußerer Welten (das Bewusstsein zuerst und als treibende Kraft) sowie die Rückkehr menschheitlicher Entwicklung in den Evolutions-Grid universeller Schöpfungslogik (Teilhard de Chardin) – aus voller Selbstermächtigung und Selbstbestimmung, legitimiert aus individueller Universalität.


Das endgültige Ende zivilisatorischer Entwicklung wird zum Neuanfang aus Rekonnektierung mit der eigentlichen Gestaltungsmacht: aus der Wiederverbindung mit der inneren Welt / Selbst als Grundlage eines emanzipierenden Selbst-Bewusstseins wird die zivilisatorische Welt neu gestaltet, aus der realen Welt innerer Selbst-Bestimmung des Individuums als sich verantwortender Träger menschlicher Weltentwicklung.


Diese Art von kopernikanischer Wende, der Quantensprung in das und aus dem Selbst, beschreibt Freiheit und Ordnung aus kreativer Humanität. Eine solche grundsätzliche Wende vom Materiellen zum Immateriellen, von der Materie zur Führung aus Geist und Bewusstsein ist die Maßgabe menschlicher Entwicklung im 2. Viertel des 21. Jahrhunderts. Damit beginnt die eigentliche Entwcklung der Menschheit: vom Heranwachsenden zum Erwachsenen. Die damit verbundene Rückkehr zur Führung aus geistigen Substanz ist zugleich der endgültige Wiedereintritt in den schöpfungsgemäßen Evolutionsprozess als zentrale zivilisatorische Leistung des Menschen: vom Objekt zum Subjekt, zum Ko-Kreator der Schöpfung!


Das aktuell noch laufende Anthropozän ist die historische Verbindung von Transition und Transformation in die vom Selbst dynamisierte Nousphäre, dem den Menschen aufnehmenden Gestaltungs- und Resonanzraum seines menschenwürdigen Lebens – individuell und gesellschaftlich selbst determiniert und equlibriert: eine Art Anastasis von der seelentoten Person zum Menschen aus Geist und Bewusstsein, dem „Adler Phoenix aus der Asche!“



J Michael Heynen

Montana, Curacao

22.11.2025




Montag, 9. Juni 2025

METANOIA UND WELTORDNUNG

 

Reflexion von J Michael Heynen




I   „State“ of the Art?


Die Welt könnte im „ewigen Frieden“ leben, wenn der innere Friede des individuellen Selbst eine real bestimmende Grüße wäre. Ideen und noumenale Normativität sind in hoch-zivilisatorischer Weise entwickelt und sind jedenfalls formal gültig. Regionale Friedensphasen sind erlebbar – eine Blaupause für das Grosse, das Ganze? Was ist das „missing link“ zwischen einer Weltordnung des Friedens, der prinzipiellen Universalität des „ewigen Friedens“, und dem daraus abgeleiteten Unterbau zur Verlebendigung tatsächlicher Friedlichkeit?


Die wahre „Staatskunst“ einer Regimebildung universellen Friedens ist nicht erkennbar, obwohl die Staatenwelt ihre Verantwortung dafür reklamiert. Im Gegenteil: Die Ordnung der Staaten tendiert zur Auflösung, zur Vertiefung von Divergenz und egozentrischer „Machtvollkommenheit“ neo-imperialistischer Prägung.


Das internationale System der Staatenwelt und seine Friedensfähigkeit beschreibt im wesentlichen ein systematisches Staatsversagen. Der innere Zustand wird in der Außenpolitik reflektiert: Legitimationsfreie Machtpolitik bedingt Menschen abgewandtes Regieren bzw Verwalten und folglich formal stabilisierende Interessen- und Geopolitiken klassisch imperialistischer Prägung. Kluge, weitsichtige wie real legitimierte Politik sind eher seltene Ausnahmen, nicht mal die Fähigkeit zur Konfliktlösung ist identifizierbar. Selbst ein nur abstrakter „guter Wille“ ist undenkbar. Staatsgewalt in ihren heutigen Erscheinungen bewegt sich weiter zunehmend im Gegensatz zur Denkgesetzlichkeit jedenfalls der Vernunft. Staatskunst erscheint irreversibel vorbei. Was bleibt? - Der Mensch in Transition …



II   Metanoia in Gesellschaften


Das Leben des Menschen ist vor allem Wählen und Verantworten. Dies gilt umso mehr, als die physische Schöpfungsgesetzlichkeit erfüllt ist, Sein und Haben begriffen sind. Der Sinn des Lebens erfüllt sich freilich nicht im Unterbau der Existenz, sondern aus der Denkgesetzlichkeit des Überbaus. Mit dem Erreichen des Anthropozän kann endgültig als gesichert gelten, dass der Mensch eine Weiterentwicklung, seine zentral wesentliche Emanzipation nicht weiter aufschieben kann, sondern sich mit der Gesetzlichkeit der Gesamtevolution wieder zurück verbindet. Diese Konversion bzw Transition, der Übergang ins Noozän, hat schließlich schon längst begonnen, dennoch der „kopernikanische“ Schritt in die Zukunft gestaltende Vrwandlung hat einen zentralen Einstiegspunkt: die Metanoia.


Auch unabhängig von Staatensystem und Staatenwelten, ihren formalen Souveränitäten und Monopolen: Das Umdenken, die eigene Ermächtigung zur Selbstbestimmung steht lange an und ist jetzt in die Erfüllung zu bringen. Aus dem individuellen Selbst und seiner Rückverbindung ist Leben zu vergeistigen und Geist zu verlebendigen. Das Bewußtsein bestimmt das Sein, innere Führung steuert die äußeren Bedingungen der Existenz. Denken und Fühlen schöpfen Sinn und Qualität des Lebens sowie die zukünftige Entwicklung. Und Wahrnehmung und Empfindung, Imagination und Phantasie, Kontemplation und Glaube / Mystik, Sensibilisierung und sinnlich-aesthetische Selbsterfahrung und -erkenntnis sowie Meditation und Reflexion, kognitive und Erkenntnisprozesse im inneren Raum des Menschen sichern die Grundlage der Interaktion in den äußeren Räumen, vor allem als Resonanzräumen.


In daraus erzeugter Freiheit und Bindung des Selbst wird die Verantwortung im gesellschaftlichen Raum erzeugt. In offener Wahrnehmung und Kommunikation sowie in ständiger Equilibrierung werden Ideen und Willen synergetisch verschränkt und erhöht. Der „kategorische Imperativ“ ist jeweils konsequent zu fazilitieren, Staaten und ihr Regieren – soweit noch erforderlich – sind dann reine Koordinierungsinstanz gesellschaftlichen Willens. Der dafür fällige Einstieg, die dazu erforderliche individuell-gesellschaftliche Metanoia ist also dringend einzuleiten: Krisenkonversion ist hier vor allem zugleich eine Art Reset in die evolutionäre Entwicklung nach langen Blockaden.



III   Evolution und Emanzipation: Homo Genesis


Wie oben erwähnt, die physische Evolution eben des Homo Sapiens ist im wesentlichen abgeschlossen; und damit ist die existentielle Seinsorientierung und Lebensphilosophie bisheriger Prägung erreicht und finalisiert. Mit der kopernikanischen Wende vergleichbar – und doch von wesentlicherer Bedeutung – steht jetzt der Homo Genesis im Mittelpunkt weiterer Evolutionsentwicklung des Menschen.


„… Dieser Mensch, der Homo Genesis, ist kein Übermensch, also Humanoid oder Transhuman, umso mehr aber transpersonal, ein humanes Wesen, ein Kulturmensch. Denn er emanzipiert sich aus der äußeren Egozentrik hin zur Zentralität seines je führenden, abgeleiteten Selbst. Denkende, reflektierende, meditierende, kontemplierende und fühlende Kapazitäten bestimmen seine innere Führung und die radial treibende Kraft seines Seins. Diese ist nicht mehr ego-kompetitiv, sondern Konsequenz innerer unbegrenzter Universalität und Totalität, dann im äußeren equilibriert als gesellschaftliche Kapazität. Mit dieser ins Unendliche geöffneten Schubumkehr verbindet sich das Bewusstsein des Menschen mit der Noosphäre als ewigem Resonanzraum kreativer Individualität und zugleich kosmisch-normativer Universalität. Nach (zu) lange spät-pubertierender Entwicklung tritt die Evolution des Menschen ein in ihre eigentliche Determination, die bedingte Realität aus der bestimmenden Noumenalität zu gestalten und zu beherrschen. Im Selbst des Homo Sapiens ruhen die Gründe und Potentiale der Aktivierung des humanen Menschen, denn der Homo Genesis ist schon länger präsent in ihm und bedarf seiner überfälligen emanzipativen Metamorphose.


Der Homo Genesis ist kein neuer Mensch, aber ein transformierender Mensch: Das Sein wird aus dem Bewusstsein, also von innen nach außen gelebt. In dieser aktuellen Transitionsentwicklung kommt es zugleich zentral darauf an, dass sich nicht nur das Individuum als Homo Genesis begreift und erfährt, sondern dass sich daraus zunehmend ein verstetigendes kollektives Bewusstsein als Kulturmensch konstituiert. Im Übergang wird dieser Prozess eher als Eliten bzw. Minderheiten basiert erscheinen, da insbesondere jede Art von Über-Ich-Generierung der Masse und ihrer „demokratisch“ quantitativen Verfahren durch Verstand, universelle Denkgesetzlichkeit und also geistige Legitimation auszuschließen ist (Überwiindung eines klassischen Phänomens vergehender Ego-Welten und ihrer kompensierenden Ersatzprojektionen). ...“

Quelle: https://weltmacht-selbst.blogspot.com/2025/03/homo-genesis.html



IV   Bewusstsein und Noumenalität


Individuell-gesellschaftliche Führung wird noch im ersten Schritt der Metanoia unerlässliche Introspektion / Introversion erfahren und einstellen: eben innere Führung aus dem Bewusstsein, aus innen nach außen, aus Geist in die Verlebendigung des äußeren Raums. Das Selbst bestimmt sich zuerst selbst und stimuliert / fazilitiert dann die zu equilibrierenden Bedingungen des Seins. Nach der Metanoia konstituieren sich dann die Gesellschaften aus individuellen Trägern offenen, kreativen Geistes in gegenseitig lernendem, synergetischem und transformativem Diskurs.


Dementsprechend werden auch inner- und zwischengesellschaftliche Konflikte als konsequente Lösungs- und Optimierungschancen begriffen. Die Zeit divergenten Austrags konkurrierender, egozentrischer Machtsurrogate und Missbrauch abgeleiteter Staatlichkeit ist dann vorbei und nur noch historisches Lehrstück verirrter Machtsysteme (verabsolutierter Unterbau). Vor allem das oberste Gebot gesellschaftlicher Gerechtigkeits- und Wahrheitsfindungsprozsse wird endlich einer realen Substanz zugeführt.



V   Weltordnung – Transition und Zukunft des Menschen


Im Prozess der Weltgeschichte wurde mehrheitlich nicht nur die umfassende Führung der Aristokratie abgelöst, sondern aus den Freiheitsbewegungen der moderne Staat entwickelt. Nur der freiheitlich-demokratische Verfassungsstaat hat eine zeitweise Nähe zu diesen Idealen entwickeln können. Auch hier wurde der Rechtsstaat jedenfalls westlicher Prägung ausgehöhlt, politisch-ideologisches, oligopolistisches Regieren nutzt weitgehend nur noch die historische Form. Der Staat wurde zum Artefakt, zur paternalistischen Projektionsfläche freien Willens. Eine reale Legitimation von Regieren ist vaporisiert.


In Konsequenz zu dieser Diskonnektierung von Menschn und Repräsentanz – nach westfälischem Frieden, Wilson, UN, Erreichen hohen Normativitätniveaus internationalen Rechts – konnte das internationale Systeme lediglich kürzere Phasen tendenzieller Friedensordnung beschreiben. Eine Weltordnung in refenzierender Legitimation von Machtprozessen aus dem Willen des „freien Bürgers“ existiert nicht. Spätestens seit 9/11 sind zumeist geopolitische Interessen „Leitkultur“ des Rechts, also das Recht des vermeintlich Stärkeren. Transhumanistisch-technologisch-militärischer Overkill visualisiert die apokalyptische Dramaturgie der Selbstfinalisierung humaner Zivilisation. Kluge Politik und Diplomatie humanistischer Provenienz sind zumeist ausgehebelt, allein aus Inkonsequenz in der Verfolgung kollektiver Prinzipien sowie aufgrund der Inkompetenz des führenden Regierungspersonals.


Zugleich sind Anteile der öffentlichen Wahrnehmung identifizierbar, sich in einer globalen Transition zu begreifen: Der aktuell erzeugte Weltzustand und die Menschenwelt resonieren nur marginal. Weitgehend entfremdete, versklavende Systeme der „Objektivität“ und Überregulierung lösen selbst dringende Probleme nicht mehr, soweit diese noch erkannt sind. So wächst eine erkennbare Bereitschaft, sich dem anstehenden Metanoia-Prozess zu stellen.


Diesen Metanoia-Prozess, die Konversion in den Paradigmenwechsel – Priorität des Bewusstseins und innerer Führung – zu eröffnen, das hängt wohl ausschließlich von gesellschaftlich führenden Individuen ab, die die dem realen wie notwendigen Elitebegriff tatsächlicher Exzellenz im Sinne einer Zukunftstauglichkeit entsprechen. Individuum, Organisation, Gesellschaft – in diesem Dreischritt kann ein Wechsel gelingen, viral expandieren und Blockaden des Egozentrismus und seiner Komfortzonen auflösen.


Der aktuelle individuelle-gesellschaftliche Mensch trägt es in sich, diesen Metanoia-Punkt und prozess aus dem rückverbundenen Selbst präzise zu identifizieren und zu bestimmen. Selbstbewusstsein und Verantwortung, Kreativität und Phantasie sind dabei die zentralen Elemente der Wechseldynamik, zugleich Mittel der Krisenlösung, Transition und Transformation. Die darin vor allem auch begründete Verfahrens und Verteilungsgerechtigkeit als führendem Weltprinzip sowie die erneuerte, vertrauensgestützte Synergiefähigkeit sind zugleich die Kathalyse in zwischen-/ gesellschaftlicher Equilibration und noumenal-normativer Neubestimmung einer realen Menschen-Weltordnung – als der Schöpfung adäquater Teil einer universellen Ordnung.



©   J Michael Heynen, Gründungspräsident ‚Senate of Cultures‘ | Baden-Baden, 9. Juni 2025