Suprematie der Gesellschaftswelten: Determinanten noumenaler
Normativität für zivilisatorische Transformation
von J Michael Heynen *
I Funktion von Kulturen
Unabhängig von zahllosen Definitionen und Variationen von ‚Kultur’, die wohl entscheidende Funktion von Kulturen ist eine hybride, eine quantum-physisch-metaphysische, horizontal wie vertikal verbindende. Denn auch unabhängig von Zeiten und Räumen gewährleisten Kulturen die gegenseitige Interdependenz und equilibrierende Syndikation von wahrnehmendem, erkennendem Bewusstsein und potentieller Realität, von Transzendenz und Materie, Idee und „Realität“. In Kulturen, ihren kreativen Prozessen von Willensbildungen und Interaktionen wird „Geist verlebendigt, Leben vergeistigt“. Schöpferischer Gestaltungswille erzeugt entsprechende Resonanz, dynamisiert Antizipation und Weiterentwicklung. Damit kommt kulturelles Wirken des Menschen der universellen Schöpfungsgesetzlichkeit am nächsten und fazilitiert den humanen Evolutionsrozess. Und die Noumenalität kultureller, interdisziplinärer Prozesse legitimiert die Superiorität verbundener Gesellschaftswelten als Determinatoren sich frei ordnender Welten.
II Kulturen und Gesellschaftswelten
Der kulturelle Schöpfungsprozess ist immer frei und individuell erzeugt, zugleich ein intrinsischer Prozess der Zivilgesellschaften. Individuelle Initiation und gesellschaftliche Antizipation bilden im Sinne synallagmatisch gegenseitig bedingender Prozesse entsprechende Resonanz und dialogisch sich formenden ‚Common Ground‘ sowie die treibende Kraft weiterer Entwicklung. Dieser Equilibrierungsprozess kann sich auch idealerweise zum nicht-linearen Kontinuum herausbilden und freie wie friedliche Ausgestaltung der Ästhetik und daraus abgeleitete Normativität erzeugen. Ihr Stifter, die Normquelle ist immer Geist und Fantasie. Und eben diese sind die grundlegende und identifizierende, visionsbildende und einende Kraft notwendig offener Gesellschaftswelten: Individuen schaffen Kulturen, Kulturen ihre Gesellschaften.
III Kulturen und Weltordnungen
Ursachen und Wirkungen von Kulturen sind immer unbegrenzt, Ihre jeweilige Resonanz gestaltungsoffen und Ausdruck menschlicher Wahlfreiheit. Kultureller Schöpfungsprozess Ist immer zuerst noumenal und determiniert den Fokus der Resonanz, die Phänomenologie in der äußeren Welt . Die Potenziale equilibrierender Reflexion und antizipierende Elevation bereichern die inneren und äußeren Prozesse des autonomen Subjekts. Damit sind die konstituierende Essenz transnationaler Demokratien, zugleich die Voraussetzungen einer Weltordnungsfunktion beschrieben. Denn die notwendig immer vorausgesetzte Legitimation des Regierens ist hier Teil des Schöpfungs- und Entscheidungsprozesses und weiterer Entwicklung. Des Menschen Selbst, das freie Subjekt ist Schöpfer und Facilitator: Das Objekt Weltordnung - authentisch gestaltungsoffen, evolutiv, transformatorisch, verbunden - ist equilibrierende Plattform menschheitlicher Transformationspotentiale und ihrer koordinierenden Repräsentation freier Entwicklungsprozesse.
IV Institutionalisierug noumenal-kultureller Diskurse
Wenn sich Regieren und also Staaten zu weit von den Menschen und ihren Gesellschaftsprozessen und ihrem Auftrag an die Staatenwelt entfernt haben, ist es zuerst an der Gesellschaftswelt, die Weltordnung neu zu justieren und zu bestimmen, vor allem um die höchst mögliche Normativität von Freiheitlichkeit und Friedlichkeit zu gewährleisten – vor allem als nicht statischen, nicht-linearen ständigen Prozess, der geeignet ist, die Immanenz bestehender Systeme "von aussen" zu transformieren und zu transzendieren. Die oben beschriebene Ableitung beschreibt damit auch die Suprematie von Kulturen und ihren Gesellschaftswelten; daran gemessen kann es nicht jeweilige internationale Staatsfunktion sein, mehr als jedenfalls minimale Administration erfolgreich zu führen. Der zeitgenössische Verfassungsstaat ist zu recht säkular bzw laizistisch. Die nicht religiös-ideologischen gesellschaftlichen Transzendenzprozesse sind aber die erforderlichen und geeigneten - unabhängig von Einzelinteressen, von „Realpolitik“ - transpersonal repräsentiert, regiert und organisiert zu werden. Die Koordination, Syndikation und potentielle Fusion noumenal geleiteter Erkenntnisse, Willensbildungen und legitimierter Handlungsprozesse sind so für eine freie Weltordnung zu institutionalisieren. Die Organisation dieses Prozesses hat in ihren Repräsentationssystemen die ständige Equilibrierierung (vgl oben) zu gewährleisten. Folglich ist nicht formal-quantitative Mehrheitsevaluation allein entscheidend, sondern die Angemessenheit im Verhältnis zur universellen Denkgesetzlichkeit sowie die adäquate, vernunftgeleitete wie überzeugende Qualität im Sinne humaner Essentialität. Denn der Mensch ist der vor allem die Weltordnung seiner Zukunft bestimmendes autonomes Subjekt in und aus der Verbindung seiner kulturellen Gesellschaftswelten.
V Regimes-Entwicklung kultureller Gesellschaftswelten * *
Die weltweit teils akut zu erkennende Zukunftsfrage menschheitlicher Transformation zielt wahrscheinlich auf den höchst erfolgsversprechenden Korridor kultureller vor allem noumenaler Weiterentwicklung dieser Gesellschaften als erstrangigen Träger evolutiver Entwicklung. Diese Suprematie basiert auf determinierendem und equilibrierendem kulturellen Diskurs, der wohl nur so zu leisten ist. Dieser Prozeß kann die höchst mögliche Koordinierung und Syndizierung von Freiheitsprozessen fassen und verstetigen. Die Generierung und Fazilitierung von noumenalen Diskursen ist grundsätzlich neutral und transparent, gestaltungsoffen und interdisziplinär. Damit sind zugleich die Determinanten kultureller Regimes bezeichnet. Die Formen der Ausgestaltung sind ebenso grundsätzlich prozessoffen, denn historische Parallelen sind nicht erkennbar. Zugleich liegt eben hier die Herausforderung, denn die gesellschaftliche Erzeugung kultureller Regimes konstituieren zugleich die essenziellen Bausteine einer menschengerechten Weltordnung, die die Individuell-gesellschaftliche Emanzipation des Menschen transformativ fördert und wieder mit seiner Evolution zurück verbindet.
* Der Verfasser ist Gründungspräsident des International Senate of Cultures (ISC)
http://internationalsenate.org ** Die vorstehende Gedankenführung bildet zugleich
den programmatischen Hintergrund der einführenden ISC Organisationspolitik.