Dienstag, 22. November 2022

PREKÄRES REGIEREN IN DEN INTERNATIONALEN BEZIEHUNGEN

 


PREKÄRES REGIEREN IN DEN INTERNATIONALEN BEZIEHUNGEN


Aktuelle Außenpolitiken als treibende Kraft zivilisatorischer Paralyse


Thesen von J Michael Heynen



1. Regionales und international relevantes Regieren ist weitgehend sogenannter Kakistokratie (Herrschaft der Schlechtesten) zuzuordnen. Egozentrische wie substanzlose Persönlichkeiten „regieren“ bestenfalls ohne, zumeist aber im Gegensatz zur zivilisatorischen Verantwortung im Sinne aristokratischen Regierens (Herrschaft der Besten).


2. Das so gepolte Regieren aus dem „Unterbau“ nutzt pseudo-legitimierende religiöse und/oder ideologische Formen aus dem „Überbau“, um in der Regel faschistoide, imperialistische Dominanzversuche als messianistische „Weltrettung“ mit anschließender „Welterlösung“ zu kaschieren und Glauben zu machen. Trotz aller negativen historischen Erfahrung: Unprofessionell Regierende flüchten sich in unregulierte, rein projezierte Großsysteme (Globalisierung) bei gleichzeitiger Überdehnung subordinierter Teilsysteme und/oder Politikfelder sowie maßloser militärischer Aufrüstung.


3. Internationales Recht weicht dem vermeintlichen Recht des Stärkeren bzw. seiner Projektion. Diplomatie und internationaler Diskurs werden nicht mal von der UN unabhängig fazilitiert oder forciert. Die Reformunfähigkeit der UN-Mitglieder belegt: Macht ohne Recht beschreibt eben das Ende anthropozenischer Verantwortung für die Zivilisation in einer ihrer höchsten Entfaltungen.


4. Die auf Freiheit, auf Freiwilligkeit und Überzeugung basierenden internationalen Rechts- und Ordnungssysteme sind nicht begriffen, wenn sie als Begründung und Legitimation militärisch wie ökonomisch expansiver Interessen benutzt und damit ins Gegenteil verkehrt werden. Diese – vielleicht im Ursprung wohlmeinend idealistische - Aberration vor allem auch des Westens hat eine der größten und weitreichendsten Sicherheitsrisiken im internationalen System verursacht. In der Folge selbstüberschätzende und überdehnende Sanktionsregime sind Ausdruck traditioneller Ignoranz gegenüber fremden Kulturen und ihren Ordnungssysteme sowie ihren unterschiedlichen Entwicklungsetappen.


5. Regieren erreicht so vor allem dann die Endstufe der Prekarität, wenn Krieg nicht mehr (letzte) Konsequenz der Politik, sondern ihre Alternative ist. Die Verbundenheit des Menschen im Anthropozän macht Diplomatie zur Ultima Ratio: Denn Außenpolitiken sind zuerst als Verantwortung für Leben zu begreifen und aus Exzellenz zu beherrschen.


6. Aktuelle Außenpolitiken sind zumeist auch der Reflex jeweiliger Innenpolitiken: Die Paralyse von internationaler Rechtsstaatlichkeit mit „Lösung“ durch Krieg beginnt in der Innenpolitik genau dann, wenn gesellschaftlicher Diskurs systematisch konterkariert wird, so etwa durch die Absenz von Transparenz und Wahrheitsfindungsprozessen, von Aufklärung und Verifikation. Auch hier hat das westliche Regieren – spätestens seit 2001 - sogar trotz größter Erkenntnisleistungen internationaler / europäischer Rechts- / Kulturen zunehmend klar versagt: Strategische Potentiale, soweit noch vorhanden, sind zumeist ausschließlich auf die Generierung von offensiv-manipulativen Angst- und Bedrohungs-Narrativen ausgerichtet.


7. Die neuere Einschätzung, das internationale System sei „in einer revolutionären Situation“, womöglich basierend auf einer sog. „Systemrivalität“, ist genau so abwegig wie die Größenwahnentwürfe etwa eines sog. „Global Reset“. Diese Horizonte einer Fata Morgana beweisen die tiefsitzende Prekarität des Regierens und die Hilflosigkeit den Regierenden gegenüber, wahrhaftige wie kluge Macht zu legitimieren und zu verantworten. Diese Art systemischen globalen Politikversagens der Zivilisation öffnet signifikant jedenfalls die Chance hoffentlich noch rechtzeitigen Begreifens: Das internationale System ist am Ende des Jahres 2022 anarchischer denn je, nicht mal die Korrelationen von Ursachen und Wirkungen sind klar und wahr zu identifizieren. Der Aufbau einer sog. Neuen Weltordnung ist gescheitert; dies war freilich vorauszusehen, da eine Weltordnung aus dem „Unterbau“ als Machtsurrogat scheitern muss.

Wird ein Umsteuern einsetzen? Denn endlich ist auch tatsächlich zu erkennen: Zivilisatorische Außenpolitiken haben sich dem Kant’schen ‚Kategorischen Imperativ‘ zu- und einzuordnen – analog zum repräsentierten / regierten Individuum und seiner normativen Entwicklung.



Ein Ausweg? Was tun?


I. Einhalt, Entspannung, Inversion, Reflexion, Transformation: Stopp jeder Art von Suprematie, statt dessen regionale wie globale Kooperation hin zu regionaler wie universeller Normativität auf Basis von Diskurs und Vereinbarung – ohne Doppelstandards, mit klarer und authentischer Definition von Identität und Interesse sowie multilateraler, pluralistischer Visionsbildung aus anthropozenischer Verantwortung und menschlicher Verbundenheit,


II. Straffung internationaler Rechtsordnung und innovative internationale Regimebildung (oder -anpassung) für effiziente Konfliktlösung, transparente und transformative Zukunftsgestaltung sowie präventive Mechanismen globaler Verteilungsgerechtigkeit,


III. Im Übergang Einführung guten, zivilisationsgerechten Regierens als professionelle, aristokratische Dienstleistung aus konsequenter Transpersonalität offener Menschenführung auf Basis angemessener Achtung zuerst individuellen Selbstregierens zur Überwindung des Prinzipal-Agenten-Dilemmas unter dezidiertem Verzicht auf jede Art religiöser / ideologischer Messianismen und technisch-transhumanistischer Projektionen,


IV. Entwicklung ‚Ewigen Friedens‘ primär aus den Potentialen kreativer Urteilskraft und Vernunft, eben auch nicht „von Gottes Gnaden“, sondern aus der universalgesetzlichen wie menschengerechten Schrittbildung hin zur göttlichen Sphäre, also aus der Noosphäre für die Geo- und Biosphäre, aus dem „Überbau“ für den „Unterbau“ und die existentielle Zukunftsfähigkeit des anthropozenischen Planeten,


V. „Ewiger Friede“ ist bedingungslos als Imperativ auf der Basis inneren Friedens des freien, individuell bestimmten Menschen zu begreifen und im zwischen- / gesellschaftlichen Diskurs zu entwerfen sowie durch Integrität des Regierens zu wahren. Dabei ist den unendlichen geistigen und seelischen Potentialen gemäß der Würde und Vernunft des Menschen Selbst endlich voll und konsequent zu vertrauen, um eine geistige, eine universell-transpersonale, daraus dann abzuleitende realitätsfaktische Weltordnung zu generieren: durch die Inversion der Emanation aus der Noosphäre des Menschen für die Entwicklung einer menschengerechten Normativität zur Gestaltung einer ‚Noumenalen Weltordnung‘ * …



[* Der Entwurf einer NWO ist in Vorbereitung und aktueller

Arbeitsschwerpunkt des NOMOI INSTITUTS ]



© J Michael Heynen | Director of  NOMOI  INSTITUTE  

https://nomoi.webnode.page/





Dienstag, 15. März 2022

Zukunft und Transformation politischer Führung: QUALITÄT – ETHIK – NORMATIVITÄT

 



Reflexionspapier zur Zukunft und Transformation                                                                                politischer Führung





QUALITÄT – ETHIK – NORMATIVITÄT


von J Michael Heynen





I.   Hintergrund


II.  ‚Aufklärung‘: Aktualisierung, Erneuerung, Sicherung


III.  FDGO, Parlamentarismus, Föderalismus (D und EU)


IV.  „Coopetition“: Transition zu ‚Integraler Marktwirtschaft‘


V.   Empfehlungen





I.   Hintergrund


Nach über 70 Jahren organisierter politischer Führung in westlicher (D/EU), freiheitlich-demokratischer Gesellschaft und Staat sind die Kräfte der zwingend erforderlichen Wahrnehmung, Steuerung und zukunftsfähigen Gestaltung von Mechanismen und Prozessen wenn nicht verbraucht, so doch „ausgelaugt“ und jedenfalls auf den Prüfstand zu stellen. Regieren war schließlich eher als Reagieren, als Repräsentieren und Administrieren politischer Tagesanforderungen zu identifizieren.


Form und Substanz des Regierens driften auf diese Weise gefährlich auseinander und sind nur durch innere Qualitätsprüfung, durch klärende Selbstverbesserung und selbstkritische Qualifizierung in angemessene Balance und Konsequenz zu bringen. Dann kann politische Führung statt lediglich gemäß Umfragen politische „Realitäten“ zu bestätigen wieder ihrer eigentlichen Funktionalität / Verantwortung entsprechen: politische Determinanten und Normativität als Faktoren konsequenter Entwicklungsdynamiken und Fortschrittsprozesse freier Gesellschaften zu begreifen und koordinierend zu beherrschen.


Dies gilt umso mehr, als heute im Gegensatz zu 1980 ff. deutlich mehr und tieferreichende, strukturelle Konflikt- und Krisenentwicklungen klar zu profilieren sind. Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie sind indisponibel, ihr Bestand zugleich von innen sowie in internationaler Korrelation extrem fragil geworden. Autoritäre Regierungen und Diktaturen sind höchst menschenverachtend, zugleich hoch „effizient“ und gefallen sich im sog. Systemwettbewerb als Gewinner, was zunehmend zur „Demokratur“ verführt (formal demokratisch, tatsächlich diktatorisch). Der pathologische Befund diesen Zustands kann wohl eingeordnet werden unter: quantitativ-materialistisch gestützter Nihilismus! Dazu liefert der kurzsichtige, destruktive Umgang mit sog. „Künstlicher Intelligenz“ die Beherrschung technokratisch-bürokratischer Vollstreckungskapazität, die Fähigkeit zur massenweisen „Guillotinierung“ individueller Freiheit – weit jenseits freier und internationaler Rechtsordnungen.


Zugleich sind Krisen und Konflikte als in der Regel menschengemacht und gleichzeitig unverzichtbare Chancen und Herausforderungen für substantielle Weiterentwicklung im Sinne sich erneuernder Kraft aus (innerem) individuellem wie gesellschaftlichem (Selbst-) Bewusstsein: Die Innovation des Gesellschaftsvertrags nach Maß und Mitte menschlicher Würde, die Rückbesinnung auf das Menschenbild des Grundgesetzes und die diesem übergeordnete Ordnung, der sog. freiheitlich-demokratischen Grundordnung.


So fallen kritisch-kreative, organisationspolitische Definitionsleistungen vor allem als Justierung der Zukunfts- und Führungsfähigkeit mit notwendigen gesellschaftlichen Transformationsleistungen zusammen: Proaktive Gestaltung innovativer gesellschaftlicher Prozesssteuerung, Aktualisierung und a-priorische Krisen- und Konfliktfazilitierung im Rahmen strategisch-visionärer, politischer Normativität und Legitimationsordnungen. - Folgende drei Themenbereiche bilden dabei die zentralen, substantiellen Potentiale, den intern wie extern wirksamen Transformationsprozess ingangzusetzen und jeweils konsequent zu qualifizieren (kursorisch skizziert):




II.   ‚Aufklärung‘: Aktualisierung, Erneuerung, Sicherung


1   Innovative Formen zur Stärkung individuellen Bewusstseins für Freiheit als Quellcode geistiger, innerer Führung – aufbauend auf den historischen Erfahrungen des „äußeren“ Freiheitskampfs: Rückgewinnung individueller Handlungsfreiheit aus innerer substantieller Reflexion und ethischer Begründung äußerer Entwicklungsspektren und ihrer qualifizierten Beherrschung gemäß identischem, vernünftigem Denken und emphatischem Fühlen.


2   (Innere) Freiheit also als geistig geführter Emanzipationsprozess von den formalen Bedingungen hin zu den Determinanten individueller wie gesellschaftlicher Umsetzung: Diese Emanzipation ist nach wie vor ein offener Prozess der „Vollendung“ sowie zentrale Determinante künftiger gesellschaftlicher Entwicklung. Die äußere wird zur Konsequenz der inneren Freiheit, Wahrhaftigkeit, Integrität, Transparenz, Identifikation, Verifikation.


3   Daraus ist nicht nur eine angemessene Kultur- / Bildungspolitik und Rückverlagerung in gesellschaftliche Prozesse abzuleiten, sondern umso mehr die geistige Qualitätssicherung im Bereich politischer Führungs- und Personalentwicklung; „Benchmarking“ insbesondere auch intellektueller wie menschlicher Kapazität / Exzellenz als konstitutive Bedingung staatlicher Verantwortung im Rahmen der Bevollmächtigung: Selbst- wie Gesamtreflexion und Urteilskraft – unabhängig von formalen wie inhaltlichen (macht-) politischen Positionen, Ideologien und halbwertzeitigem Herrschaftswissen.


4   Mit „aufgeklärter“ politischer Führung zu verbinden ist die De-Ökonomisierung sowie De-Materialisierung und De-Monetarisierung des gesellschaftlichen Leistungsbegriffs als menschengerechte Qualitätsgenerierung von Interaktionsprozessen in innovativ-kreativen Kooperationsgesellschaften. So wird vor allem eine ethische Normativität erzeugt, die ein überzeugender, zukunftsfähiger Gegenentwurf ist zu: quantitativ-technokratischem Nihilismus, autoritär-diktatorischer „Gleichbehandlung“, schleichender Aushöhlung vormals freier Gesellschaften hin zur „Demokratur“. Die politische Führung wird dann Staatlichkeit wieder als Bevollmächtigung freier Gesellschaften und Prozesse begreifen und diese verantwortungs- wie zukunftsgerecht koordinieren - schlank, kompetent und kreativ-visionär.


5   Der „physische“ Resonanzraum von Gesellschaften wird also wieder mit der Metaphysik rekonnektiert, zugleich als prioritäre Quelle von „Produktivität“ privilegiert verstanden. Nicht mehr der formal agierende Egozentriker auch politischer Macht, sondern der transpersonale Mensch steht im Mittelpunkt: Verantwortungs- und Diskursethik statt reine Nutzen- und Konsensethik, Bewusstsein und Sein statt Haben, Freude statt Angst, Selbst- statt Fremdbestimmung, kreative Beherrschung statt „Verelendung“, freie Gestaltung statt Kompensation, Qualität statt ausschließlich Quantität – wenn und soweit vor allem politische Führung begriffen ist als „Führen durch Vorbild“ (Gandhi).




III.   FDGO, Parlamentarismus, Föderalismus (D und EU)


1   Nach bald 75 Jahren deutscher Verfassungsrealität auf Basis des GG und ‚Deutschland in Europa‘ ist eine Analyse insbesondere auf die gewollte Zukunftsfähigkeit hin anzusetzen: Sind die grundsätzlichen politischen Funktionalitäten nach wie vor in Kohärenz und Konkordanz mit den Normativfunktionen des Grundgesetzes, vor allem aber mit der sog. ‚freiheitlich-demokratischen Grundordnung (fdGO)?


2   Diese Analyse und Evaluation ist maßgebliche Voraussetzung programmatischer organisationspolitischer Einordnung und Zukunftsjustierung politischen Willens. Normativ-, Ordnungs- und Legitimationsfunktionen sind zentrale Säulen strategischer politischer Führung, tagespolitische Anforderungen sind damit in Ausgleich zu bringen und nicht umgekehrt: Die Ableitung von Normativität und Legitimation aus der (unterstellten) politischen Realität beschreibt den fließenden Übergang zur „Demokratur“. In hoch-alerter Wachsamkeit ist dies abzuwenden und zu neutralisieren, wenn die Parameter der fdGO ebenso als Handlungsparadigmen etwa auch im Falle von Krisen und Konflikten indisponibel sind und ausnahmslos Geltung verschafft wird. Denn in jeder tagespolitischen Re-Aktion trägt strategisch normativ nur der gerichtete Aktionsanteil, der die fdGO widerspiegelt.


3   Die Politikanalyse ist zuerst im Bereich des Parlamentarismus aufzusetzen. Nicht nur das schlüssige, konsequente Funktionieren von Gewaltenteilung oder/und Fragen der repräsentativen / direkten Demokratie (etwa Mischformen) sind tatsächlich auf ihre Zukunftstauglichkeit nach Maßgabe von fdGO und GG zu prüfen. Etwa auch die sog. Fraktionsdisziplin als mögliche Paralyse der individuellen Gewissensentscheidung ist dabei zentral. Vor allem aber sind die Parlamentarismus-funktionen im Rahmen der deutschen EU-Mitgliedschaft eingehend mit den Parametern der fdGO zu korrelieren:

Das europäische Demokratiedefizit durch „Leerläufe“ bzw Vakua der Legitimation im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit – letztlich aktuell eine rein intergovernmentale Koordinierung „europäischen Regierens“ – kann im Sinne einer integrierten europäischen Zukunft auf der Basis parlamentarischen Regierens nur durch das endgültige Wollen und Umsetzen von europäischer souveräner Staatlichkeit gelöst werden:


4   Eine Föderation der „Vereinigten Staaten von Europa“ mit umfassender Souveränität jedenfalls nach dem Vorbild der Bundesrepublik Deutschland hat dann eine Zukunft, wenn der bisherige europäische Parlamentarismus erheblich modernisiert und verfassungs- wie rechtsstaatlich angepasst wird: durch die Einführung eines Zweikammersystems etwa nach französisch-deutschem Vorbild. Zum direkt gewählten EU-Parlament (mit freiem Mandat) ist ein EU-Senat zu etablieren (auf Basis einer Charter bzw Verfassung), dann mit direktem Mandat analog zum US-amerikanischen Typ auszustatten. Die Basis des EU-Senats bildet das ‚Europa der Regionen‘; ihre Vertreter/innen / Senator/innen konstituieren sich vor allem aus der engagierten Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kultur und nachrangig aus Vertretern politischer Parteien. Nur so ist eine auch reale politische Macht der EU zu erzeugen. (siehe Anlage, gesonderte Einführung zu eropäischem Regieren: EU Senat)


5   Bezogen auf die weitere, dann essentiell vertiefende Entwicklung Europas, ist durchaus geeignet davon auszugehen, dass erst die vollständig fdGO-sichernde Etablierung eines europäischen Parlamentarismus – eben mit 2. Kammer: EU-Senat – eine zeitgemäße wie zukunftsfeste europäische souveräne Staatlichkeit auch machtpolitisch gewährleisten wird. Bis heute haben sog „spill-over-Effekte“ und letztlich nur Druckpositionen von außen zu europäischen Einigungsschritten / Semi-Kohäsion geführt.

Ein umfassend vollendetes Ganzes ‚von innen‘ mit allen rechtsstaatlichen Funktionalitäten, diese Entwicklung der EU zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ steht nach wie vor aus. Die Bundesrepublik Deutschland ist hierzu aus der Mitte und föderalen Historizität ihrer fdGO berufen, diesen Prozess als treibende Kraft zu erzeugen und nachhaltig zu effizientem wie qualifiziertem Erfolg zu führen.

Der erste Schritt ist also die verfassungsbasierte Einführung eines ganzheitlich europäischen Parlamentarismus. Das setzt voraus, die semi-europäische Faktizität emanzipativ und kreativ zu überwinden, einen Quantensprung innovativer Qualifizierung endlich anzugehen. In voller Konsequenz bedeutet das zugleich, dass die fdGO-basierten Vereinigten Staaten von Europa nicht mit der EU identisch sein müssen, sondern sich daraus im Rahmen der bestehenden EU Vertragsmechanismen („verstärkte Zusammenarbeit“ und „unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit“) konzentrisch weiterentwickeln und konstituieren. Die deutlich zunehmende Zentripedalität der EU wird durch diese Integrationsleistung endlich transformativ gewendet in die erforderliche föderal basierte Zentralität und zur Zukunft öffnende, reale Kohärenz von innen.



IV.   „Coopetition“: Transition zu ‚Integraler Marktwirtschaft‘


1   Die ‚Soziale Marktwirtschaft‘ ist das mit Abstand größte Erfolgsmodell deutscher wie internationaler Gesellschaften: freier Wettbewerb auf Basis eines sozial verpflichteten gesellschaftlichen Leitbildes zur Sicherung des Ausgleichs von Freiheit und materieller Gerechtigkeit. Der Sozialstaat wurde das „Synallagma“ des Rechtsstaats und damit zugleich ein zentraler Mechanismus zur Bestandssicherung des sozialen Friedens als „Unterbau“ der fdGO. Dieses Equilibrium zwischen Kapitalismusfunktionen und sozialer Eigentumsbindung, zwischen individueller Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ist die Raison d’étre einer humanistischen Gesellschaft, zugleich ist die Entwicklung daraus erzeugter Realität kritisch auf notwendige künftige Transformationspotentiale hin zu prüfen:


2   Es ist also zu fragen: Ist der sog. starke Staat vor allem der kapitalstarke Sozialstaat? Sind dafür notwendige bürokratisch-technokratische Wirtschaftslenkung und Überdehnung von staatlichen Interventionen zukunftsfähig? Ist das individuelle Wirtschaftssubjekt als gesellschaftliche „Kernkraft“ noch teil abwägender Gerechtigkeitsfindung? Ist die Übernahme von materieller Verantwortung durch den Staat in bestehendem Ausmaß kompatibel mit der fdGO? Hat sich die Mehrheitsgesellschaft in einer paternalistischen Staatlichkeit eingerichtet, die über das Maß der Bevollmächtigung hinaus die weitgehende Verantwortung übernommen hat? Welche Art der Verteilungsgerechtigkeit umfasst die legitime staatliche Vollmacht? Vor allem aber: Wie ist eine der fdGO gemäße Normativität von Ordnungsmacht (staatliche Eingriffe und Interventionen in der marktwirtschaftlichen Ökonomie) zu legitimieren? Was ist das Grundmaß fdGO-gerechter Selbstverantwortung?


3   Verteilungsgerechtigkeit (bzw. Chancen ihrer Generierung) funktioniert nur im Rahmen einer Gesamtgerechtigkeit. Dieser gesellschaftliche Abwägungsprozess kann sich erfüllen, wenn Freiheit als Raum der Determinanten, Sicherheit als Raum der existentiellen Bedingungen begriffen wird. So ist auch materielle Sicherheit eine Bedingung der Freiheit, nie aber ihr Grund. Denn Freiheit bestimmt Sinn und Maß der Sicherheit und steuert die freien, kreativen wie innovativen Potentiale von Individuen und Gesellschaften. Dann erst kann Gerechtigkeit, so auch Verteilungsgerechtigkeit, entstehen.

Im Rahmen der fdGO ist der Staat Bevollmächtigter zur Ordnung der Rahmenbedingungen oder/und Wirtschaftssubjekt im Bereich der Infrastruktur. Die Verteilungs- auch als Leistungsgerechtigkeit regelt vor allem der Markt, daher wurde die soziale Marktwirtschaft zur direkten systemischen Entsprechung der fdGO auch im Bereich der Ökonomie/Ökologie.


4   Zugleich ist erkennbar, dass die extrem erfolgreiche soziale Marktwirtschaft eine zumindest besitzbürgerliche Saturierung bedingt, die zunehmend fortschritts- und innovationsgefährdend wirkt. Durch die Bestandskraft des Materiell-Faktischen sind gesellschaftliche Herausforderungen der Innovation, Umweltgerechtigkeit und Digitalisierung zumal vor dem Hintergrund der Globalisierung nicht zu leisten. Materiell gegründeter Egoismus und technokratisch-quantitative „Genügsamkeit“ – stabilisiert durch grassierenden Bürokratismus – bewirken das Gegenteil von Zukunftsfähigkeit und -festigkeit.

‚Wille und Vorstellung‘ von Zukunft brauchen aber unabdingbar gewollte, gezielte Schöpfungskraft und gesellschaftliche Freiräume, um die individuellen freien Leistungspotentiale auch tatsächlich als treibende Kraft umfassend nutzbar und verfügbar zu gewährleisten. Insbesondere jedenfalls in den Bereichen Umwelt/Energie, innere/äußere Sicherheit, Versorgungssicherheit/Gesundheit sowie Digitalisierung (KI) sind systemische wie strukturelle Fehlentwicklungen und Nachholprozesse dringend und nur in Quantensprüngen freier Produktivität und menschlicher Intelligenznutzung in offenem wie transparentem gesellschaftlichem (Wissenschafts-) Dialog zu transformieren.


5   Die dafür erforderliche schöpferische Fähigkeit ist in einem angemessen politisch geführten, zugleich gesellschaftlich fazilitierten Prozess der Qualifizierung, De-Monetarisierung und – damit einhergehend – adäquater Humanisierung von Interaktion und Leistung zu erreichen. Gegenprobe: Die Zukunft autoritär / diktatorisch geführter Gesellschaften ist nicht zu sichern, da kreative (Anpassungs- und Fortschritts-) Dynamiken zuerst des individuellen Menschen versagt sind.

Freies wie soziales Wirtschaften ist aus der traditionellen Polarität – Arbeitgeber / Arbeitnehmer – der Sozialpartnerschaft zu transformieren; ähnliches gilt für ‚Produkt versus Konsument’, um Produktivität insbesondere als kreative Lösung und Leistung zu begreifen. Wettbewerb ist nicht nur Konkurrenz, sondern ist gemäß der marktwirtschaftlichen Grundidee als kooperatives „Dienen“ auch im Sinne gesellschaftlicher Wohlstandsgenerierung mit nachhaltig schöpferischer Kapazität und als solches „einzupreisen“. Die konsumtive Logik von ‚Konkurrenz‘ hat die Lösungsqualität und die Leistungsbedingungen sowie ethisch relevante Einordnungen mit zu umfassen. Diese Systemlogik entspricht vor allem dem menschlichen Bedürfnis nach Verbundenheit, eben frei zu kooperieren und sich lösungsgeleitet zu vernetzen (regional wie global, analog wie digital): „coopetiton statt competition“!


6   Dieser Prozess „aufgeklärter“ Humanisierung (vgl. I) insbesondere in den Arbeits- und Dienstleistungsbereichen ist „von oben“ als ethische Qualität politisch führend zu fazilitieren – nachhaltig, unideologisch, unter Verzicht auf „Denk“-Moden und nach Maßgabe der Vernunft.

Nachdem der Mensch seit einigen Jahrzehnten in das sog. Anthropozän eingetreten ist (der Mensch als weitgehend entscheidende Gestaltungs- und Wirkmacht auf „seinem“ Planeten), sind die Anforderungen an seine (Selbst-) Verantwortung exponentiell gestiegen. Primär geistig-kreative Leistungspotentiale und Klugheit erfüllen die Voraussetzungen, diese Herausforderungen als Lebens- und Interaktionsprozesse zu beherrschen. Diese Geistpotentiale sind weder durch sog. Künstliche Intelligenz zu ersetzen noch eine Art Luxus besitz-/ bildungsbürgerlicher „Ästhetik“, sondern zur non-konditionalen Bestimmung menschlichen (Über-) Lebens geworden. Eine weitere/längere Subordination dieser Erkenntnis ist fatal und verwirkt die realistischen Chancen auf eine human geprägte Zukunft.

Die (Re-) Konnektierung des „Überbaus“ mit dem „Unterbau“ ist dringend zu leisten und ihre Polarität durch Integration zu überwinden. In diesem Verständnis ist die soziale zu einer ‚Integralen Marktwirtschaft‘ weiter zu entwickeln, und auch das Wirtschaftssubjekt als Ursache und Wirkung konsequent als Mensch zu begreifen. Dafür ist es notwendig, eine normative Ordnung zu entwickeln, die dann als innovative, zukunftsweisende Qualität in professionellen, gesellschaftlich geleiteten Politik-Wirtschafts-Dialog-Prozessen „von oben“ einzuleiten und zu kommunizieren ist.




V.   Empfehlungen


Als Konsequenz aus „Prüfstand“, Evaluation und Erkenntnis ist zugleich auch die nicht nur arbeitsmethodische, sondern auch grundsätzliche Frage der Qualitätssicherung politischer Führungsprozesse durch a-priorische Reflexion und strategische Korrelation realer Entwicklungen zu beantworten.

Regieren ist in der Regel – im nationalen wie internationalen Rahmen – immer auch Beherrschung tagespolitischer Anforderungen. Damit ist dennoch Regieren zumeist auf Reagieren reduziert: Die Normativität des Faktischen reguliert. Dagegen erzeugt Reagieren erst dann Regieren, wenn die Re-Actio mit strategischer Actio (oder Non-Actio) direkt verbunden ist. Die Actio beschreibt die innere Qualität treibender Kraft, die Determination, frei wie souverän den tagespolitischen Anlass zu nutzen, zu repräsentieren, um strategisch politisches Regieren zu forcieren – mit demokratisch gebotener Folgeabwägung und Konsequenz, Transparenz und normativer Legitimation.

Diese determinierte bzw die (von innen) Anlässe schaffende Art qualifizierten Regierens sichert und entwickelt reale demokratische Prozesse. Dieses Bewusstsein guter Führung, guten Regierens nachhaltig zu entfalten und qualitativ zu gewährleisten, dafür werden folgende organisationspolitische Empfehlungen vorgeschlagen – in Anlehnung an die oben aufgewiesene Themenführung:

Nach Vorbild eines Think-tanks sollte – Präsidium und Vorstand direkt berichtend – ein jeweiliger Beirat im Sinne einer ständigen Expertenkommission für kurz- wie langfristige Politikempfehlungen (Inkl. Folgeabschätzung und Frühwarnung etc.) begründet und eingerichtet werden:



Ethik-Kommission 

Gewährleistung ethischer Legitimation und Sicherheit,

Qualifizierung von Freiheitsprozessen, gutes Regieren



EU Integrationsbeirat

Parlamentarismusreform, Gründung eines EU-Senats, 

EU Governance (siehe Anlage)



Integrale Wirtschaftskommission 

Reformprozess und Fazilitierung der Weiterentwicklung

der Sozialen zur sog ‚Integralen Marktwirtschaft‘







© 03-2022  N O M O I  INSTITUTE | J MICHAEL HEYNEN | DIRECTOR

H E A D - HOLISTIC ETHICS ADVISORY & ADVOCACY

https://nomoi.webnode.com/








Freitag, 26. Juni 2020

ZUR INSTUTIONALISIERUNG NEUTRALER UND UNABHÄNGIGER VERIFIKATION UND VALIDIERUNG EUROPÄISCHEN REGIERENS





Reflexionspapier zur Gründungsinitiative einer


EU VERIFICATION AND VALIDATION AGENCY | E V A





Autor: J Michael Heynen IRC
Integral Regime Counseling






Auch in europäischen, demokratisch verfassten und regierten Staaten hat das staatliche Präventions- und Krisenmanagement zur Eindämmung der Corona Pandemie nolens/volens zu starken Grundrechtseingriffen und massiven Regulierungen gesellschaftlicher Lebenswelten geführt. Teilweise Überforderung, fehlende Medikation, widersprechende wissenschaftliche Analysen, nicht hinreichende Plausibilität der Datenerfassung usw. hatten einen generellen, gesellschaftlich unspezifizierten Lockdown zur Folge.

Für die existentiell eingeschätzte, kollektive Sicherheitslage wurde die Freiheit individueller Interaktion potentiell unangemessen bzw. weitgehend undifferenziert eingeschränkt. Insbesondere auch die kontra-integrative Notfallregelung des internen EU-Grenz-Regimes hat den Rückfall in nationale Alleingänge bestärkt statt (Ausnahmen in Grenznachbarschaften) aus gegenseitigen Hilfs- und optimierenden Lernprozessen die Pandemie-Abwehr europäisch-solidarisch zu lösen. Nationale Alleingänge wurden – die Flüchtlingskrise von 2015 ff. weit übertreffend – zum panikartigen Reflex.



Diese „Corona“-Indikationen offenbaren allerdings nicht nur die Anamnese der EU Integration, sondern auch des politischen Systems. Zunächst schleichende, zunehmend offen identifizierbare gesellschaftliche Zweifel an der Legitimität und Wahrhaftigkeit, damit an der Integrität staatlichen Handelns sind klar profilierbar. Ob begründet oder nicht, ob rein emotionale Krisenreaktion oder irrationale egomanische Projektion von Minderheiten (Rettung in „Verschwörungstheorien“ oder „apokalyptische Welterlösung“), diese weit- wie tiefreichenden Zweifel sind wohl endgültig als strukturell einzuordnen und also als offenkundig systemrelevant wahrzunehmen und zu identifizieren.

Ebenso ist vor allem zu erkennen: „Corona“ ist nicht nur Anlass/Auslöser, sondern zugleich Katalysator schon länger separierender und zentrifugaler Prozesse in/zwischen den europäischen Gesellschaften und ihrer jeweiligen staatlich organisierten „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ (FDGO). Denn die schleichende Entfremdung zwischen Staaten und den sie tragenden Gesellschaften bezieht sich nicht nur auf die personale Kompetenz und Professionalität des Führungspersonals, sondern auf die weitgehend unmögliche Vermittlung hoch-komplexer Politikprozesse auch als Folge von „neuer Unübersichtlichkeit“ (J Habermas, 1996) sowie globaler Interdependenz und ihrer exponentiellen wie ungeregelten Vertiefung. Und umgekehrt proportional dazu sind die Empfängerhorizonte und intellektuelle Erreichbarkeit „der Betroffenen“ stark abgeflacht. Regierende und Regierte sind offensichtlich nicht (mehr) verbunden.

Dies ist insbesondere an Themen/Politikfeldern wie (EU-) Außen- und Sicherheitspolitik, Künstlicher Intelligenz und Datenschutz, Umwelt und Energie usw. und aktuell - akut ins Existentielle gesteigert – in Medizin und Gesundheitspolitik festzumachen. Europäische politische Partizipationsstrategien haben weitgehend nicht verfangen. [Argumentation und Agitation europaweiter Gegner freiheitlicher Verfassungsstaatlichkeit westeuropäischer Tradition geben darüber weiteren Aufschluss.]


„Corona“ ist also – konstruktiv gewendet – Provokateur, Facilitator von Reform und Innovation, „driving force“ eines „new normal“: Politische Information und Kommunikation, politisch-institutionelle Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse und Regierungs-funktionen sind nachhaltig wie konsequent zu professionalisieren und zu qualifizieren. Den substantiellen Minimalanforderungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist non-konditional zu entsprechen durch nachweisliche, umfassende Integrität politischen Planens und Handelns zur überzeugenden Wiederherstellung hinreichenden Vertrauens des Bürgers in seine jeweilige und europäische Staatlichkeit! Dies ist weder zu kompensieren noch zu sublimieren: Denn während die politischen Akteure die essentiellen Bedingungen und Konsequenzen ihres Handelns bestenfalls nachvollziehen können und lediglich noch administrieren, ist der „Voll-Macht“ erteilende Bürger aktuell mehr denn je auf blindes Vertrauen angewiesen. Und ist so ihr Schweigen Zustimmung?



Zur aktualisierenden Einordnung: Eine parlamentarische oder monarchische Staatlichkeit, auf der Basis freiheitlich-demokratischer Grundordnung verfasst, verfügt über die Bedingungen ausschließlich beliehener Macht. Diese Macht fußt auf gesellschaftlicher Legitimation: formal (Wahlen), aber vor allem essentiell gespiegelt in entsprechendem Regierungshandeln. Substantielle Legitimation ist jeweils zu entwickeln und stets dynamisch proaktiv zu erneuern, basierend auf Kompetenz und Evidenz, Kongruenz und Transparenz des Regierens, also idealer Weise auf Gewaltlosigkeit, Richtigkeit und Authentizität, rationaler Urteilskraft und Widerspruchsfreiheit, Plausibilität und Wahrhaftigkeit. Gleiches gilt für sämtliche Legislativfunktionen sowie für die Gesamtheit regierungspolitisch relevanter Wirkmacht, also vor allem für gesellschaftliche Diskurse und öffentliche Willensbildungsprozesse.

So ist nicht das System als solches zu befragen, aber der politisch-institutionelle Umgang damit kann die toxische Weiterung hin zur Systemparalyse konstruktiv/transformativ entscheiden: durch professionelle Wahrnehmung und Gewährleistung essentieller Legitimation. D. h. Regieren ist, gekoppelt an institutionelle wie personal identifizierbare Verantwortung, substantiell an der systemimmanenten (FDGO) Richtigkeits-, Integritäts- und Gerechtigkeitsfrage professionell und nachhaltig auszurichten, um Vertrauensstiftung und Überzeugungsleistung evident zu vermitteln.

Staatliche Verantwortung als überzeugendes Regierungshandeln wahrzunehmen heißt daher vor allem, die Syndikation hoch-komplexer Verfahren, Funktionen, Interessen und Willensbildung jedenfalls zeitnah a-posteriorisch, besser: a-priorisch mit unabhängigen, neutralen Erkenntnisprozessen der Verifikation und Objektivation zu korrelieren und zu klären. Analog zur Judikative als rechtsstaatlich-systemischem Rechtsinstrumentarium sind Legislative und Exekutive als zentrale Instrumentarien europäischen, demokratischen Regierens an der prinzipiellen Richtigkeit politischer Planung und Umsetzung zu referenzieren, um damit ein „post-coronales new normal“ zu konstituieren und institutionelle Vertiefung mit Zukunftsfähigkeit auszustatten: Proaktive Exzellenz europäischen Regierens als Synallagma „blinden Vetrauens“ der Regierten!



In Konsequenz vorstehender Reflexion wird daher empfohlen, als Gründungsinitiative wie folgt aufzunehmen und zu prüfen: Die Etablierung einer ‚EU Verification and Validation Agency - EVA‘ als einer Art ständigen neutralen und unabhängigen „Ältestenrats/Notariats“ zur Verifikation und Validierung von politischer Information und Kommunikation, von institutionellen Entscheidungs- und Handlungs-prozessen sowie regierungsrelevanten gesellschaftlichen Meinungs- und Willensbildungsprozessen.

Eine Institutionalisierung dieser Funktionalitäten dürfen, wollen und können freilich Regieren nicht ersetzen, zugleich jenseits tagespolitischer Bedingungen und parteipolitischer/ ideologischer Actio/Reactio substantiell qualifizierend darauf einwirken und objektivierende Sicherung von Legitimation gewährleisten. Dabei sind Neutralität und Unabhängigkeit - personal wie institutionell - conditio sine qua non und grundsätzlich analog zur obersten Gerichtsbarkeit sowie als ausschließlich der verfassungsstaatlichen Systemfunktion (FDGO) verpflichtet zu verstehen.


Mit Einführung und konsequenter Nutzung von ‚EVA‘ durch Einsatz entsprechender Prüfungsverfahren können die erforderlichen Ursachen gesetzt werden,um grundsätzlich folgende Wirkungen zu erzielen:

Geistig-kognitive Rationalitätsprüfung, Korrelation/Ableitung gemäß Denkgesetzlichkeit und jedenfalls angemessener Urteilskraft zur Beherrschung von aktuellem wie zukunfts-gestaltendem Regieren, klärende Bewusstseinsentfaltung, daraus ethische Rück-kopplung/Reflexion hin zu a-priorischer Erkenntnis, strategischer Beherrschung prinzipieller systemischer (auch Krisen-/Konflikt-) Anforderungen sowie a-posteriorisch lernender Konsequenz, Entwicklung kluger Beherrschung von Macht und transpersonaler Führungskapazität,

Korrelation von politischem/staatlichem Interesse und Vernunftbezug, Schlüssigkeit („rational basis/relationship review“ etc.), Klärung von Plausibilität bei Spekulation und Interpretation, Evaluation und Erhöhung ganzheitlich abgeleiteter Kongruenz, Rahmen setzende Priorisierung und Entscheidungseffizienz, Rückhalt und Rückversicherung zur „Richtigkeit“ bei wertungsabhängigen Entscheidungen und zu kommunizierender Rechtfertigung/ Begründung, Reduktion „modischer“, tagespolitischer Wirkungsmodalitäten auf Basis weitgehend gesicherter Erkenntnis,

im Falle evidenter Fehlentwicklungen (Referenz: FDGO), irrational geprägter gesellschaftlicher Prozesse und Innovationsblockaden Steigerung von Harmonisierungs-potentialen, Dynamisierung von Optimierungs- und Anpassungsmechnanismen, Klärung und Objektivation, bezogen auf Schlüssigkeit und Wahrhaftigkeit, Fact-Checking, False Balance und Fake News Überprüfung, Prüfung von Identität und Verantwortung, Authentifikation, Evidenz, Versachlichung und Konzentration regierungsrelevanter, öffentlicher Diskurse,

normative Parametrisierung von ‚good governance‘ und Transparenz grundsätzlich gerechten Regierens, gesicherte Überzeugung auch als deeskalierende Ausgleichsfunktion von Interessen und Positionen, Reduktion von übertriebener Komplexität, Facilitation qualifizierender, substantieller Wahrheitsfindungsprozesse, Auf-/Ausbau der Diskurs-grundlagen zur Internalisierung zwischen Regierenden und Regierten, Rückverbindung sowie Reduktion der Asymmetrie gemäß „Pincipal-Agent-Dilemma“,

interdisziplinäre Syndikation wissenschaftlicher Expertise, Folgenanalyse, zuverlässige Voraussagequalität, gesicherte Grundlegung proaktiver strategischer Politikgestaltung bzw. Parametrisierung objektivierender Monitoring- und Anpassungsverfahren, Due Dilligence | Compliance, Angemessenheitsprüfung staatlicher Intervention, Erhöhung der Transparenz und Referenzwirkung bei der Begründung und Information/Kommunikation von Regierungs-handeln auch als Teil gesamt-systemischer Kausalzusammenhänge, . . .



Hier abschließend: Der anarchische Zustand des internationalen Systems und die politischen Diffusionsprozesse in der europäischen Staatenwelt sind durch die Corona-Krise weiter ausprofiliert worden. Sogar „neutrale“ empirische/naturwissenschaftliche Aussagen waren/sind nicht hinreichend geeignet, das legitime Sicherheitsbedürfnis der Bürger zu befriedigen. Eben diese Sicherheit ist aber minimale Bedingung ihrer Freiheit und Bevollmächtigung. Also bedarf es prinzipiell nachhaltiger Stabilisierung der Systemimmanenz durch hoch-wirksame, qualitative wie (auch methodisch) effiziente Politikinnovation. Und diese liegt, wie dargelegt, in der Objektivation und Schlüssigkeit transparenten, dynamisch transformativen Regierens. So bewirkte Integrität schafft die Voraussetzungen, das Vertrauen der Regierten, damit zugleich die substantielle Legitimation der Regierenden wieder herzustellen und dem System-Telos grundsätzlich wie tatsächlich zu entsprechen.

In einem derart gestalteten, nachhaltig angelegten, objektiviert erfahrbaren Prozess kann zwischen Regierten und Regierenden idealerweise ein auch gegenseitiges Vertrauen (wieder) entstehen: Innere Emigration wird gewendet in Rückverbindung, System-Identifikation und angemessene Partizipation. Der öffentliche/politische Raum ist dann ein der Menschenwürde adäquates Equilibrium, in dem das Regieren jeweiliger Staatlichkeit die Entfaltung des sich weiter entwickelnden Individuums als souveräner Instanz freien Selbst-Regierens proaktiv gewährleistet.




© J Michael Heynen | Heynen Consult I R C
Integral Regime Counseling |  Baden-Baden im Mai 2020



Donnerstag, 11. Juni 2020

WAHRHEITSBEWUSSTSEIN: SO KANN ES GELINGEN!







WAHRHEITSBEWUSSTSEIN: SO KANN ES GELINGEN!


Rezension zum Essay von Robert Henkel: 
"Wissen und Glauben", 2018




J Michael Heynen





Henkel, ob verlorener Sohn Aristoteles‘ oder eher neu-platonischer Reformierer christlicher Version, hat mit seinem Essay in kognitiver wie hermeneutischer Brillianz nicht nur die Brücke zwischen Geistes- und Naturwissenschaften für den realen Gebrauch deutlich verstärkt, sondern er hat mit dem Entwurf einer rationalen Metaphysik noch viel mehr offenbart (auch ganz unabhängig von seiner religiösen Verortung):



In ästhetisch geprägter, sensibler Näherung bereitet Henkel dem Leser einen festen Grund für etwas wieder oder weiter zu Entwickelndes: das individuelle wie gesellschaftliche Wahrheitsbewusstsein! Aus dem Selbst Geist zu verlebendigen, um Leben zu vergeistigen, zu verantwortendes Denken und Fühlen an der Schöpfungsgesetzlichkeit zu referenzieren, um sich ehrlich zu machen, zugleich Kongruenz gemäß zu objektivieren, diesem dringenden Bedarf an integrer Identität vor allem auch im Gesellschaftlichen dient Henkel in demütiger, zugleich angemessen großer Dimensionierung.



Damit ist Henkel politischer als er es angelegt zu haben scheint: Er indiziert zugleich die Matrix gerechten und guten Regierens, eines kosmisch-gesetzlich referenzierenden, also objektivierenden Regierens, um Legitimität endlich vor allem qualitativ zu gewährleisten. Er leugnet eben nicht das fürs humane Agens so wesentliche Oben und Unten, und die Suprematie liegt dabei klar im Transzendieren, eben im Geistigen, im Metaphysischen. Genau da leuchtet sie auf, die Erhabenheit legitimen monarchischen Regierens, bei dem das freie Bewusstsein nicht als „Wechsel auf die Zukunft“ sich entfremdet, gar verliert, sondern als individuelle treibende Kraft realer, schöpferischer Entfaltung gewollt und der adäquate Raum dafür nachhaltig gewährleistet wird (die wesentliche Grundfunktion des Staates).



Ich wünsche mir sehr, dass Henkel uns weiter auf seinem Weg mitnimmt; seine integrale, interdisziplinäre Reflexion ist unausweichliches Vorbild transformierender Entwicklung ... um nicht nur vom Gegensatz zwischen Wissen und Glauben sich zu emanzipieren, sondern aus dem individuellen transzendenten, göttlichen Selbst, also aus innerem Wissen ko-kreativ zu schöpfen! - So kann es gelingen - schließlich auch die Erlösung: aus dem sich erfüllenden wahren Selbst!




© J Michael Heynen, Baden-Baden | 07.06.2020







Mittwoch, 31. Mai 2017

GEIST UND WELTORDNUNG











GEIST UND WELTORDNUNG






Weltordnungspolitik von oben:

Realer Wandel als Machtauflösung von Handlungseliten

und Transformation durch Geist-Eliten - Reflexionen






von J Michael Heynen








_____________________









G E I S T



Geist ist zuerst! Geist ist in allem; nichts ist ohne das Potential des Geistes. Geist ist das All-Eine, das Absolute. Geist ruht in sich und wirkt aus sich selbst. Und: Geist führt! Geist ist Idee, Prozess, Grund des Seins. Geist ist aktivierbar und erfahrbar durch Verlebendigung; ein Leben ohne Geist ist sinnentleertes Potential.


Geist ist pure Schöpfungsmacht, unabhängig, frei, universell - unbedingter Quellcode von Leben. Geist ist jedenfalls erste und letzte Ursache, löst die initiatorische Energie hin zum Urknall aus, fazilitiert Leben und löst es auf, erlöst nach dem Zerfall, um wieder zu initiieren – als Begründer und Stifter des Ewigen und Ganzen.


Geist ist Ganzheit, ist Fusion aller Zeiten und Räume, umfassendste Energie und Information, omnipräsent und omnipotent, unbegrenzt und ebenso unbegrenzbar. Denn Geist ist reine Metaphysis, ist die Essenz des Universums, die universelle Substanz, die Immanenz jeden Bewusstseins und damit Seins, objektive Norm sui generis, formende Ursache der kosmischen Konstante, der Metacode kosmischer Grund- und Denkgesetzlichkeit.


Geist ist unendlich empfangender Raum der Transzendenz, um darein einzutreten, sich mit seiner Substanz zu verbinden, seine Formen zu erkennen, zu internalisieren – speziell für humanoide Essenzen im Prozess, für Personen auf dem Entwicklungsweg zum Menschen – oder anders: für den essentiellen Quantensprung in die Herrschaft des sich emanzipierenden Selbst.


Geist ist als größter, umfassender Nominator, Navigator und Determinator stets a-priori, also normativ und prädestiniert das sich individuell empfangende wie transzendierende Selbst des Menschen. Geist ist zentrale Ordnungsmacht des einzelnen wahrnehmenden und erkennenden Bewusstseins, also der intelligiblen Offenbarung als oberster Bedingung Mensch adäquaten Seins.








M E N S C H



Als Mensch sich mit Geist zu verbinden, heißt Geist zu verlebendigen und Leben zu vergeistigen, heißt Sinn und Bestimmung der realen Existenz zu begreifen, Bewusst-Sein zu entfalten, Sinne mit Sinn zu befüllen und zu veredeln, sich weiter zu entwickeln und zu transzendieren.


Geist adelt das findende und verbindende Denken und Fühlen, lässt die entwickelnde Person zum Menschen werden. Denn erst das hybride, als solches exklusive Wesen Mensch – die Verfügung über Geist und Körper – lässt den Prozess steter Balancierung als von innen nach außen bewirkendes Equilibrium entstehen und verstetigen.


Träger des Geistes ist des individuellen Menschen Selbst: höchste Instanz innerer Führung, zugleich Ursache und treibende Kraft der ‚coincidentia oppositorum‘, also dem Zusammenfallen der „Gegensätze“, dem Verschmelzen von Oben und Unten, Innen und Außen, von Metaphysis und Physis, von Idee und Realität, von Bewusstsein und Sein, von Materiellem und Immateriellem.


Das individuelle Selbst ist die verlebendigende Einheit, aktivierende Variation geronnenen Geistes, es initiiert, entwickelt, transformiert die Person zum Menschen je seiner Würde entsprechend. Das Selbst des transpersonalisierenden Individuums wird zur Ursache direkter wie kosmischer Verbindung mit der Schöpfung, im ganzen wie im einzelnen. Dabei ist das Selbst absolut und frei, eigene wie unendliche Ursache individueller Schöpfungsmacht.


Die Transzendenz durch das Geist verbundene Selbst des Menschen beschreibt seinen Weg, die Bedingungen seiner Existenz gemäß seiner individuellen Würde zu bestimmen. Der transzendierende Mensch wird Teil der Ewigkeit, des universellen Prozesses, der kosmischen Gesetzmäßigkeit, er wird zum ko-kreativen, individuellen „Analogon“ des All-Einen, des Geistes.


Das fragende Streben des Menschen, die Bedingungen seiner Existenz zu begreifen und vor allem transzendierend zu beherrschen - Glück, Erlösung, Erleuchtung usw. -, verführt ihn dennoch bis in die Gegenwart, sich Umwegen oder auch Irrwegen hinzugeben, sich an egomanischen Gottesprojektionen und Allmachtsphantasien ebenfalls personaler „Sinn-Stifter“ vermeintlich zu erhöhen, zu berauschen.


Des Menschen höchste und erhabenste Kraft, seine Transzendenz, ist so absorbiert und im Äußeren fixiert, Weiterentwicklung blockiert. Ängste und Aberglaube, Ideologien und Theologien, materielle Verhaftung und Diskonnektierung vom Selbst und damit von den Potentialen des Geistes vermassen/versklaven die Person, eliminieren die Chance und das Potential, Mensch zu werden.


Statt innerem Wissen und Erkenntnis: Glauben Gemachtes - von Paradiesverlust bis Apokalypse – wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Über den Zustand der Person sich hinaus zu entwickeln, ist so nicht zu erreichen. Dies gelingt nur transpersonal: als Mensch – individuell durch Geist geführt. Der Ausweg für Menschen zum Menschen liegt daher ausschließlich in der individuell transzendierenden Rückverbindung mit Geist: in der Vergeistigung des Lebens und also Verlebendigung des Geistes.


Meditation, Kontemplation, Reflexion, Kognition, Introspektion, Involution usw. - so gelingt der Sprung ins Allein-Sein, ins All-Eins-Sein: für sich und aus sich Selbst zu sein, um sich ins Geistige zu öffnen, in der Sphäre des Geistes empfangen zu werden und daraus zu empfangen, Geist als oberste Instanz und Maßgabe des Seins zu begreifen.


Dieser Moment wird zum Momentum, in dem sich Geist und Körper verbinden, erkennen, ausgleichen. Geist löst die einseitige Führung aus erfahrendem Erkennen von externen Bedingungen der Realität als oberste „Instanz“ ab, die Ebenen jenseits des Materiell-Physischen klären die befreiende Erkenntnis hin zur reinen Bestimmung durch und aus Geist. Expandierendes, frei erkennendes Bewusstsein entwickelt die notwendige souveräne und kritische Selbst-Wahrnehmung auch als Voraussetzung lernender Fremd-Wahrnehmung der anderen Essenz: Der erwachsen werdende Mensch formt seine Menschen-Welt.








M E N S C H E N – W E L T



Eine Menschen-Welt - über reine Koexistenz hinaus – ist das kooperative und konstruktive Zusammenleben und vor allem die geistig basierte Verbindung zwischen Personen, die sich frei entschieden haben, die Bedingungen ihres Daseins als Menschen selbst-bestimmt zu koordinieren, ihrer geistig determinierten Sinnstiftung von Sein folgend.


Das ist freilich mehr als die Summe aller aktiv mitwirkenden, eben transpersonalen Individuen, das ist die qualitativ schöpferische Konstellation und Konfiguration emanzipierter Menschen in Konkordanz mit dem universellen Raum des freien Willens. Denn die kommunikative und soziale Person erfüllt sich erst als Mensch wesentlich in und aus der Verbundenheit mit dem eigenen und dem Selbst der anderen Essenz.


Eine dem entgegengesetzt sich verortende Welt, eine rein quantitative Welt von Personen, lebt unter und aus der formalen Suprematie paternalistisch überhöhter, staatlicher Ordnungsmacht als eine diffuse, versklavungsgerichtete Masse von Personen, die den Weg zum Menschen verstellt und menschengerechte Interaktion paralysiert.


Denn egozentrische Fixierung auf das Materielle dominiert und konterkariert Mensch-Werden, die „verabsolutierten“ Bedingungen der physischen Welt blockieren die Potentiale metaphysischer Bestimmung einer Menschen-Welt. Und ähnlich verhält es sich in einer technisch dominierten Welt, die sich im Rahmen „artifizieller Intelligenz“ als transhuman verortet statt konsequent den transpersonal-individuellen Menschen als oberste und zentrale Maxime ihres Planens und Handelns zu begreifen. Denn Geist steuert jede Art von Intelligenz, formt Intellekt und intelligibles Erkennen. Daher kann ein Computer oder Roboter die ein oder andere Person ersetzen, den Menschen nicht.


Zugleich ist – quantitativ noch als Minderheit - eine aus und in Geist verbundene, daraus determinierte Öffentlichkeit im Entstehen begriffen, eine zuerst von Geist geführten Eliten initiierte und durch Inspiration expandierende Menschenwelt. Eine so entstehende Welt von und für Menschen – zuerst die Abkehr von der materiell-quantitativen „Massen-Welt“ - leistet die Prozessumkehr in die Selbst-Führung aus Geist. Diese Emanzipationsbewegung beschreibt eine Art „kopernikanische Wende“ in die reale Würdigkeit des Mensch-Seins und seiner Gesellschaftsentwicklung, eine Art „Quantensprung“ in eine menschengerechte Gesellschaftswelt zuerst aus innerer, aus der Führung durch Geist.








G E S E L L S C H A F T S W E L T



Eine Menschen-Welt aus innerer Führung des Selbst, also aus individueller Bestimmung durch Geist, formt daraus jedenfalls friedlich-koexistent angelegte Gesellschaftswelten, den Mindestanforderungen gegenseitiger Achtung entsprechend. Zugleich ist jede Gesellschaftswelt Träger offener wie ko-kreativer Verbundenheit.


Diese Verbundenheit von Menschen in den Gesellschaften wie zwischen den Gesellschaftswelten bietet unendliche Wachstums- und Entwicklungschancen, sie gewährt die Umsetzung exponentieller Schöpfungskraft aus gegenseitig wahrnehmendem und lernendem Austausch hin zu sich verstetigender Kollaboration.


Anfangs ist in Gesellschaftswelten und zwischen den Gesellschaftswelten Politikentwicklung noch notwendig. Analog zur universellen Gesetzmäßigkeit kann ein ko-kreativer Gesellschaftsvertrag entstehen insbesondere als Grundlage für die Gründung oder/und Fortführung systemischer Entitäten. So lange, wie diese Form notwendig erscheint, können Staaten oder Staatengruppen verfasst werden, die die Generierung und Entfaltung des Prozesses von Kultur, Recht und Diplomatie als Dienstleister jeweiliger Gesellschaften und ihrer Außenbeziehungen koordinieren.


Im Mittelpunkt dabei stehen insbesondere Prozesse des Regierens. Regieren ist koordinierender Dienst für die Zwecke individuell sich entwickelnder Menschen- und Gesellschaftswelten. Dabei ist konsequente Zentralperspektive jeden Planens und Handelns der Mensch. Und Diplomatie ist das zentrale Feld mit Methoden der Kommunikation, Moderation und Konfliktmediation, um Transitions- und Entwicklungsprozesse transformativ zu fazilitieren. So wird auch für kleinste gesellschaftliche Einheiten der Raum gewährleistet, sich selbstbestimmt zu entfalten, zugleich frei und ko-kreativ mit anderen zu verbinden – in kultureller Diversität und Rechtsgleichheit.


Politik bzw. Regieren als Dienstleistung in und zwischen Gesellschaftswelten bedürfen vor allem klarer Legitimation und substantieller Umsetzungsmacht, basierend auf stringenten Dialog- und vernünftigen Entscheidungsprozessen. Menschengerechte Transformationsprozesse durch Regieren sind daher inhärent gewaltfrei, da sie menschengerechter, also freier Willensbildung entsprechen müssen, um auch im Einzelfall legitimiert zu sein.


Staatsgewalt ist immer beliehene Gesellschaftsmacht im Rahmen freiheitlich verfasster Ordnung. Missbrauch und also illegitimer Einsatz von Staatsgewalt löst den Grund staatlicher Existenz auf bzw. löst die Form von der den Staat substantiell begründenden Gesellschaftswelt ab. Auch parlamentarische Demokratien sind offensichtlich nicht dagegen immun. Denn bereits der vernünftig nicht zu rechtfertigende Einsatz von struktureller, psychisch vermittelter Gewalt ist vor allem hier direkter Ausdruck toxischer, pathologischer Politik und irregeleiteten wie inkompetenten Regierens - im scharfen Gegensatz zu zentralen Koordinierungs- und Beherrschungsfunktionen menschengerechter Gesellschaftswelten.


Damit ist zugleich der aktuelle Zustand insbesondere auch des internationalen Politiksystems beschrieben: hohe anarchische Tendenz und Anfälligkeit für faschistoide, egomanisch projezierte Destruktion sowie Obstruktion durch Staatsversagen und Inkompetenz des formal-quantitativ legitimierten Führungspersonals. Die daraus dann rein materiell und utilitaristisch begründete Generierung von Herrschaft bleibt auf die bloß äußeren, manipulierbaren und grob strukturellen Bedingungen der realen Lebenswelten bezogen und verkommt zu purem Darwinismus weltweiten Maßstabs.


Der dadurch ausgelöste, global wirksame, kollektive Regress hat signifikante Ausmaße erreicht, vor allem scheinlegitimiert durch resistente Glaubensprojektionen und Welterlösungsmessianismen, um ein Leben im Sinne systembedingten Funktionierens erträglich erscheinen zu lassen. Bereits bestehende, größtenteils kodifizierte - freilich meist unwirksame – Grundsätze als kulturelle und rechtsgestaltende Modelle humaner Ordnungs- und Friedensmacht zur irreversiblen Entwicklung einer menschen- und umweltgerechten Lebenswelt werden nicht mal für friedlich-koexistente Beziehungen zwischen den Gesellschaftswelten genutzt bzw. intentioniert umgangen.


Im „Geist bestehender Verträge“ wird aktuell keine Realität der Weltpolitik gezeugt; in inkompetenter wie Geist und Intellekt entgegengesetzter Attitüde bleibt die sog. „Weltordnung“ in rein materieller Interdependenz stecken, gezeichnet von Gewalt und globalem wie strukturellem Politikversagen. Offensichtlich ist dieses hintergründig bedingte Handlungsgesetz auf Versklavung und Vernichtung des Menschen ausgerichtet, da globale Repräsentanzsysteme (etwa UN) auf eine substantiell menschengerechte Ordnungsmacht verzichten.


Diese letztlich globale Systemimmanenz wird allein von korrumpierten, bestenfalls unbewussten und meist semi-kompetenten, zugleich führend vernetzten Personen aufrecht erhalten. Wenn sie wüssten, was sie tun, würden diese Systemagenten ihre „Verantwortung“ umgehend zurückgeben. Tun sie dies jedoch nicht, bleiben sie doloses Werkzeug und Funktionsträger direkt wirksamer Menschenverachtung und Ressourcenvernichtung, die zur menschengerechten Zukunftssicherung notwendig ist.


Sogar die für lange Zeit als fortschrittlich geltende post-westfälische Friedens- und Weltordnung sind sie dabei zu verspielen, eine „Neue Weltordnung“ war und ist so ohnehin nicht erkennbar noch erreichbar. Denn eine wohl auch dringend gebotene, wirklich neue Weltordnung als freiheitliche Friedensordnung ist ausschließlich durch Geist geführten freien Willen einzuführen und zu gestalten.








W E L T O R D N U N G



Gesellschaftswelten der Menschen-Welt: Die Orchestrierung ihrer freien Willensbildung hin zu einer auf Dauer angelegten und dynamisch wie human weiter zu entwickelnden Weltordnung wird also endgültig und ausschließlich zuerst aus Geist zu leisten sein. Denn nur darin liegt das Fundament ihrer Selbst-Bestimmung und die freie Sicherung ko-kreativer Entwicklungspotentiale: individuell erzeugt, universell verbunden.


Die Macht zur Gestaltung dieser tatsächlich neuen Weltordnung geht non-konditional vom Geist geführten individuellen Menschen aus, um seiner essentiellen und bestimmungsgemäßen Eigen- wie Gesamtverantwortung kreativ wie kooperativ und zukunftsfähig zu entsprechen. Nach langen Umwegen der Menschenentwicklung erscheint erkennbar, dass nur diese Art der die Zukunft sichernden Gegenwart dem universellen Denk- und Lebensgesetz entsprechen kann.


Am Ende, wenn der Mensch seine eigentliche Entwicklung beginnt und konsequent vollzieht, werden nicht mehr Glauben und Ängste, sondern Einfachheit und Klarheit aus Erkenntnis und innerem Wissen sein Leben prägen. Wenn des Menschen Pubertät verlassen ist, wird das Innere des Menschen zu dem Tempel, aus dem die menschengerechte Weltordnung entsteht und sich reif vollzieht.


In millionenfacher Variation werden diese inneren Tempel nach außen wirken und strahlen, in schöpferischer Vielfalt sich gegenseitig bereichern und die Metamorphosen menschlicher Existenz ins Kongeniale inspirieren. Jeder dieser Tempel ist heilig, weil er aus Geist vollzieht, was der Schöpfung dient und Leben erhöht … bis die Entwicklung der Weltordnung dem Equilibrium des Menschen und also der universellen Ordnung entspricht.


Das Selbst- und Weltbild des Menschen ist durch und aus des Menschen Selbst solange wieder und wieder weiterentwickelnd daran auszurichten, bis er seine gesamte Identität zuerst in die vertikale Determinante einschwingt, also das Equilibrium zwischen Geist und Materie zu beherrschen beginnt. Der individuelle Mensch wird so zum Träger und Ko-Kreator „seiner“ Weltordnung aus innerem Wissen und Transzendenz.


Geist – Menschenwelt | Gesellschaftswelten – Weltordnung: Reflexionen einer „Utopie“? - Ebenfalls vom freien Willen umfasst ist, sich paradigmatisch zu entscheiden, die Welt nicht mehr von außen nach innen, sondern endlich von innen nach außen, damit von oben nach unten zu erzeugen und zu gestalten. So entscheidet der Mensch aus des Menschen Selbst über seine Zukunft, auch wenn dieser notwendende Neuanfang einer Utopie vergleichbar scheint ähnlich der Phase vor dem Urknall.


Schließlich erscheint Geist immer als „Utopie“, zugleich ist Geist die unverzichtbar apriorisch bestimmende Grundlegung des Topos und damit eben vor allem auch des Nomos, der Grundgesetzlichkeit ordnenden Bewusstseins vom und im Sein. Hierin liegt die qualitative Legitimation aus universeller Konkordanz und Wahrhaftigkeit menschlich-gesellschaftlicher Entwicklung, also die vertikale Determinante als maßgebender Metacode der quantitativen Legitimation im Rahmen demokratischer Willensbildung.


Die horizontale und die vertikale, eben beide Achsen der Legitimation sind unter Führung des Geistes in einem dynamischen Equilibrium zu fusionieren und für die Zukunftsfähigkeit des Menschen klug zu implementieren. Diese Metamorphose legt dann den Grund für eine humane, die eigentliche neue Weltordnung, die der Würde des Menschen und seinen realen Potentialen entspricht.


Während sich die alte, illegitime „Weltordnung“ zunehmend selbst final paralysiert, sind die Konturen der neuen, realen Weltordnung bereits „diskret“ gesetzt: Denn Geist führt aus Überzeugung und stiller Resonanz, nicht aus Kampf; die Metaphysik des Menschen Selbst und seiner Gesellschaften fazilitieren den unausweichlichen Wandel in einem stetigen, deduktiven Entwicklungsprozess. Diese dann Geist geführte Gegenwart bestimmt die schöpfungsgerechte Zukunft des Menschen und des Planeten.


Längst überkommene „Eliten“ - reine Handlungseliten - und die Immanenzlogik ihrer Systemfunktionen lösen sich restlich ab und auf, reale Eliten - Eliten geistiger Beherrschung - übernehmen eine koordinierende und dienende Führung aus Vorbild, Überzeugung, Inspiration und Schöpfungskraft. Dann wird die Welt deutlich einfacher und klarer, wesentlich lebens- und liebenswerter und dieser Planet auch ein metaphysisch gelebter Teil des Universums. Antagonismen und Polaritäten werden zunehmend konkordant gelöst und prinzipiell überwunden, das Heilige wird real, „Himmel und Erde“ verschmelzen im humanen Equilibrium, wenn endlich klar wird : Nur des Menschen freier Wille ist sein Himmelreich!





(C) J MICHAEL HEYNEN
DUESSELDORF, 31.05.2017