Dienstag, 29. August 2023

EQUILIBRIERUNG: ZENTRALE MODALITÄT KONKORDANTER KRISENLÖSUNG UND TRANSFORMATION

 



Quantensprung in eine humane Zukunft: Rückverbindung mit

der Noosphäre und Eintritt ins Noozän



Konzeptionelle Reflexion von J Michael Heynen





I Anthropozän – Krise als Transition ins Noozän


Die Gegenwart, Basis der Zukunft des Menschen, wird als Anthropozän der Menschheitsentwicklung eingeordnet: Der Mensch beherrscht zu weiten Teilen die Geo- und Biosphäre des Planeten Erde. Diese Art raum-zeitlicher Einordnung offenbart dennoch zugleich die damit einhergehende strukturelle Krise bzw. Metakrise: Eine Lebensführung aus freiem Willen und Bewusstsein des individuellen Selbst ist der fast ausschließlich technisch-materiellen Beherrschung und nihilistischen Überdehnung der Lebenssphäre als solcher gewichen. Diese zudem maximal ego-referenzierte, reine Systemimmanenz blockiert die Öffnung des Menschen zu einer human-kreativen Zukunftsentwicklung und verursacht eine Krisenkonstellation von historisch einmaligem, damit zugleich zivilisatorischem Ausmaß. Die zentrale Ursache: die Entkopplung der sich entleerenden Lebenssphäre von der Noosphäre als Sinn und Legitimation stiftender (Meta-) Ebene. Umso mehr stellt sich daher die Frage: Wird das Anthropozän zum konstruktiven wie dringenden „gate-crasher“ weiterer menschheitlicher Evolution, dem Übergang ins Noozän?



II Die Noosphäre – zentrale Sphäre des Neubeginns


Die Noosphäre wird definiert und beschrieben als eine durch des Menschen geistige Leistung, sein Bewusstsein und seine Vernunft geprägte Sphäre. In diesem Interaktionsraum des Geistes reflektiert sich die Weltseele – individuell wie gesellschaftlich integriert. In dieser wird vor allem, nachdem die Beherrschung von Bio-/Geosphäre signifikant nachgelassen und die Menschentwicklung retardiert, ein neuer Entwicklungsschritt der Menschheit, die „Geburtsstunde“ einer neuen Art von Leben verortet: Durch die Vergeistigung der Materie wird die Biosphäre aus der Verbindung mit der Sphäre des Geistigen und der Vernunft umgeformt, geprägt und evolutionär gewandelt: das Noozän – Lebensbeherrschung aus der Metaphysik!



III Equilibrierung – Wendezeit statt Endzeit


Die Entfaltung des Menschen im Anthropozän offenbart also die damit einhergehende strukturelle Krise als Begrenzung ihrer zivilisatorischen Weiterentwicklung, soweit und da die Bio-/Geosphäre ausschließlich aus sich selbst beherrscht wird. Diese krisengeprägte Zeitenwende wird zur Endzeit, wenn sie nicht konsequent als Wendezeit begriffen wird. Denn nur die ko-kreative, evolutionäre freie Kapazität des Menschen wird ihn in seine selbst determinierte Zukunft führen. Diese Führung erfordert, seine Sinn geleitete Handlungsenergie aus der Noosphäre zu deduzieren und damit zu begründen: Legitimation und Ziel des Menschen zukunftsfähiger, adäquater Interaktion stiftet ausschließlich die noosphärische Konnektivität insbesondere zuerst als Leitlinie des Wandlungsprozesses hin zu einer vollen und eigentlichen Beherrschung der Biosphäre.


Die weiterführende Entwicklungsleistung des Menschen liegt also in der komplementären (Rück-) Verbindung der Sphären und ihrer gegenseitig aktiven Verschränkung: in der Equilibrierung als dynamischem Prozess der Vergeistigung des Materiellen sowie in der Materialisierung des Geistes, um also vor allem Geistiges zu verlebendigen. Dieses so begriffene Equilibrium gewährleistet eine stetig balancierende Metamorphose, Leben neu zu begründen und zu formen; der anstehende Wandlungsprozess ist so Krisenlösung und Zukunftsentfaltung zugleich.



IV Freies Individuum und Konkordanz


Das Sein – existentieller Bestand wie Qualität – wird aus Bewusstsein geschöpft und gestaltet, die konditionierte Existenz aus Geist determiniert. Transformation und Fazilitation dieser Entfaltung sind notwendige Basis vernunftgeleiteter Wandlungsprozesse aus dem individuellen Selbst. Denn nur das Individuum – emanzipierend und transpersonalisierend – ist dazu prädestiniert, die „ewige Macht Selbst“ (Kierkegaard) zu aktivieren und aus der Rückverbindung mit der Noosphäre die Lebenssphäre innovativ-kreativ zu steuern sowie selektiv zu spezifizieren. Das reflektierende Bewusstsein, also individuell erzeugt, ist kontinuierlicher Träger schöpferischer Sinnstiftung und Willensbildung sowie gesellschaftlicher Weiterentwicklung aus einer zuerst noosphärisch gekoppelten Existenz.


Von innen nach außen, von oben nach unten erfährt sich der einzelne Mensch auf diese Weise als ko-kreativer Teil kosmischer Intelligenz und Energie, zugleich autonomer, intelligibler Resonator des Schöpfungsprozesses. Denn der Ursprung des Universums ist nicht Materie, sondern Geist (Bergson / de Chardin). In dieser grundsätzlichen Synchronizität und Kongruenz mit dem All-Einen werden kosmische Denkgesetzlichkeit und Vernunft zur vertikal abgeleiteten, in der Reflexion des menschlichen Bewusstseins gefassten treibenden Kraft, Geist zu materialisieren, Leben zu vergeistigen. Diese Equilibrierung ordnet die Bedingungen der Existenz aus der metaphysischen Normativität des Geistes; das Selbst als Mitte des Menschen entfaltet die korrespondierende, adäquat resonante Intelligenz und Instanz universeller Gesetzlichkeit und Schöpfungsprozesse. So harmonisiert das dynamisierende Equilibrium Gegensätze, transformiert Krisen und Konflikte und forciert sinn- wie friedensstiftende Prozesse als zentripedale Potentiale progressiver menschlicher Höherentwicklung: in kosmisch-gesetzlicher Kongruenz und in individueller wie gesellschaftlicher Konkordanz.



V Transpersonale Aristokratie: Exzellenz aus prinzipalischer Elitenführung


Einführung und Maßgabe eines vertikal geführten Equilibriums bietet Verfahren klärender Erkenntnis, die strukturellen Gründe und Lösungsansätze der Krise als notwendige Phase des Drchgangs zur Erneuerung zivilisatorischer Lebensbewältigung sowie ihrer zukunftsfähigen Gestaltung. Die individuell erzeugte Umsetzung von Methode und Ausrichtung der Equilibrierung wird zu Beginn der Transition noch stark abhängen von robust agierenden, prinzipalischen Führungseliten, die erforderlichen Wandlungsprozesse initiativ und inspirativ zu evozieren sowie zu koordinieren und zu fazilitieren.


Je nach individueller Freiheitsfähigkeit aus dem Selbst werden synergetische wie adäquate Kapazitäten zur Verfügung stehen, gesellschaftliche Entwicklungen koordinativ synergetisch zusammen zu führen. Zentrale Funktionen dabei nehmen Kunst und Kultur sowie davon geprägte kluge Staatsführung ein, um gesellschaftliche Herausforderungen mit zivilisatorischer Notwendigkeit zu korrelieren und dynamisch weiter zu entwickeln. Sinn und Legitimation der Freiheits- und Ordnungsstiftung werden also aus der Noosphäre gewonnen und in dialogischen Verfahren der Equilibrierung verstetigt und umgesetzt. Die auf kritischer Reflexion und Vernunft basierenden dematerialisierten, kreativen Willlensbildungs- und Interaktionsprozesse werden in zwischen- / gesellschaftlichen Syndikationsprozessen nach Maßgabe transpersonaler Exzellenz auf die Expansion jeweiliger qualitativer Freiheitsräume konzentriert.


Dies gilt insbesondere auch für die notwendigen Determinanten adäquat qualifizierter Führungseliten zur Bewältigung und Lösung der Transition als Öffnung und Verstetigung der Transformation. Dabei sind insbesondere auch – analog zum Dirigenten eines Orchesters - monarchische Führungsprinzipien zu berücksichtigen, freilich nicht restaurativ und jenseits historischer Degeneration aus Feudalismus und „von Gottes Gnaden“, im Gegenteil: Die krisenlösende wie zukunftsfähige Erneuerung der zivilisatorischen Lebenssphäre, eben noosphärisch deduziert, basiert zwar auf der Historizität politischen Bewusstseins und entsprechender Erkenntnisprozesse, verfolgt aber mit höchster Priorität menschengerechte Wege und Ziele gesellschaftlicher Entwicklung. Dabei gilt: Nicht materiell-physische Bedingungen und/oder religiöse Projektionen, sondern immateriell-metaphysische Determinanten inspirieren und sichern die humane menschliche Evolution. Folglich ist das dafür hohe Potential einer geist- und vernunftgeführten, eben transpersonalen Aristokratie (die Herrschaft der Besten) einzustellen, um die notwendige Verantwortung und Qualitätssicherung gesellschaftlicher Repräsentanz und Mensch zentrierter Governance (Koordinations- und Moderationsleistungen der Willensbildung, Facilitierung von Entscheidungsverfahren) kontinuierlich zu gewährleisten.


So begriffen, wird die aktuelle Krisenentwicklung zur Lösung ihrer Beherrschung öffnen und den archimedischen Punkt einer Art kopernikanischer Wende freilegen: Die Humanität aus individuellem Bewusstsein und Zivilität gesellschaftlicher Leitkulturen prägen die zwischenmenschliche wie zwischengesellschaftliche Interaktion und prozesshafte Verschränkung. Analog zu einem Regelkreis veredeln die Prozesse des Equilibriums Klärung, Lösung und qualitatives Wachstum der Menschheitsentwicklung. Basierend auf Bewusstheit und Selbstehrlichkeit des Individuums sowie angemessener Transparenz (inter-) systemischer Funktionen wird das Anthropozän als Türöffner menschlich zivilisatorischer Stiftung humaner Zukunft begriffen und genutzt. Führung aus Geist und Vernunft geleiteter Denkgesetzlichkeit ersetzt überkommene wie vollkommen überforderte, personalisierte Repräsentanzsysteme gesellschaftlichen Regierens. Die letzten anthropozänischen Entwicklungen legen die Risiken historischer Kontinuität, zugleich die Chancen kreativ humanen Fortschritts und die Potentiale exzellenter Entwicklung offen. Die Krise im Übergang ist notwendige Folge, zugleich Voraussetzung einer individuellen wie systemischen Metamorphose mit dem konkreten Ziel einer noumenalen Weltordnung als prioritärem Schritt in eine endlich beginnende, zukunftsfähige Gegenwart einer humanen Zivilisation, das Noozän: Beherrschung des Lebens aus Geist!



© J Michael Heynen | Nomoi Institute

Mesnil d’O | Baden-Baden 07-08|2023

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Donnerstag, 29. Juni 2023

KRISE - TRANSITION - NEUORDNUNG

 

Konzeptionelle Reflexion von J Michael Heynen



I


Nach langer Entwicklung hat in den letzten fünfzig Jahren die Menschheit einen Zustand erreicht, in dem sie die faktische Herrschaft über ihren Heimatplaneten, die Erde, wesentlich übernommen hat: Quantität und Qualität menschlicher Aktion und Interaktion sind zentrale Ursachen planetarischen Lebens und Überlebens. Der Mensch – nie „Herr der Schöpfung“, jetzt ihr verantwortlichster Teil - wurde Begründer seines „eigenen“ Zeitalters, dem Anthropozän.


Menschenbilder und Kulturen wurden geformt, das Rad und der Buchdruck usw. sind erfunden, Ideen und Religionen, Visionen und Utopien gestiftet, oft universell projiziert und ebenso oft verworfen. Der Mensch hat geboren und vernichtet, gelernt und verlernt, bewirkt und verwirkt, er ist Gründer, Träger und potentieller Zerstörer der Zivilisation, jedenfalls aber führender und nur durch die Immanenz der Freiheit beschränkter Gestalter seiner Gesellschaftswelten.


Mit Eintritt in diese anthropozänische Gegenwart – zugleich „Quellcode“ einer Zukunft – hat die Menschheit die oft spät-pubertierende Pilotphase ihres Seins und Bewusstseins verlassen. Jetzt ist es also am Menschen Selbst, in umfassender Verantwortung eine Zukunft der Schöpfung und Zivilisation auf diesem Planeten zu gewährleisten. Dies ist zugleich die Geburtsstunde des endgültig umfassend ko-kreativen Menschen: So hängt es unwiderruflich direkt und ungeschützt vom Menschen Selbst und seiner Zivilität ab, Schöpfungsraum und -zeit als solche des freien Willens zu begreifen und zu verantworten.




II


Und kaum hat der Mensch – teils noch immer ob des behaupteten Paradiesverlustes befangen – das „goldene Zeitalter“ freien Willens und ungehinderter Schöpfungskraft betreten, wacht er in Regress und fundamentaler Krise auf. Die alte Welt, vor allem die der Herrschaft des Habens, vaporisiert zunehmend, und Versuche des Bewahrens enden zumeist in Gewalt, Usurpation und Verlusthysterie. Existenzängste absorbieren Krisen wendende Freiheitspotentiale, eine „letzte Generation“ wird proklamiert, die Fehlbarkeit des Menschen in transhumanistischen Heilslehren als Verhinderung des projizierten Armageddon zum Schein gelöst. Auch eine martialische Rhetorik von sog. „Zeitenwende“ kann da keine rettenden Horizonte schaffen – zumal allein mit höheren Militärbudgets begründet.


Zutreffend ist dennoch: Wir sind in eine Wendezeit eingetreten, eine Zeit der Entscheidung! Und diese Entscheidung ist aus „Wille und Vorstellung“ über die menschliche Zukunft zu fällen. Denn die aktuelle Gegenwart ist lediglich die Schlussphase vorhergehender Entwicklung, geprägt von einseitiger Konzentration auf das Äußere, die Materialität menschlicher Existenz, dominiert von egomanischen Projektionen in Ökonomisierung und Technisierung des Lebens sowie die ausschließliche Einrichtung im „Unterbau“ menschlicher Potentiale.


Trotz großartigster Leistungen gerade auch in den letzten 200 Jahren: Aus dieser Sackgasse rein existentieller Bewältigung wird der Mensch wohl nur dann herausfinden, wenn es gelingt, die grundsätzlichen Transformationspotentiale der Krise zu identifizieren und Wandlungsprozesse einzuleiten. Die zentrale Herausforderung wird dabei in der Entscheidung liegen, wieder und endgültig ins Humane „aufzuschließen“. Diese Leistung beschreibt den Aufbau eines ganzheitlichen Equilibriums, kurz: „Leben zu vergeistigen, Geist zu verlebendigen!“ (nach Marc Jongen). Geist ohne Leben bleibt Theorie und Abstraktion, aber Leben ohne Geist erstarrt in Nihilismus und Verelendung. Und genau letzteres beschreibt die hintergründige Dimension heutiger Krisenszenarien als reine Konsequenz zu langer Selbst-Verachtung und hingenommener Unmündigkeit. - Daher steht jetzt die Entscheidung für die universale Kapazität des Menschen Selbst an, in einem so begriffenen Equilibrium die endlose Schöpfungskraft aus dem Humanen für die Zukunft zu entfalten.




III


Wenn sich der Mensch für ein zukunftsfähiges Equilibrium entscheidet, so kann dies nur ohne Angst, Vorurteil und Anhaftung, umso mehr in Akzeptanz der Krise als Folge der Selbst-Entmündigung geschehen. In vor allem innerer Einkehr, Ruhe und Zentrierung wird der Mensch gewahr, dass Zukunft am wenigsten lineare Hochrechnung zumal bisheriger Gegenwärtigkeit ist. Der „einatmende“ Mensch realisiert und begreift seine Entfremdung durch die Diffusion des Habens und rein Äußeren, er öffnet sich also nach Innen, damit zur Transition.


Transition beschreibt hier die Hybridität des zukunftsfähig zu Leistenden - noch im A-Posteriori lebend und doch das A-Priori erkennend - die Phänomenalität des Seins durch die Noumenalität des Bewußtseins dimensional zu erweitern und zu ergänzen, also den Bau am Equilibrium zu beginnen – anders gewendet: die Konditionierung des Seins konsequent aus der Determination des Bewußtseins zu steuern. Dieser Prozess beginnt individuell und dehnt sich erhöhend im Systemischen, im Gesellschaftlichen.


Nicht mehr die empirische „Objektivität“ höchst subjektiv-egozentrischer Existentialität, sondern die zeitlose, individuelle Leistung Geist entlehnter Objektivierung führt in die äußere gesellschaftliche Korrelation. Nicht mehr die Normativität der Außenwelt durch egomanische Projektionsflächen theologisch-ideologischer Erlösungsversuche, sondern die Normativität der individuell geistig deduzierten Vernunft ist die bestimmende Basis gesellschaftlicher korrelierender Überzeugungsprozesse und koordinierender Umsetzung (Regieren).


So ist das zu erzeugende Equilibrium nicht allzu fern, wenn der Mensch Laborversuche und Pilotierungsphasen großartiger Leistungen als Basis des innovativ-kreativen Wechsels begreifen: Leben haben wir, den Sinn des Lebens stiftet aber nur Geist. Dann kann die Wendezeit zur Zeitenwende werden, also zu erkennen, die humane Verantwortung des anthropozenischen Zeitalters anzunehmen, proaktiv auszugestalten und eine menschengerechte Zukunft aus den Determinanten des Geistes zu formen.




IV


Wenn der Mensch entschieden hat, seine Metamorphose zu beginnen und Vorurteile, Anhaftungen, Ängste zu neutralisieren, öffnet sich die Transition hin zu den universellen Kapazitäten menschengerechter Prozesse der Zukunftsentwickung: Von und für denkende und fühlende Menschen, als liebender und authentischer Mensch aus dem „cogito ergo sum“. Zukunft wird dann nicht mehr Belohnung sein, sondern Ergebnis, die freie Konsequenz des Primats realer Menschenwürde, der Suprematie humaner wie humanistischer Neuordnung.


Die griechisch-römische Antike – vor allem auch als greco-buddhistische Rezeptionsleistung , die Renaissance und die Aufklärung werden zeitlos erkenntnisleitende Sinnstiftung bieten, Bewusstsein und Sein des zukunftsfähigen Menschen neu zu ordnen. Es ist so am Menschen Selbst, in seiner Zeit die gebotene Exzellenz zu erarbeiten und so das Kontinuum des Equilibriums zu gewährleisten. In dieser menschlichen Leistung und Kapazität – humane Zivilität - liegt zugleich die Gewährleistung seines Lebens.


Im Anthropozän kann so der Mensch zum eigentlichen Ko-Kreator aufsteigen: Das Kontinuum des humanen Equilibriums, Geist zu leben, Leben zu vergeistigen, ist der analoge Wirkmechanismus zur kosmisch-gesetzlichen Konstante. Daher heißt Transition der Menschentwicklung, von der horizontalen zur vertikalen Priorität seiner Gestaltungs- und Lebensprozesse voranzuschreiten: das vertikal geführte Equilibrium als paradigmatisch willensstiftende Achse horizontaler Lebensvielfalt und freier Variation, zugleich Sinnstiftung und Gewährleistung menschlicher Zivilisation ("vertikale Equilibrierung").




V


Der Quellcode vertikaler Versäulung im Equilibrium liegt in der inneren Führung aus des Menschen Selbst. Und daraus entsteht die notwendige Determination als Basis Not wendender sowie Zukunft stiftender Legitimation. Die determinierende Vertikale kosmischer und vernünftiger Denkgesetzlichkeit erzeugt die regelnde und lösende Normativität der Ordnung in der äußeren Konditionierung von Sein und Haben. Die Innenwelt, das Bewußtsein, schöpft also die Erkenntnis aus dem (einzigen) Absoluten, die Außenwelt korreliert und koordiniert die Umsetzung im Raum des freien Willens. Und da, wo sich die Achse der Transzendenz mit der Realität kreuzt, dieser Kreuzpunkt, diese Mitte beschreibt die Wahrnehmung und Entwicklung von Ästhetik und Kultur; hier wird die Erhabenheit und essentielle Elevation individueller Selbst-Wahrnehmung sowie gesellschaftlicher Narrative gezeugt und generiert, zugleich existentiell verbunden.


So kann insbesondere künftiges Regieren auch gewaltfrei gelingen, wenn sich Menschen Zeit und Raum der Transitionsentwickung gewähren, sich konsequent von Innen aus zu befreien und vom Primat der äußeren Welt zu emanzipieren. Die daraus mögliche Neuordnung auch der Gesellschaftswelten wird die Zukunft menschlicher Zivilisation nicht nur kontinuierlich sichern, sondern das Humane - seiner Ur-Würde entsprechend - in die nach wie vor anstehende, maßgebliche Entfaltung führen.


Nicht das überkommene Individuum der Egozentrik und personaler Machtinteressen ist Träger dieser Macht (des Geistes), umso mehr aber das Individuum, das sich aus seinem Selbst gewählt hat. Erst das Selbst – aus der Kraft des einzigen Absoluten – schafft Autonomie, Souveränität und prinzipale Legitimität. Das Selbst steuert Qualitäten sowie drängende Eigenschaften und Interessen des Egos hin zu ausgleichender Vernunft aus der Suprematie des Geistes. Diese so konstituierte Macht - aus höchster humaner Selbst-Verfügung und Ermächtigung - bedarf nicht mal mehr quantitativer Mehrheiten und Quoten. Die Autorität des Geistes, also daraus gefasster Wille ins Äußere gewendet, verhandelt transparent und überzeugt sinn- und wahrheitsstiftend. In der Generierung vernünftiger Wahrheitsnäherung liegt die existentielle Gewährleistung einer humanen, also menschengerechten Zukunft. Aus innerer Führung entsteht so die Herrschaft des Besten, inkorporiert durch die Herrschaft der Besten, um den Raum des freien Willens adäquat zur universellen wie menschlichen Schöpfungsgesetzlichkiet zu synchronisieren und kontinuierlich weiter zu entwickeln. Die humanoide Person wird zum Menschen, sein Selbst zum ko-kreativen „Generator“ und Innovator der Zivilität seiner equilibralen Gesellschaftswelten.


Das Equilibrium birgt die Potentiale der Synthese von Noumenon und Phenomenon, von Transzendenz und Immanenz, von Metaphysik und Physik und damit die Voraussetzungen erfolgreicher Beherrschung von Krise, Transition und Zukunftsprozessen. Die Suprematie des Geistes zur klugen Anwendung vernunftgeleiteter Denkgesetzlichkeit gewährt die (zu) lange unterschätzte Wirkmacht des Geistes als universell-normative Quelle für die Findungsprozesse von Wahrheit und Richtigkeit. Träger dieser Entwicklung ist das unabhängige, vom Selbst bestimmte, de-personalisierende Individuum. Daraus konstituieren sich prinzipalische Zivilität, Führung und Legitimität systemischer Neuordnung zukunftsfähiger, weil humaner Gesellschaftswelten.




J Michael Heynen | Nomoi Institute  ©

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Dienstag, 22. November 2022

PREKÄRES REGIEREN IN DEN INTERNATIONALEN BEZIEHUNGEN

 


PREKÄRES REGIEREN IN DEN INTERNATIONALEN BEZIEHUNGEN


Aktuelle Außenpolitiken als treibende Kraft zivilisatorischer Paralyse


Thesen von J Michael Heynen



1. Regionales und international relevantes Regieren ist weitgehend sogenannter Kakistokratie (Herrschaft der Schlechtesten) zuzuordnen. Egozentrische wie substanzlose Persönlichkeiten „regieren“ bestenfalls ohne, zumeist aber im Gegensatz zur zivilisatorischen Verantwortung im Sinne aristokratischen Regierens (Herrschaft der Besten).


2. Das so gepolte Regieren aus dem „Unterbau“ nutzt pseudo-legitimierende religiöse und/oder ideologische Formen aus dem „Überbau“, um in der Regel faschistoide, imperialistische Dominanzversuche als messianistische „Weltrettung“ mit anschließender „Welterlösung“ zu kaschieren und Glauben zu machen. Trotz aller negativen historischen Erfahrung: Unprofessionell Regierende flüchten sich in unregulierte, rein projezierte Großsysteme (Globalisierung) bei gleichzeitiger Überdehnung subordinierter Teilsysteme und/oder Politikfelder sowie maßloser militärischer Aufrüstung.


3. Internationales Recht weicht dem vermeintlichen Recht des Stärkeren bzw. seiner Projektion. Diplomatie und internationaler Diskurs werden nicht mal von der UN unabhängig fazilitiert oder forciert. Die Reformunfähigkeit der UN-Mitglieder belegt: Macht ohne Recht beschreibt eben das Ende anthropozenischer Verantwortung für die Zivilisation in einer ihrer höchsten Entfaltungen.


4. Die auf Freiheit, auf Freiwilligkeit und Überzeugung basierenden internationalen Rechts- und Ordnungssysteme sind nicht begriffen, wenn sie als Begründung und Legitimation militärisch wie ökonomisch expansiver Interessen benutzt und damit ins Gegenteil verkehrt werden. Diese – vielleicht im Ursprung wohlmeinend idealistische - Aberration vor allem auch des Westens hat eine der größten und weitreichendsten Sicherheitsrisiken im internationalen System verursacht. In der Folge selbstüberschätzende und überdehnende Sanktionsregime sind Ausdruck traditioneller Ignoranz gegenüber fremden Kulturen und ihren Ordnungssysteme sowie ihren unterschiedlichen Entwicklungsetappen.


5. Regieren erreicht so vor allem dann die Endstufe der Prekarität, wenn Krieg nicht mehr (letzte) Konsequenz der Politik, sondern ihre Alternative ist. Die Verbundenheit des Menschen im Anthropozän macht Diplomatie zur Ultima Ratio: Denn Außenpolitiken sind zuerst als Verantwortung für Leben zu begreifen und aus Exzellenz zu beherrschen.


6. Aktuelle Außenpolitiken sind zumeist auch der Reflex jeweiliger Innenpolitiken: Die Paralyse von internationaler Rechtsstaatlichkeit mit „Lösung“ durch Krieg beginnt in der Innenpolitik genau dann, wenn gesellschaftlicher Diskurs systematisch konterkariert wird, so etwa durch die Absenz von Transparenz und Wahrheitsfindungsprozessen, von Aufklärung und Verifikation. Auch hier hat das westliche Regieren – spätestens seit 2001 - sogar trotz größter Erkenntnisleistungen internationaler / europäischer Rechts- / Kulturen zunehmend klar versagt: Strategische Potentiale, soweit noch vorhanden, sind zumeist ausschließlich auf die Generierung von offensiv-manipulativen Angst- und Bedrohungs-Narrativen ausgerichtet.


7. Die neuere Einschätzung, das internationale System sei „in einer revolutionären Situation“, womöglich basierend auf einer sog. „Systemrivalität“, ist genau so abwegig wie die Größenwahnentwürfe etwa eines sog. „Global Reset“. Diese Horizonte einer Fata Morgana beweisen die tiefsitzende Prekarität des Regierens und die Hilflosigkeit den Regierenden gegenüber, wahrhaftige wie kluge Macht zu legitimieren und zu verantworten. Diese Art systemischen globalen Politikversagens der Zivilisation öffnet signifikant jedenfalls die Chance hoffentlich noch rechtzeitigen Begreifens: Das internationale System ist am Ende des Jahres 2022 anarchischer denn je, nicht mal die Korrelationen von Ursachen und Wirkungen sind klar und wahr zu identifizieren. Der Aufbau einer sog. Neuen Weltordnung ist gescheitert; dies war freilich vorauszusehen, da eine Weltordnung aus dem „Unterbau“ als Machtsurrogat scheitern muss.

Wird ein Umsteuern einsetzen? Denn endlich ist auch tatsächlich zu erkennen: Zivilisatorische Außenpolitiken haben sich dem Kant’schen ‚Kategorischen Imperativ‘ zu- und einzuordnen – analog zum repräsentierten / regierten Individuum und seiner normativen Entwicklung.



Ein Ausweg? Was tun?


I. Einhalt, Entspannung, Inversion, Reflexion, Transformation: Stopp jeder Art von Suprematie, statt dessen regionale wie globale Kooperation hin zu regionaler wie universeller Normativität auf Basis von Diskurs und Vereinbarung – ohne Doppelstandards, mit klarer und authentischer Definition von Identität und Interesse sowie multilateraler, pluralistischer Visionsbildung aus anthropozenischer Verantwortung und menschlicher Verbundenheit,


II. Straffung internationaler Rechtsordnung und innovative internationale Regimebildung (oder -anpassung) für effiziente Konfliktlösung, transparente und transformative Zukunftsgestaltung sowie präventive Mechanismen globaler Verteilungsgerechtigkeit,


III. Im Übergang Einführung guten, zivilisationsgerechten Regierens als professionelle, aristokratische Dienstleistung aus konsequenter Transpersonalität offener Menschenführung auf Basis angemessener Achtung zuerst individuellen Selbstregierens zur Überwindung des Prinzipal-Agenten-Dilemmas unter dezidiertem Verzicht auf jede Art religiöser / ideologischer Messianismen und technisch-transhumanistischer Projektionen,


IV. Entwicklung ‚Ewigen Friedens‘ primär aus den Potentialen kreativer Urteilskraft und Vernunft, eben auch nicht „von Gottes Gnaden“, sondern aus der universalgesetzlichen wie menschengerechten Schrittbildung hin zur göttlichen Sphäre, also aus der Noosphäre für die Geo- und Biosphäre, aus dem „Überbau“ für den „Unterbau“ und die existentielle Zukunftsfähigkeit des anthropozenischen Planeten,


V. „Ewiger Friede“ ist bedingungslos als Imperativ auf der Basis inneren Friedens des freien, individuell bestimmten Menschen zu begreifen und im zwischen- / gesellschaftlichen Diskurs zu entwerfen sowie durch Integrität des Regierens zu wahren. Dabei ist den unendlichen geistigen und seelischen Potentialen gemäß der Würde und Vernunft des Menschen Selbst endlich voll und konsequent zu vertrauen, um eine geistige, eine universell-transpersonale, daraus dann abzuleitende realitätsfaktische Weltordnung zu generieren: durch die Inversion der Emanation aus der Noosphäre des Menschen für die Entwicklung einer menschengerechten Normativität zur Gestaltung einer ‚Noumenalen Weltordnung‘ * …



[* Der Entwurf einer NWO ist in Vorbereitung und aktueller

Arbeitsschwerpunkt des NOMOI INSTITUTS ]



© J Michael Heynen | Director of  NOMOI  INSTITUTE  

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Dienstag, 15. März 2022

Zukunft und Transformation politischer Führung: QUALITÄT – ETHIK – NORMATIVITÄT

 



Reflexionspapier zur Zukunft und Transformation                                                                                politischer Führung





QUALITÄT – ETHIK – NORMATIVITÄT


von J Michael Heynen





I.   Hintergrund


II.  ‚Aufklärung‘: Aktualisierung, Erneuerung, Sicherung


III.  FDGO, Parlamentarismus, Föderalismus (D und EU)


IV.  „Coopetition“: Transition zu ‚Integraler Marktwirtschaft‘


V.   Empfehlungen





I.   Hintergrund


Nach über 70 Jahren organisierter politischer Führung in westlicher (D/EU), freiheitlich-demokratischer Gesellschaft und Staat sind die Kräfte der zwingend erforderlichen Wahrnehmung, Steuerung und zukunftsfähigen Gestaltung von Mechanismen und Prozessen wenn nicht verbraucht, so doch „ausgelaugt“ und jedenfalls auf den Prüfstand zu stellen. Regieren war schließlich eher als Reagieren, als Repräsentieren und Administrieren politischer Tagesanforderungen zu identifizieren.


Form und Substanz des Regierens driften auf diese Weise gefährlich auseinander und sind nur durch innere Qualitätsprüfung, durch klärende Selbstverbesserung und selbstkritische Qualifizierung in angemessene Balance und Konsequenz zu bringen. Dann kann politische Führung statt lediglich gemäß Umfragen politische „Realitäten“ zu bestätigen wieder ihrer eigentlichen Funktionalität / Verantwortung entsprechen: politische Determinanten und Normativität als Faktoren konsequenter Entwicklungsdynamiken und Fortschrittsprozesse freier Gesellschaften zu begreifen und koordinierend zu beherrschen.


Dies gilt umso mehr, als heute im Gegensatz zu 1980 ff. deutlich mehr und tieferreichende, strukturelle Konflikt- und Krisenentwicklungen klar zu profilieren sind. Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie sind indisponibel, ihr Bestand zugleich von innen sowie in internationaler Korrelation extrem fragil geworden. Autoritäre Regierungen und Diktaturen sind höchst menschenverachtend, zugleich hoch „effizient“ und gefallen sich im sog. Systemwettbewerb als Gewinner, was zunehmend zur „Demokratur“ verführt (formal demokratisch, tatsächlich diktatorisch). Der pathologische Befund diesen Zustands kann wohl eingeordnet werden unter: quantitativ-materialistisch gestützter Nihilismus! Dazu liefert der kurzsichtige, destruktive Umgang mit sog. „Künstlicher Intelligenz“ die Beherrschung technokratisch-bürokratischer Vollstreckungskapazität, die Fähigkeit zur massenweisen „Guillotinierung“ individueller Freiheit – weit jenseits freier und internationaler Rechtsordnungen.


Zugleich sind Krisen und Konflikte als in der Regel menschengemacht und gleichzeitig unverzichtbare Chancen und Herausforderungen für substantielle Weiterentwicklung im Sinne sich erneuernder Kraft aus (innerem) individuellem wie gesellschaftlichem (Selbst-) Bewusstsein: Die Innovation des Gesellschaftsvertrags nach Maß und Mitte menschlicher Würde, die Rückbesinnung auf das Menschenbild des Grundgesetzes und die diesem übergeordnete Ordnung, der sog. freiheitlich-demokratischen Grundordnung.


So fallen kritisch-kreative, organisationspolitische Definitionsleistungen vor allem als Justierung der Zukunfts- und Führungsfähigkeit mit notwendigen gesellschaftlichen Transformationsleistungen zusammen: Proaktive Gestaltung innovativer gesellschaftlicher Prozesssteuerung, Aktualisierung und a-priorische Krisen- und Konfliktfazilitierung im Rahmen strategisch-visionärer, politischer Normativität und Legitimationsordnungen. - Folgende drei Themenbereiche bilden dabei die zentralen, substantiellen Potentiale, den intern wie extern wirksamen Transformationsprozess ingangzusetzen und jeweils konsequent zu qualifizieren (kursorisch skizziert):




II.   ‚Aufklärung‘: Aktualisierung, Erneuerung, Sicherung


1   Innovative Formen zur Stärkung individuellen Bewusstseins für Freiheit als Quellcode geistiger, innerer Führung – aufbauend auf den historischen Erfahrungen des „äußeren“ Freiheitskampfs: Rückgewinnung individueller Handlungsfreiheit aus innerer substantieller Reflexion und ethischer Begründung äußerer Entwicklungsspektren und ihrer qualifizierten Beherrschung gemäß identischem, vernünftigem Denken und emphatischem Fühlen.


2   (Innere) Freiheit also als geistig geführter Emanzipationsprozess von den formalen Bedingungen hin zu den Determinanten individueller wie gesellschaftlicher Umsetzung: Diese Emanzipation ist nach wie vor ein offener Prozess der „Vollendung“ sowie zentrale Determinante künftiger gesellschaftlicher Entwicklung. Die äußere wird zur Konsequenz der inneren Freiheit, Wahrhaftigkeit, Integrität, Transparenz, Identifikation, Verifikation.


3   Daraus ist nicht nur eine angemessene Kultur- / Bildungspolitik und Rückverlagerung in gesellschaftliche Prozesse abzuleiten, sondern umso mehr die geistige Qualitätssicherung im Bereich politischer Führungs- und Personalentwicklung; „Benchmarking“ insbesondere auch intellektueller wie menschlicher Kapazität / Exzellenz als konstitutive Bedingung staatlicher Verantwortung im Rahmen der Bevollmächtigung: Selbst- wie Gesamtreflexion und Urteilskraft – unabhängig von formalen wie inhaltlichen (macht-) politischen Positionen, Ideologien und halbwertzeitigem Herrschaftswissen.


4   Mit „aufgeklärter“ politischer Führung zu verbinden ist die De-Ökonomisierung sowie De-Materialisierung und De-Monetarisierung des gesellschaftlichen Leistungsbegriffs als menschengerechte Qualitätsgenerierung von Interaktionsprozessen in innovativ-kreativen Kooperationsgesellschaften. So wird vor allem eine ethische Normativität erzeugt, die ein überzeugender, zukunftsfähiger Gegenentwurf ist zu: quantitativ-technokratischem Nihilismus, autoritär-diktatorischer „Gleichbehandlung“, schleichender Aushöhlung vormals freier Gesellschaften hin zur „Demokratur“. Die politische Führung wird dann Staatlichkeit wieder als Bevollmächtigung freier Gesellschaften und Prozesse begreifen und diese verantwortungs- wie zukunftsgerecht koordinieren - schlank, kompetent und kreativ-visionär.


5   Der „physische“ Resonanzraum von Gesellschaften wird also wieder mit der Metaphysik rekonnektiert, zugleich als prioritäre Quelle von „Produktivität“ privilegiert verstanden. Nicht mehr der formal agierende Egozentriker auch politischer Macht, sondern der transpersonale Mensch steht im Mittelpunkt: Verantwortungs- und Diskursethik statt reine Nutzen- und Konsensethik, Bewusstsein und Sein statt Haben, Freude statt Angst, Selbst- statt Fremdbestimmung, kreative Beherrschung statt „Verelendung“, freie Gestaltung statt Kompensation, Qualität statt ausschließlich Quantität – wenn und soweit vor allem politische Führung begriffen ist als „Führen durch Vorbild“ (Gandhi).




III.   FDGO, Parlamentarismus, Föderalismus (D und EU)


1   Nach bald 75 Jahren deutscher Verfassungsrealität auf Basis des GG und ‚Deutschland in Europa‘ ist eine Analyse insbesondere auf die gewollte Zukunftsfähigkeit hin anzusetzen: Sind die grundsätzlichen politischen Funktionalitäten nach wie vor in Kohärenz und Konkordanz mit den Normativfunktionen des Grundgesetzes, vor allem aber mit der sog. ‚freiheitlich-demokratischen Grundordnung (fdGO)?


2   Diese Analyse und Evaluation ist maßgebliche Voraussetzung programmatischer organisationspolitischer Einordnung und Zukunftsjustierung politischen Willens. Normativ-, Ordnungs- und Legitimationsfunktionen sind zentrale Säulen strategischer politischer Führung, tagespolitische Anforderungen sind damit in Ausgleich zu bringen und nicht umgekehrt: Die Ableitung von Normativität und Legitimation aus der (unterstellten) politischen Realität beschreibt den fließenden Übergang zur „Demokratur“. In hoch-alerter Wachsamkeit ist dies abzuwenden und zu neutralisieren, wenn die Parameter der fdGO ebenso als Handlungsparadigmen etwa auch im Falle von Krisen und Konflikten indisponibel sind und ausnahmslos Geltung verschafft wird. Denn in jeder tagespolitischen Re-Aktion trägt strategisch normativ nur der gerichtete Aktionsanteil, der die fdGO widerspiegelt.


3   Die Politikanalyse ist zuerst im Bereich des Parlamentarismus aufzusetzen. Nicht nur das schlüssige, konsequente Funktionieren von Gewaltenteilung oder/und Fragen der repräsentativen / direkten Demokratie (etwa Mischformen) sind tatsächlich auf ihre Zukunftstauglichkeit nach Maßgabe von fdGO und GG zu prüfen. Etwa auch die sog. Fraktionsdisziplin als mögliche Paralyse der individuellen Gewissensentscheidung ist dabei zentral. Vor allem aber sind die Parlamentarismus-funktionen im Rahmen der deutschen EU-Mitgliedschaft eingehend mit den Parametern der fdGO zu korrelieren:

Das europäische Demokratiedefizit durch „Leerläufe“ bzw Vakua der Legitimation im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit – letztlich aktuell eine rein intergovernmentale Koordinierung „europäischen Regierens“ – kann im Sinne einer integrierten europäischen Zukunft auf der Basis parlamentarischen Regierens nur durch das endgültige Wollen und Umsetzen von europäischer souveräner Staatlichkeit gelöst werden:


4   Eine Föderation der „Vereinigten Staaten von Europa“ mit umfassender Souveränität jedenfalls nach dem Vorbild der Bundesrepublik Deutschland hat dann eine Zukunft, wenn der bisherige europäische Parlamentarismus erheblich modernisiert und verfassungs- wie rechtsstaatlich angepasst wird: durch die Einführung eines Zweikammersystems etwa nach französisch-deutschem Vorbild. Zum direkt gewählten EU-Parlament (mit freiem Mandat) ist ein EU-Senat zu etablieren (auf Basis einer Charter bzw Verfassung), dann mit direktem Mandat analog zum US-amerikanischen Typ auszustatten. Die Basis des EU-Senats bildet das ‚Europa der Regionen‘; ihre Vertreter/innen / Senator/innen konstituieren sich vor allem aus der engagierten Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kultur und nachrangig aus Vertretern politischer Parteien. Nur so ist eine auch reale politische Macht der EU zu erzeugen. (siehe Anlage, gesonderte Einführung zu eropäischem Regieren: EU Senat)


5   Bezogen auf die weitere, dann essentiell vertiefende Entwicklung Europas, ist durchaus geeignet davon auszugehen, dass erst die vollständig fdGO-sichernde Etablierung eines europäischen Parlamentarismus – eben mit 2. Kammer: EU-Senat – eine zeitgemäße wie zukunftsfeste europäische souveräne Staatlichkeit auch machtpolitisch gewährleisten wird. Bis heute haben sog „spill-over-Effekte“ und letztlich nur Druckpositionen von außen zu europäischen Einigungsschritten / Semi-Kohäsion geführt.

Ein umfassend vollendetes Ganzes ‚von innen‘ mit allen rechtsstaatlichen Funktionalitäten, diese Entwicklung der EU zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ steht nach wie vor aus. Die Bundesrepublik Deutschland ist hierzu aus der Mitte und föderalen Historizität ihrer fdGO berufen, diesen Prozess als treibende Kraft zu erzeugen und nachhaltig zu effizientem wie qualifiziertem Erfolg zu führen.

Der erste Schritt ist also die verfassungsbasierte Einführung eines ganzheitlich europäischen Parlamentarismus. Das setzt voraus, die semi-europäische Faktizität emanzipativ und kreativ zu überwinden, einen Quantensprung innovativer Qualifizierung endlich anzugehen. In voller Konsequenz bedeutet das zugleich, dass die fdGO-basierten Vereinigten Staaten von Europa nicht mit der EU identisch sein müssen, sondern sich daraus im Rahmen der bestehenden EU Vertragsmechanismen („verstärkte Zusammenarbeit“ und „unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit“) konzentrisch weiterentwickeln und konstituieren. Die deutlich zunehmende Zentripedalität der EU wird durch diese Integrationsleistung endlich transformativ gewendet in die erforderliche föderal basierte Zentralität und zur Zukunft öffnende, reale Kohärenz von innen.



IV.   „Coopetition“: Transition zu ‚Integraler Marktwirtschaft‘


1   Die ‚Soziale Marktwirtschaft‘ ist das mit Abstand größte Erfolgsmodell deutscher wie internationaler Gesellschaften: freier Wettbewerb auf Basis eines sozial verpflichteten gesellschaftlichen Leitbildes zur Sicherung des Ausgleichs von Freiheit und materieller Gerechtigkeit. Der Sozialstaat wurde das „Synallagma“ des Rechtsstaats und damit zugleich ein zentraler Mechanismus zur Bestandssicherung des sozialen Friedens als „Unterbau“ der fdGO. Dieses Equilibrium zwischen Kapitalismusfunktionen und sozialer Eigentumsbindung, zwischen individueller Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ist die Raison d’étre einer humanistischen Gesellschaft, zugleich ist die Entwicklung daraus erzeugter Realität kritisch auf notwendige künftige Transformationspotentiale hin zu prüfen:


2   Es ist also zu fragen: Ist der sog. starke Staat vor allem der kapitalstarke Sozialstaat? Sind dafür notwendige bürokratisch-technokratische Wirtschaftslenkung und Überdehnung von staatlichen Interventionen zukunftsfähig? Ist das individuelle Wirtschaftssubjekt als gesellschaftliche „Kernkraft“ noch teil abwägender Gerechtigkeitsfindung? Ist die Übernahme von materieller Verantwortung durch den Staat in bestehendem Ausmaß kompatibel mit der fdGO? Hat sich die Mehrheitsgesellschaft in einer paternalistischen Staatlichkeit eingerichtet, die über das Maß der Bevollmächtigung hinaus die weitgehende Verantwortung übernommen hat? Welche Art der Verteilungsgerechtigkeit umfasst die legitime staatliche Vollmacht? Vor allem aber: Wie ist eine der fdGO gemäße Normativität von Ordnungsmacht (staatliche Eingriffe und Interventionen in der marktwirtschaftlichen Ökonomie) zu legitimieren? Was ist das Grundmaß fdGO-gerechter Selbstverantwortung?


3   Verteilungsgerechtigkeit (bzw. Chancen ihrer Generierung) funktioniert nur im Rahmen einer Gesamtgerechtigkeit. Dieser gesellschaftliche Abwägungsprozess kann sich erfüllen, wenn Freiheit als Raum der Determinanten, Sicherheit als Raum der existentiellen Bedingungen begriffen wird. So ist auch materielle Sicherheit eine Bedingung der Freiheit, nie aber ihr Grund. Denn Freiheit bestimmt Sinn und Maß der Sicherheit und steuert die freien, kreativen wie innovativen Potentiale von Individuen und Gesellschaften. Dann erst kann Gerechtigkeit, so auch Verteilungsgerechtigkeit, entstehen.

Im Rahmen der fdGO ist der Staat Bevollmächtigter zur Ordnung der Rahmenbedingungen oder/und Wirtschaftssubjekt im Bereich der Infrastruktur. Die Verteilungs- auch als Leistungsgerechtigkeit regelt vor allem der Markt, daher wurde die soziale Marktwirtschaft zur direkten systemischen Entsprechung der fdGO auch im Bereich der Ökonomie/Ökologie.


4   Zugleich ist erkennbar, dass die extrem erfolgreiche soziale Marktwirtschaft eine zumindest besitzbürgerliche Saturierung bedingt, die zunehmend fortschritts- und innovationsgefährdend wirkt. Durch die Bestandskraft des Materiell-Faktischen sind gesellschaftliche Herausforderungen der Innovation, Umweltgerechtigkeit und Digitalisierung zumal vor dem Hintergrund der Globalisierung nicht zu leisten. Materiell gegründeter Egoismus und technokratisch-quantitative „Genügsamkeit“ – stabilisiert durch grassierenden Bürokratismus – bewirken das Gegenteil von Zukunftsfähigkeit und -festigkeit.

Wille und Vorstellung‘ von Zukunft brauchen aber unabdingbar gewollte, gezielte Schöpfungskraft und gesellschaftliche Freiräume, um die individuellen freien Leistungspotentiale auch tatsächlich als treibende Kraft umfassend nutzbar und verfügbar zu gewährleisten. Insbesondere jedenfalls in den Bereichen Umwelt/Energie, innere/äußere Sicherheit, Versorgungssicherheit/Gesundheit sowie Digitalisierung (KI) sind systemische wie strukturelle Fehlentwicklungen und Nachholprozesse dringend und nur in Quantensprüngen freier Produktivität und menschlicher Intelligenznutzung in offenem wie transparentem gesellschaftlichem (Wissenschafts-) Dialog zu transformieren.


5   Die dafür erforderliche schöpferische Fähigkeit ist in einem angemessen politisch geführten, zugleich gesellschaftlich fazilitierten Prozess der Qualifizierung, De-Monetarisierung und – damit einhergehend – adäquater Humanisierung von Interaktion und Leistung zu erreichen. Gegenprobe: Die Zukunft autoritär / diktatorisch geführter Gesellschaften ist nicht zu sichern, da kreative (Anpassungs- und Fortschritts-) Dynamiken zuerst des individuellen Menschen versagt sind.

Freies wie soziales Wirtschaften ist aus der traditionellen Polarität – Arbeitgeber / Arbeitnehmer – der Sozialpartnerschaft zu transformieren; ähnliches gilt für ‚Produkt versus Konsument’, um Produktivität insbesondere als kreative Lösung und Leistung zu begreifen. Wettbewerb ist nicht nur Konkurrenz, sondern ist gemäß der marktwirtschaftlichen Grundidee als kooperatives „Dienen“ auch im Sinne gesellschaftlicher Wohlstandsgenerierung mit nachhaltig schöpferischer Kapazität und als solches „einzupreisen“. Die konsumtive Logik von ‚Konkurrenz‘ hat die Lösungsqualität und die Leistungsbedingungen sowie ethisch relevante Einordnungen mit zu umfassen. Diese Systemlogik entspricht vor allem dem menschlichen Bedürfnis nach Verbundenheit, eben frei zu kooperieren und sich lösungsgeleitet zu vernetzen (regional wie global, analog wie digital): „coopetiton statt competition“!


6   Dieser Prozess „aufgeklärter“ Humanisierung (vgl. I) insbesondere in den Arbeits- und Dienstleistungsbereichen ist „von oben“ als ethische Qualität politisch führend zu fazilitieren – nachhaltig, unideologisch, unter Verzicht auf „Denk“-Moden und nach Maßgabe der Vernunft.

Nachdem der Mensch seit einigen Jahrzehnten in das sog. Anthropozän eingetreten ist (der Mensch als weitgehend entscheidende Gestaltungs- und Wirkmacht auf „seinem“ Planeten), sind die Anforderungen an seine (Selbst-) Verantwortung exponentiell gestiegen. Primär geistig-kreative Leistungspotentiale und Klugheit erfüllen die Voraussetzungen, diese Herausforderungen als Lebens- und Interaktionsprozesse zu beherrschen. Diese Geistpotentiale sind weder durch sog. Künstliche Intelligenz zu ersetzen noch eine Art Luxus besitz-/ bildungsbürgerlicher „Ästhetik“, sondern zur non-konditionalen Bestimmung menschlichen (Über-) Lebens geworden. Eine weitere/längere Subordination dieser Erkenntnis ist fatal und verwirkt die realistischen Chancen auf eine human geprägte Zukunft.

Die (Re-) Konnektierung des „Überbaus“ mit dem „Unterbau“ ist dringend zu leisten und ihre Polarität durch Integration zu überwinden. In diesem Verständnis ist die soziale zu einer ‚Integralen Marktwirtschaft‘ weiter zu entwickeln, und auch das Wirtschaftssubjekt als Ursache und Wirkung konsequent als Mensch zu begreifen. Dafür ist es notwendig, eine normative Ordnung zu entwickeln, die dann als innovative, zukunftsweisende Qualität in professionellen, gesellschaftlich geleiteten Politik-Wirtschafts-Dialog-Prozessen „von oben“ einzuleiten und zu kommunizieren ist.




V.   Empfehlungen


Als Konsequenz aus „Prüfstand“, Evaluation und Erkenntnis ist zugleich auch die nicht nur arbeitsmethodische, sondern auch grundsätzliche Frage der Qualitätssicherung politischer Führungsprozesse durch a-priorische Reflexion und strategische Korrelation realer Entwicklungen zu beantworten.

Regieren ist in der Regel – im nationalen wie internationalen Rahmen – immer auch Beherrschung tagespolitischer Anforderungen. Damit ist dennoch Regieren zumeist auf Reagieren reduziert: Die Normativität des Faktischen reguliert. Dagegen erzeugt Reagieren erst dann Regieren, wenn die Re-Actio mit strategischer Actio (oder Non-Actio) direkt verbunden ist. Die Actio beschreibt die innere Qualität treibender Kraft, die Determination, frei wie souverän den tagespolitischen Anlass zu nutzen, zu repräsentieren, um strategisch politisches Regieren zu forcieren – mit demokratisch gebotener Folgeabwägung und Konsequenz, Transparenz und normativer Legitimation.

Diese determinierte bzw die (von innen) Anlässe schaffende Art qualifizierten Regierens sichert und entwickelt reale demokratische Prozesse. Dieses Bewusstsein guter Führung, guten Regierens nachhaltig zu entfalten und qualitativ zu gewährleisten, dafür werden folgende organisationspolitische Empfehlungen vorgeschlagen – in Anlehnung an die oben aufgewiesene Themenführung:

Nach Vorbild eines Think-tanks sollte – Präsidium und Vorstand direkt berichtend – ein jeweiliger Beirat im Sinne einer ständigen Expertenkommission für kurz- wie langfristige Politikempfehlungen (Inkl. Folgeabschätzung und Frühwarnung etc.) begründet und eingerichtet werden:



Ethik-Kommission 

Gewährleistung ethischer Legitimation und Sicherheit,

Qualifizierung von Freiheitsprozessen, gutes Regieren



EU Integrationsbeirat

Parlamentarismusreform, Gründung eines EU-Senats, 

EU Governance (siehe Anlage)



Integrale Wirtschaftskommission 

Reformprozess und Fazilitierung der Weiterentwicklung

der Sozialen zur sog ‚Integralen Marktwirtschaft‘







© 03-2022  N O M O I  INSTITUTE | J MICHAEL HEYNEN | DIRECTOR

H E A D - HOLISTIC ETHICS ADVISORY & ADVOCACY

https://nomoi.webnode.com/








Freitag, 26. Juni 2020

ZUR INSTUTIONALISIERUNG NEUTRALER UND UNABHÄNGIGER VERIFIKATION UND VALIDIERUNG EUROPÄISCHEN REGIERENS





Reflexionspapier zur Gründungsinitiative einer


EU VERIFICATION AND VALIDATION AGENCY | E V A





Autor: J Michael Heynen IRC
Integral Regime Counseling






Auch in europäischen, demokratisch verfassten und regierten Staaten hat das staatliche Präventions- und Krisenmanagement zur Eindämmung der Corona Pandemie nolens/volens zu starken Grundrechtseingriffen und massiven Regulierungen gesellschaftlicher Lebenswelten geführt. Teilweise Überforderung, fehlende Medikation, widersprechende wissenschaftliche Analysen, nicht hinreichende Plausibilität der Datenerfassung usw. hatten einen generellen, gesellschaftlich unspezifizierten Lockdown zur Folge.

Für die existentiell eingeschätzte, kollektive Sicherheitslage wurde die Freiheit individueller Interaktion potentiell unangemessen bzw. weitgehend undifferenziert eingeschränkt. Insbesondere auch die kontra-integrative Notfallregelung des internen EU-Grenz-Regimes hat den Rückfall in nationale Alleingänge bestärkt statt (Ausnahmen in Grenznachbarschaften) aus gegenseitigen Hilfs- und optimierenden Lernprozessen die Pandemie-Abwehr europäisch-solidarisch zu lösen. Nationale Alleingänge wurden – die Flüchtlingskrise von 2015 ff. weit übertreffend – zum panikartigen Reflex.



Diese „Corona“-Indikationen offenbaren allerdings nicht nur die Anamnese der EU Integration, sondern auch des politischen Systems. Zunächst schleichende, zunehmend offen identifizierbare gesellschaftliche Zweifel an der Legitimität und Wahrhaftigkeit, damit an der Integrität staatlichen Handelns sind klar profilierbar. Ob begründet oder nicht, ob rein emotionale Krisenreaktion oder irrationale egomanische Projektion von Minderheiten (Rettung in „Verschwörungstheorien“ oder „apokalyptische Welterlösung“), diese weit- wie tiefreichenden Zweifel sind wohl endgültig als strukturell einzuordnen und also als offenkundig systemrelevant wahrzunehmen und zu identifizieren.

Ebenso ist vor allem zu erkennen: „Corona“ ist nicht nur Anlass/Auslöser, sondern zugleich Katalysator schon länger separierender und zentrifugaler Prozesse in/zwischen den europäischen Gesellschaften und ihrer jeweiligen staatlich organisierten „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ (FDGO). Denn die schleichende Entfremdung zwischen Staaten und den sie tragenden Gesellschaften bezieht sich nicht nur auf die personale Kompetenz und Professionalität des Führungspersonals, sondern auf die weitgehend unmögliche Vermittlung hoch-komplexer Politikprozesse auch als Folge von „neuer Unübersichtlichkeit“ (J Habermas, 1996) sowie globaler Interdependenz und ihrer exponentiellen wie ungeregelten Vertiefung. Und umgekehrt proportional dazu sind die Empfängerhorizonte und intellektuelle Erreichbarkeit „der Betroffenen“ stark abgeflacht. Regierende und Regierte sind offensichtlich nicht (mehr) verbunden.

Dies ist insbesondere an Themen/Politikfeldern wie (EU-) Außen- und Sicherheitspolitik, Künstlicher Intelligenz und Datenschutz, Umwelt und Energie usw. und aktuell - akut ins Existentielle gesteigert – in Medizin und Gesundheitspolitik festzumachen. Europäische politische Partizipationsstrategien haben weitgehend nicht verfangen. [Argumentation und Agitation europaweiter Gegner freiheitlicher Verfassungsstaatlichkeit westeuropäischer Tradition geben darüber weiteren Aufschluss.]


Corona“ ist also – konstruktiv gewendet – Provokateur, Facilitator von Reform und Innovation, „driving force“ eines „new normal“: Politische Information und Kommunikation, politisch-institutionelle Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse und Regierungs-funktionen sind nachhaltig wie konsequent zu professionalisieren und zu qualifizieren. Den substantiellen Minimalanforderungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist non-konditional zu entsprechen durch nachweisliche, umfassende Integrität politischen Planens und Handelns zur überzeugenden Wiederherstellung hinreichenden Vertrauens des Bürgers in seine jeweilige und europäische Staatlichkeit! Dies ist weder zu kompensieren noch zu sublimieren: Denn während die politischen Akteure die essentiellen Bedingungen und Konsequenzen ihres Handelns bestenfalls nachvollziehen können und lediglich noch administrieren, ist der „Voll-Macht“ erteilende Bürger aktuell mehr denn je auf blindes Vertrauen angewiesen. Und ist so ihr Schweigen Zustimmung?



Zur aktualisierenden Einordnung: Eine parlamentarische oder monarchische Staatlichkeit, auf der Basis freiheitlich-demokratischer Grundordnung verfasst, verfügt über die Bedingungen ausschließlich beliehener Macht. Diese Macht fußt auf gesellschaftlicher Legitimation: formal (Wahlen), aber vor allem essentiell gespiegelt in entsprechendem Regierungshandeln. Substantielle Legitimation ist jeweils zu entwickeln und stets dynamisch proaktiv zu erneuern, basierend auf Kompetenz und Evidenz, Kongruenz und Transparenz des Regierens, also idealer Weise auf Gewaltlosigkeit, Richtigkeit und Authentizität, rationaler Urteilskraft und Widerspruchsfreiheit, Plausibilität und Wahrhaftigkeit. Gleiches gilt für sämtliche Legislativfunktionen sowie für die Gesamtheit regierungspolitisch relevanter Wirkmacht, also vor allem für gesellschaftliche Diskurse und öffentliche Willensbildungsprozesse.

So ist nicht das System als solches zu befragen, aber der politisch-institutionelle Umgang damit kann die toxische Weiterung hin zur Systemparalyse konstruktiv/transformativ entscheiden: durch professionelle Wahrnehmung und Gewährleistung essentieller Legitimation. D. h. Regieren ist, gekoppelt an institutionelle wie personal identifizierbare Verantwortung, substantiell an der systemimmanenten (FDGO) Richtigkeits-, Integritäts- und Gerechtigkeitsfrage professionell und nachhaltig auszurichten, um Vertrauensstiftung und Überzeugungsleistung evident zu vermitteln.

Staatliche Verantwortung als überzeugendes Regierungshandeln wahrzunehmen heißt daher vor allem, die Syndikation hoch-komplexer Verfahren, Funktionen, Interessen und Willensbildung jedenfalls zeitnah a-posteriorisch, besser: a-priorisch mit unabhängigen, neutralen Erkenntnisprozessen der Verifikation und Objektivation zu korrelieren und zu klären. Analog zur Judikative als rechtsstaatlich-systemischem Rechtsinstrumentarium sind Legislative und Exekutive als zentrale Instrumentarien europäischen, demokratischen Regierens an der prinzipiellen Richtigkeit politischer Planung und Umsetzung zu referenzieren, um damit ein „post-coronales new normal“ zu konstituieren und institutionelle Vertiefung mit Zukunftsfähigkeit auszustatten: Proaktive Exzellenz europäischen Regierens als Synallagma „blinden Vetrauens“ der Regierten!



In Konsequenz vorstehender Reflexion wird daher empfohlen, als Gründungsinitiative wie folgt aufzunehmen und zu prüfen: Die Etablierung einer ‚EU Verification and Validation Agency - EVA‘ als einer Art ständigen neutralen und unabhängigen „Ältestenrats/Notariats“ zur Verifikation und Validierung von politischer Information und Kommunikation, von institutionellen Entscheidungs- und Handlungs-prozessen sowie regierungsrelevanten gesellschaftlichen Meinungs- und Willensbildungsprozessen.

Eine Institutionalisierung dieser Funktionalitäten dürfen, wollen und können freilich Regieren nicht ersetzen, zugleich jenseits tagespolitischer Bedingungen und parteipolitischer/ ideologischer Actio/Reactio substantiell qualifizierend darauf einwirken und objektivierende Sicherung von Legitimation gewährleisten. Dabei sind Neutralität und Unabhängigkeit - personal wie institutionell - conditio sine qua non und grundsätzlich analog zur obersten Gerichtsbarkeit sowie als ausschließlich der verfassungsstaatlichen Systemfunktion (FDGO) verpflichtet zu verstehen.


Mit Einführung und konsequenter Nutzung von ‚EVA‘ durch Einsatz entsprechender Prüfungsverfahren können die erforderlichen Ursachen gesetzt werden,um grundsätzlich folgende Wirkungen zu erzielen:

Geistig-kognitive Rationalitätsprüfung, Korrelation/Ableitung gemäß Denkgesetzlichkeit und jedenfalls angemessener Urteilskraft zur Beherrschung von aktuellem wie zukunfts-gestaltendem Regieren, klärende Bewusstseinsentfaltung, daraus ethische Rück-kopplung/Reflexion hin zu a-priorischer Erkenntnis, strategischer Beherrschung prinzipieller systemischer (auch Krisen-/Konflikt-) Anforderungen sowie a-posteriorisch lernender Konsequenz, Entwicklung kluger Beherrschung von Macht und transpersonaler Führungskapazität,

Korrelation von politischem/staatlichem Interesse und Vernunftbezug, Schlüssigkeit („rational basis/relationship review“ etc.), Klärung von Plausibilität bei Spekulation und Interpretation, Evaluation und Erhöhung ganzheitlich abgeleiteter Kongruenz, Rahmen setzende Priorisierung und Entscheidungseffizienz, Rückhalt und Rückversicherung zur „Richtigkeit“ bei wertungsabhängigen Entscheidungen und zu kommunizierender Rechtfertigung/ Begründung, Reduktion „modischer“, tagespolitischer Wirkungsmodalitäten auf Basis weitgehend gesicherter Erkenntnis,

im Falle evidenter Fehlentwicklungen (Referenz: FDGO), irrational geprägter gesellschaftlicher Prozesse und Innovationsblockaden Steigerung von Harmonisierungs-potentialen, Dynamisierung von Optimierungs- und Anpassungsmechnanismen, Klärung und Objektivation, bezogen auf Schlüssigkeit und Wahrhaftigkeit, Fact-Checking, False Balance und Fake News Überprüfung, Prüfung von Identität und Verantwortung, Authentifikation, Evidenz, Versachlichung und Konzentration regierungsrelevanter, öffentlicher Diskurse,

normative Parametrisierung von ‚good governance‘ und Transparenz grundsätzlich gerechten Regierens, gesicherte Überzeugung auch als deeskalierende Ausgleichsfunktion von Interessen und Positionen, Reduktion von übertriebener Komplexität, Facilitation qualifizierender, substantieller Wahrheitsfindungsprozesse, Auf-/Ausbau der Diskurs-grundlagen zur Internalisierung zwischen Regierenden und Regierten, Rückverbindung sowie Reduktion der Asymmetrie gemäß „Pincipal-Agent-Dilemma“,

interdisziplinäre Syndikation wissenschaftlicher Expertise, Folgenanalyse, zuverlässige Voraussagequalität, gesicherte Grundlegung proaktiver strategischer Politikgestaltung bzw. Parametrisierung objektivierender Monitoring- und Anpassungsverfahren, Due Dilligence | Compliance, Angemessenheitsprüfung staatlicher Intervention, Erhöhung der Transparenz und Referenzwirkung bei der Begründung und Information/Kommunikation von Regierungs-handeln auch als Teil gesamt-systemischer Kausalzusammenhänge, . . .



Hier abschließend: Der anarchische Zustand des internationalen Systems und die politischen Diffusionsprozesse in der europäischen Staatenwelt sind durch die Corona-Krise weiter ausprofiliert worden. Sogar „neutrale“ empirische/naturwissenschaftliche Aussagen waren/sind nicht hinreichend geeignet, das legitime Sicherheitsbedürfnis der Bürger zu befriedigen. Eben diese Sicherheit ist aber minimale Bedingung ihrer Freiheit und Bevollmächtigung. Also bedarf es prinzipiell nachhaltiger Stabilisierung der Systemimmanenz durch hoch-wirksame, qualitative wie (auch methodisch) effiziente Politikinnovation. Und diese liegt, wie dargelegt, in der Objektivation und Schlüssigkeit transparenten, dynamisch transformativen Regierens. So bewirkte Integrität schafft die Voraussetzungen, das Vertrauen der Regierten, damit zugleich die substantielle Legitimation der Regierenden wieder herzustellen und dem System-Telos grundsätzlich wie tatsächlich zu entsprechen.

In einem derart gestalteten, nachhaltig angelegten, objektiviert erfahrbaren Prozess kann zwischen Regierten und Regierenden idealerweise ein auch gegenseitiges Vertrauen (wieder) entstehen: Innere Emigration wird gewendet in Rückverbindung, System-Identifikation und angemessene Partizipation. Der öffentliche/politische Raum ist dann ein der Menschenwürde adäquates Equilibrium, in dem das Regieren jeweiliger Staatlichkeit die Entfaltung des sich weiter entwickelnden Individuums als souveräner Instanz freien Selbst-Regierens proaktiv gewährleistet.




© J Michael Heynen | Heynen Consult I R C
Integral Regime Counseling |  Baden-Baden im Mai 2020