Sonntag, 2. März 2025

HOMO GENESIS

 



WER IST HOMO GENESIS?


Führung in der Transition: Von der Entropie zur Syntropie




Essay von J Michael Heynen




Die Entwicklung der Menschheit beschreibt aktuell die Indifferenz im Rahmen eines paradigmatischen Übergangs, einer Zeitenwende zwischen traditioneller und Neujustierung der Grundlegung menschlichen Seins. Hergebrachte Orientierungen und Normativität – soweit noch valide wahrnehmbar - lösen nicht mehr bzw lösen sich auf. Und innovative Visionen sind noch ohne Halt und Gründung, das gilt vor allem für kompensierende Fluchtprojektionen in trans- oder/und posthumane Ersatzräume. Globale Krisen indizieren Änderungsprozesse und notwendige Transition - aktuell noch ohne Leitbild und in aberrativer Schein-Beherrschung aus der Immanenz des Realen. Hat also der Mensch als Homo Sapiens die Gegenwart betreten und wird jetzt als Homo Genesis in die Zukunft seiner Zivilisationen entlassen? Die heutige Evolutionsbewegung beschreibt eine Art kopernikanische Wende und erfordert einen Quantensprung: aus der Mitte des individuellen Menschen Selbst, aus dem Bewusstsein des Subjekts!


Die bisherige Evolution des Menschen war im wesentlichen basiert auf äußere Räume der Bio- und Geosphäre. Heute, im Anthropozän, hat sich diese Entwicklung aus der Immanenz der Schöpfungslogik des äußeren Universums prinzipiell erschöpft. Jetzt bedarf es der kondensierenden, konzentrischen Expansion menschlicher Evolution als Introversion, als Emanzipationsprozess hin zu innerer Führung aus der Suprematie des Bewusstseins, des Geistes. Der so ko-kreative Mensch kann die seit längerem einsetzende Entropie umkehren in die konstruktive Kraft der Syntropie als Paradigma öffnender Gestaltung seiner Zukunft. Der Regress des Objekts wird so invers gewendet in die expansive Verinnerlichung des Subjekts und die Bestimmung aus der Immanenz seines inneren Universums. So führt der individuelle Mensch das Ob und Wie seiner eigenen wie gesellschaftlichen Parameter einer Zukunft – paradigamtisch gewendet: aus dem immateriellen Überbau in die Beherrschung des materiellen Unterbaus ...


Dieser Mensch, der Homo Genesis, ist kein Übermensch, also Humanoid oder Transhuman, umso mehr aber transpersonal, ein humanes Wesen, ein Kulturmensch. Denn er emanzipiert sich aus der äußeren Egozentrik hin zur Zentralität seines je führenden, abgeleiteten Selbst. Denkende, reflektierende, meditierende, kontemplierende und fühlende Kapazitäten bestimmen seine innere Führung und die radial treibende Kraft seines Seins. Diese ist nicht mehr ego-kompetitiv, sondern Konsequenz innerer unbegrenzter Universalität und Totalität, dann im äußeren equilibriert als gesellschaftliche Kapazität. Mit dieser ins Unendliche geöffneten Schubumkehr verbindet sich das Bewusstsein des Menschen mit der Noosphäre als ewigem Resonanzraum kreativer Individualität und zugleich kosmisch-normativer Universalität. Nach (zu) lange spät-pubertierender Entwicklung tritt die Evolution des Menschen ein in ihre eigentliche Determination, die bedingte Realität aus der bestimmenden Noumenalität zu gestalten und zu beherrschen. Im Selbst des Homo Sapiens ruhen die Gründe und Potentiale der Aktivierung des humanen Menschen, denn der Homo Genesis ist schon länger präsent in ihm und bedarf seiner überfälligen emanzipativen Metamorphose. - Der Homo Genesis kann in einem ersten Durchgang wie folgt charakterisiert werden: ...



Geist verlebendigend, Leben vergeistigend …


autonomes Subjekt, individuell und universell steuerndes Bewusstsein


freier Wille aus innerer (Selbst-) Bestimmung, a-priorisch


klärendes, entwickelndes Bewusstsein und innere Führung aus dem Selbst


metaphysisch, transzendent, noumenal determiniert


kreativ aus freiem Geist, prinzipiell ästhetische Orientierung


Ruhung in der Suprematie innerer Totalität und Absolutheit, Bewusstheit äußerer Relativität


stark entwickelte Eigen- und Fremdwahrnehmung, reflektiert und zugleich intuitiv


Beherrschung der Ursachensteuerung durch antizipierenden Wirkungsbezug (a-priori)


synergetisch statt dialektisch, kooperativ statt kompetetiv, also syntropisch veranlagt


höchste Priorität des Menschen und Menschenliebe


überwundenes Ego als aussengeleiteter Handlungsimpuls, souverän und integer, gesteuert transparent


emanzipativ, transformativ, evolutionär


kommunikativ und equilibrierend (Ausgleich innen - außen, Subjekt - Objekt etc.)


treibende Kraft equilibrierender Innovation individueller-gesellschaftlicher Transition, Innovation


Priorisierung substantieller individuell-gesellschaftlicher Potentiale und Fazilitierung essentieller Evolutionsprozesse zur Gewährleistung von Hominisation und Syntropie


transpersonale Führung (vor allem äußere) zur Koordinierung authentischer, bester humaner Eigenschaften zur expansiven Entfaltung äußerer Freiheitsräumen und kreativer Gestaltungsprozesse


innere und äußere Verbundenheit vor allem mit der Noosphäre im Übergang in Noozän ...



Der Homo Genesis ist kein neuer Mensch, aber ein transformierender Mensch: Das Sein wird aus dem Bewusstsein, also von innen nach außen gelebt. In dieser aktuellen Transitionsentwicklung kommt es zugleich zentral darauf an, dass sich nicht nur das Individuum als Homo Genesis begreift und erfährt, sondern dass sich daraus zunehmend ein verstetigendes kollektives Bewusstsein als Kulturmensch konstituiert. Im Übergang wird dieser Prozess eher als Eliten bzw. Minderheiten basiert erscheinen, da insbesondere jede Art von Über-Ich-Generierung der Masse und ihrer „demokratisch“ quantitativen Verfahren durch Verstand, universelle Denkgesetzlichkeit und also geistige Legitimation auszuschließen ist (Überwiindung eines klassischen Phänomens vergehender Ego-Welten und ihrer kompensierenden Ersatzprojektionen).


Die innere und äußere Führungskapazität des Homo Genesis wird in ständig dialogisch expansiv inspirierender und equilibrierend antizipierender Wirkung überzeugen und weiterentwickelnde Gesellschaften vernetzend durchdringen. Die Freiheitlichkeit und Friedlichkeit wird die Gesellschaftswelten ebenso koordinieren und synergetisch wie syntropisch ordnend organisieren. Diese diametrale Umkehrung menschheitlicher Entropie in eine syntropisch exponentiell qualifizierende Entwicklung ist nicht nur aktuelle Krisenlösung, sondern die Gewährleistung kreativer humaner Zukunft.





© J MICHAEL HEYNEN | GRÜNDER UND PRÄSIDENT DES SENATE OF CULTURES




Samstag, 11. Januar 2025

IMPERATIVE KULTURELLER WELTEVOLUTION

 

Homo Genesis: Zukunft durch Individuation – Equilibrierung - Determination



VON  J  MICHAEL  HEYNEN



Abstrakt


Das vorliegende Essay kritisch-programmatischer Reflexion beschreibt einen konzeptionellen Rahmen über die Imperative zivilisatorischer Transitionsprozesse als individuell-gesellschaftliche, equilibrierende Evolution. Dabei steht die Kategorie innerer und äußerer Welten des Menschen im Mittelpunkt, die gegenseitige Komplementarität von kognitiv-ästhetischer Individuation und gleichzeitiger Universalität als Bestimmung noumenal-transformativer, zukunftsfähiger Weiterentwicklung von Gesellschaften zu identifizieren.



Einführung


Am Anfang war nicht das Wort, sondern Geist und Bewusstsein. Der daraus abgeleitete Wille schöpfte die Energie des Urknalls, das Universum entstand: die äußere Welt, ebenfalls ein Raum des freien Willens. Im Rahmen der metaphysischen, dann physischen kosmischen Gesetzlichkeit wurde in der Folge der Heimatplanet der heutigen menschlichen Zivilisation geschöpft, belebt also von einer führenden Essenz, einer intrinsisch hybriden Essenz, um die gegenseitige Komplementarität von Idee und Realität evolutionär zu beherrschen.

Dieser Prozess sogenannter Equilibrierung gewährleistet, Geist zu verlebendigen, Leben zu vergeistigen – als primäre treibende Energie schrittweiser Transition und Evolution. Leben so begriffen, das forciert die Frage: Ist die heutige Entwicklung des Menschen noch in Kohärenz und Konkordanz mit dieser universellen Entwicklungsgesetzlichkeit? Wer ist der Mensch seiner Zukunft? - Die Korrelation von inneren und äußeren Welten gibt Aufschluss im Rahmen kritischer Selbst-Reflexion hin zur Aktualisierung anstehender Entwicklungspfade zivilisatorischer Transition und Transformation.



I. STATUS QUO : ZEIT UND RAUM


Beginnend mit der industriellen Revolution hat die mesnchheitliche Entwickung spätestens in den letzten fünfzig Jahren ein Zeitalter erreicht, das als Anthropozen bezeichnet wird: die weitgehende Beherrschung des Planeten durch den Menschen.

Komplementär zu dieser Entwicklung setzte eine zunehmende Entgeistigung ein, denn die anthropozenische Beherrschung ist eine im wesentlichen physisch-materielle. Menschen, Gesellschaften und ihre Staaten entkoppelten sich vom Selbst und der Suprematie des Geistes, alloziierten ihr Sein weitgehend im Unterbau als Haben und technisch funktionale Dominanz. Kulturell-geistig bestehende Bindungen und Entwicklungen wichen rein existentiellen Existenzbewältigungen mit endlos scheinenden Ressourcen.

Bei dieser Bewältigung geht es bis heute um privat-öffentlich / oligarchisch-autokratisch konkurrierende Kräfte egozentrischer Profit- und Machtkonzentration unter Maßgabe rein materiell begriffener „Verteilungsgerechtigkeit“. Die anthropozenische Beherrschung hat sich damit – umgekehrt proportional zum äußeren Fortschritt - vom Menschen, von Humanität entkoppelt und die formale Handlungsmacht weitgehend auf die Seite der Systemagenten verlagert. Humane Prinzipalität ist paralysiert.

Dies gilt auch für die im Sinne humaner Politikmodelle und Systeme fortschrittlichen sog. westlichen, demokratisch-rechtsstaatlich verfassten Staaten. Sinn-, transparenz-, kompetenzfreie Regierungsprozesse wahren demokratische Formen und entleeren Gesellschaft und Staat – materiell wie immateriell.

Politische Macht ist auf verwaltende Handlungsmacht formaler Legitimation mit hohem Kontroll- und Bürokratieaufwand reduziert, substantielle Gestaltungsmacht ist das große Vakuum, das mit alten, je variierenden Politikmodellen – zumeist ideologisches Politmarketing und egozentrische Ersatzprojektion – zu befüllen versucht wird. Hoch-komplexe Scheinregulierung und inszenierte Krisen, Konflikte und Kriege camouflieren das strukturelle Legitimationsdefizit und tatsächlich autokratisch-feudalistische Herrschaftssysteme in demokratistischer Manier. Der Mensch wird zur Person, Leben zur Funktion.

Dabei entgeht dem kritikfähigen, aufgeklärten und analytischen Menschen nicht, dass derartige Herrschaftssysteme weder auf der Mikro-, noch auf der Makroebene zukunftsfähig funktionieren können sowie offensichtlich ungeeignet sind, eine menschengerechte Ordnung, geschweige eine Weltordnung zu begründen und dynamisch verstetigend zu etablieren. Irritation, Disharmonie und Desorientierung sind die vorherrschende Konsequenz. Erstarrung durch sich ständig wiederholende antiquierte, dogmatisch-ideologische Machtformate autokratisch-imperialer Scheingröße bewirkt endgültigen Legitimationsverlust, Auflösung im Chaos und schließlich vollständige Paralyse.

Entgeistigung, Entkopplung, Entleerung bedingen Entropie, Verödung und Nihilismus; auch quantitative Beherrschungsversuche durch künstliche Intelligenz werden freilich hier keine Abhilfe schaffen, denn sog. Transhumanismus ignoriert oder negiert die unerschöpfliche Kreativität und kognitive Qualität menschlich-metaphysischer Potentiale. Diese aber gründen im inneren Raum des Menschen, der sich im äußeren Raum aktuell erschöpft hat. Und hier – im inneren Raum – liegen die Quelle und der Grund für zivilisatorische Transition, die einen Quantensprung beschreibt. Denn am Ende ist es immer wieder der Mensch selbst: der Phönix aus der Asche.



II. METAMORPHOSE: INNEN UND AUSSEN


Wer der vorstehenden Anamnese zustimmt, ahnt den Grund des zivilisatorischen Rückschritts: der zunehmende Verlust der äußeren Freiheit als Konsequenz der selbst verschuldeten Aufgabe innerer Freiheit. Jedenfalls in der westlichen Zvilisation kamen die Väter des Freiheitskampfes aus der inneren Bestimmung der Freiheit, um die Bedingungen der äußeren danach zu organisieren und zu ordnen. Die äußere Verfasstheit wurde wesentlich zum Spiegelbild der inneren.

Heute ist die äußere Welt in zunehmender Unordnung, da ihre Bedingungen weitgehend von inneren Bestimmungen entkoppelt oder diese nicht als führende identifizierbar und wirksam sind. Für eine drängend erscheinende Lage der Transition erscheint eine Schubumkehr im Sinne bewusster Willensbildung zur Identifikation und Dynamisierung notwendiger Wechselpotentiale unausweichlich:



1. Innerer und äußerer Raum


Der Neo-Platoniker Augustin hat die Erkenntnis von Innen und Außen vermittelt. Danach ist der Mensch ein hybrides Wesen, in dem innere und äußere Welten zusammen kommen. Und dennoch entfaltet Menschwerdung klar unterscheidbare Bewegungsmodalität je nach Raum, in dem die jeweilige Aktivität zentriert ist: Sein oder Bewusstsein. Innerer und äußerer Raum beschreiben also verschiedenartige Quellen und Potentiale, Lebensprozesse zu aggregieren und Leben zu erfüllen.

Während der äußere Raum den der bedingten und begrenzten Inkorporierung und Materialisierung in der Außenwelt, also den Raum der lernenden Kommunikation, der sinnlichen Erfahrung, der materiell-physischen Lebensbewältigung usw. beschreibt, ist der innere Bereich als Raum sämtlicher Bewusstseinsprozesse zu charakterisieren und wie folgt einzuordnen:

Der innere Raum birgt das entwickelnde, autonome Potential nicht nur der geistigen und seelischen Verarbeitung äußerer Erfahrungen, sondern die sui generis initiierten Determinanten denkender und fühlender Prozesse. Dabei wird das emanzipierende Selbst zum Träger lernenden und wahrnehmenden Bewusstseins, das die treibende Energie der Ideen-, Wesens- und Willensbildung erzeugt und immer wieder und weiter qualitativ skaliert. Verstand und Vernunft helfen dabei, gedankliche Entwicklungen und Ergebnisse als Zwischenschritte zu ordnen, verfügbar zu halten, um sie, einem Regelkreis entsprechend, ans Bewusstsein zurück zu geben und mit Fühlen wie Denken zu korrelieren.

Dieser Prozess ist - als innerer beherrscht - autonom und also die Grundlegung individueller Freiheit, da er der sinnlichen Erfahrung und somit der möglichen äußeren, begrenzenden Beeinflussung vollständig entzogen ist. Im Gegenteil zur äußeren Welt ist die innere nicht an Bedingungen gebunden, also unbegrenzt und für universelle Endlosigkeit und Ewigkeit offen. Die Innenwelt des Menschen ist folglich geeignet, das Absolute, die Totalität seines Selbst zu entwickeln und zu realisieren. Diese innere, gestaltende Realität aus unbegrenzter Imaginierung und Visionsbildung erfüllt und prägt die jeweilige Persönlichkeit, formiert das Bewusstsein einer einzigartigen Essenz. Damit ist auch - analog zum Universum - eine stets expandierende Entwicklungsdynamik geistig-psychischer Identität und Energie beschrieben.



2. Subjekt und Objekt


Mit der Unterscheidung zwischen Innen und Außen vergleichbar, beschreibt die Differenzierung von Subjekt und Objekt die zentrale Funktion eines intelligiblen, wahrnehmenden Bewusstseins des Menschen (in Anlehnung an Karl Jaspers). In der Identifikation des Menschen als Subjekt jenseits der reinen Objektfunktion liegt die emanzipative, unabhängige, somit immer individuelle Bewältigung des Seins – je aus dem einzelnen Selbst, der eigentlichen Menschwerdung gemäß den Potentialen und Dimensionen seiner inneren Welten.

Während das Objekt äußere, verregelbare, quantifizierbare Materialität bis hin zu wissenschaftlicher Objektivation verfügbar hält, ist das Subjekt Träger geistiger und seelischer, fühlender und kognitiv erfassbarer Prozesse inklusive den Dimensionen des Absoluten und der Totalität. Das Objekt bezieht sich auf normierende / normierte Quantität und Bedingtheit, auf Form und Symbol, das Subjekt auf unbegrenzte Qualifizierung / Qualität und Bestimmung, auf Substanz und Sinnstiftung, auf Idee und deduzierten Willen.

Objektivität befragt Beweisbarkeit und äußere, bedingte Wahrheit, die Subjektivität generiert innere Weltbewegung und Vorstellung sowie Prozesse der Entscheidungs- und Wahrheitsfindung. Das Subjektive führt die innere Welt aus Idee und Wille als treibender Kraft, das Objektive bietet materiale Formung und serielle Bedingung existenzieller Umsetzung und Entfaltung.

Subjekt und Objekt beschreiben ein gegenseitig komplementäres Verhältnis, sie zu entkoppeln bedeutet, Geist zu „entkörpern“ und Leben zu „entgeistigen“, seinen Sinn zu entleeren. Und ein Leben ohne Sinn und Sinnlichkeit aus Subjektivität wird „objektiv“, zugleich kalt und nihilistisch, vor allem am wenigsten menschengerecht. Das Subjekt braucht also das Objekt, um Geist zu verlebendigen, und das Objekt braucht das Subjekt, um Leben zu vergeistigen, den Grund und die initiatorische Energie des Bewusstseins, das Sein human zu formen.

Im ablaufenden Anthropozän hat die materiell-technische Beherrschung den Menschen zu fast vollständiger Objektivation verführt. Und transhumane Quantifizierung marginalisiert Gesellschaften zu vereinheitlichten, steuerbaren Massen, die in der Scheinsicherheit des versklavten Kollektivs eine Art von Sein durch Haben ersetzen und „Sinnfreiheit“ kompensieren. Der Mensch wird unter Aufgabe seiner Subjektivität zum Objekt, individuell begründete Freiheit des Subjekts wird zur „objektiven“ Bedrohung des polit-ökonomisierten oder öko-politisierten Systems.

In der Folge hinterlassen Nihilismus, innere Leere und vegetative Existenz eine äußere Welt ohne humane Idee und Imagination, ohne Vernunft und Phantasie – also all das, dessen es jenseits aktueller kleinteiliger Systemrelevanz des Objektiven eben als Voraussetzung erfolgreicher wie zukunftsfähiger Transition so not-wendend bedarf. Diese Einschätzung provoziert die Frage: Wie können Menschen und Gesellschaften diese Sackgasse jeder Art von humaner Weiterentwicklung üerwinden?



3. Individuation und Introversion


Die Lernfähigkeit des Menschen basiert auf Erkenntnis und Erfahrung, letztere kann der Erkenntnis dienen. Zugleich verfügt die Erkenntnis – der Bereich des inneren Raums – über wesentlich weitergehende Dimensionen, die sie unabhängig von der Erfahrung im äußeren Raum stellt und darüber erhebt: die Dimensionen der Kognition, Reflexion, Imagination und Kontemplation sowie Einfühlung und innerer Wahrnehmung als Verfahren a-priorischer Erschließung komplementärer innerer und äußerer Welten.

Aus dem Seinsprozess des Kindes wird das zunehmende Bewusstsein des erwachsenden Menschen entwickelt. Diese Art von Emanzipation – einem Quantensprung gleich – bewirkt die Umkehrung in die Suprematie Geist gestützter Selbst-Bestimmung, die Autonomie des Subjekts, also abhängig von bewusster Erkenntnis Führung und Verantwortung aus seiner inneren Welt zu schöpfen und im Äußeren zu korrelieren und zu kommunizieren. Erst diese Öffnung nach Innen, Introversion, schafft die Grundlegung innerer Führung aus dem Selbst, um dem Absoluten, der Totalität des Inneren des Menschen Raum zu geben und – je bedingt relativierend – im Äußeren zu repräsentieren.

So reift der Mensch zum Individuum, zugleich verstärkt er die Potentiale als freies, kommunikatives Gesellschaftswesen. Und weiter: Der Mensch als Subjekt der jeweiligen Individuation, aus der Unendlichkeit seines Bewusstseins geleitet, ist sich nach außen seiner Relativität in der physisch-materiellen Realität weitgehend bewusst und wählt adäquate Positionen und Prozesse, sich sozial und legitim gesellschaftlich zu verorten. Seine innere Formung wird zum kreativen Impuls, zur Inspiration gesellschaftlicher, gewaltfreier Willensbildungs-, Entscheidungs- und qulitativer Wachstumsprozesse.



4. Equilibrierung und Elevation


Der Mensch wird von der Person zum Menschen – vergleiche oben – durch seine naturhaft angelegte Hybridität: innere und äußere Räume, Transzendenz und geistige Welten mit realen und materiellen zu korrelieren. Bewusstsein und Sein zu verschränken, privilegiert und befreit in die unabhängigen Potentiale universeller Verfügung und Gestaltung. Umso wesentlicher ist die Kapazität des Menschen, das Interface zwischen Innen und Außen, zwischen Subjekt und Objekt – einem Regelkreis vergleichbar – und Lern- wie Lebensprozesse daraus zu begreifen und zu gestalten.

Dieses Verfahren der Equilibrierung ist eine vertikale (Rück-) Verbindung aus und mit dem Selbst des Subjekts. Dabei übernimmt das Bewusstsein die Führung, der Prozess ist zugleich und zuerst ein seelischer. Die Seele, noch Teil des inneren Raums, ist die wahrnehmende Verbindung nach außen, das innen geprägte Auge in die äußere Welt. Imaginierendes, kontemplierendes, schauendes Finden und Lernen verbinden Subjektivität und Objektivität, verbinden innere und äußere Impulse, inspirieren und fazilitieren.

In dieser Art Equilibrierung liegt eine der größten Herausforderungen menschlicher Interaktion zu vermuten, denn innere Totalität trifft auf die Realität, das Absolute auf das Relative, die Bestimmung auf Bedingtheit, der Gestaltungswille des Geistes auf Endlichkeit und Bedingtheit des Physisch-Materiellen. So ist es ein spezifisches Lern- und Leistungsvermögen des Menschen und insbesondere seiner steten seelischen Entwicklung, potentiell gegensätzliche energetische „Aggregatzustände“ anzunähern, adäquat zu koordinieren, integrativ zu balancieren und Ursachen und Wirkungen möglichst transformativ zu harmonisieren.

Für diese Verbindung und transformative Erfüllung steht dem Menschen jedenfalls ein Lösungsweg zur Verfügung: die Dimension der Ästhetik und der Kulturen mit all ihren multiplen Gestaltungs- und Ausdrucksebenen. „Objektive“ Realität wird gebunden und sinnlich sensibilisiert, hohes Bewusstsein ästhetisch geerdet. Das sich erlebende Seelische wird zum dynamisierenden Zwischenraum, vermittelt und moderiert innere und äußere Welten und Wahrnehmungsprozesse zwischen Substanz und Form. Die Verstetigung dieser Equilibrierung führt zu einer Art ständiger Transition und Transformation.

So mutiert das A-Posteriorische zum A-Priorischen und öffnet das Bewusstsein zu einem kreativ wirksamen Subjekt in zunehmend reaktiver Objektivität. Auf diese Weise werden vertikale und horizontale Equilibrierung gekreuzt und emanzipativ fusioniert: das Objekt subjektiviert und das Subjekt objektiviert, also Leben vergeistigt und Geist verlebendigt! Die Mitte, das „arithmetische Mittel“ daraus entstehender Entscheidungs- und Handlungsprozesse des individuellen Menschen wird kognitiv und kommunikativ gehoben und beschreibt eine dauerhaft verfügbare Elevation als Kernelement menschlicher Entwicklungsdynamik: die Begründung des Kultrmenschen.

Die equilibrierende Lösung von Subjekt-Objekt-Unterschieden und Gegensätzen kann der Erfüllung des Menschen dienen, eine Realität aus seinen Träumen und Phantasien, Visionen und Imaginationen zu formen. Dem Kulturmenschen – jeweils aus Freiheitlichkeit und Friedlichkeit – kann so auch gelingen, konkordante Gesellschaftswelten der Humanität zu konfigurieren und zu gestalten, die sich eine adäquate Staatlichkeit verordnen, soweit es einer solchen dann noch bedarf.



5. Freier Wille und Gesellschaften


Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Also umfasst der innere Raum (vgl. oben) die Grundlage der Freiheit, die Ursache des freien Willens. Individuelle Totalität, das Absolute, geläutert durch Geist und Reflexion, Gefühl und Kontemplation, normieren die Bestimmung des Subjekts. Diese ausschließlich inneren Prozesse werden durch adäquate Kommunikation und Verhandlung mit und in dem äußeren Raum verbunden. Die innere Bestimmung wird mit den äußeren Bedingungen korreliert und equilibriert (vgl. oben) auf diese Weise entstehen freie Gruppen, Gesellschaften und unbegrenzte zwischengesellschaftliche Interaktion.

Freilich können Gesellschaften existieren, die sich unter Verzicht auf individuelles Bewusstsein und freien Willen (volonté de tous) ausschließlich aus einem kollektiven Willen (volonté generale) konstituieren. Dabei werden die Bedingungen der Realität zur Bestimmung erhoben, das Sein bestimmt ein begrenztes Bewusstsein, das der sog. Erkenntnis in die Notwendigkeit folgt. Dies kann aus einem letztmaligen Akt freier Wahl resultieren, aber auch auf physischer oder psychisch vermittelter Gewalt basieren. Wenn also die Normquelle ausschließlich im äußeren Raum liegt, wird der innere zum Fluchtpunkt einer geistigen und seelischen Emigration. Die Dominanz des äußeren Konformitätdrucks löst die menschenwürdige Verbindung innerer und äußerer Welten auf und opfert individuelles Sein einer zumeist ideologischen und/oder religiösen Totalität und Verabsolutierung, die im äißeren Raum jeder Legitimation entbehren. Die Ausblendung menschlicher Subjektivität führt zu Versklavung, geistiger Verelendung, Nihilismus, Morbidität und insgesamt zu gesellschaftlichem Verfall; eine Zukunft nach Maßgabe wenigstens menschenwürdiger Existenz ist so wohl unerreichbar (vgl. oben).

Existenz und Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft bedürfen also der Verlebendigung durch Geist und der Geistführung ihrer Entwicklung. In ständiger Equilibrierung sind die Änderungs- und Transitionsprozesse innerer und äußerer Normquellen einzuordnen, zu adaptieren, in Verhandlung auszugleichen und die Willensbildung – aus individueller Freiheit – zu koordinieren. Diese Funktion der Repräsentation formt das Regieren und erzeugt die Staatlichkeit, die sich eine Gesellschaft zur Beherrschung ihrer Lebensbedingungen geben kann, so lange und soweit der kategorische Imperativ (Kant) noch nicht wesentlich erfüllt ist.

Die Staats- und Regierungsform der konstitutionellen Monarchie und insbesondere die der rechtsstaatlichen Demokratie sind besonders geeignet, die Objektivierung subjektiver Gesellschaftsdynamiken zu organisieren und synthetisch zu korrelieren. An dieses Regieren sind allerdings die wohl höchsten Anforderungen gestellt: Maximale Legitimierung zu minimal notwendiger Regulierung, konsequente Förderung individuell-gesellschaftlicher Freiheitsräume, uneingeschränkte Transparenz, personale Integrität und Professionalität. Andernfalls erstarrt Regieren zur Form, entleert die gesellschaftlichen Ressourcen, delegitimiert staatliche Macht und kehrt das durch die Gesellschaft anvertraute und verliehene Machtmonopol des Staates um gegen die Substanz seiner auftragsgemäßen Existenz. Feudal-autokratische Überdehnung staatlicher Funktionen und – vor allem in den Außenpolitiken früh erkennbar – (post-) imperialistische Politiken konterkarieren Freiheit und Frieden gesellschaftlicher Lebensbedingungen. Nach Erstarrung der Staatlichkeit übernimmt dann die Gesellschaft wieder die entleerte Form, um sich substantiell neu aufzustellen. Der oben beschriebene Prozess der Subjekt-Objekt-Equilibrierung ordnet innovativ und stiftet zugleich real legitimierte Souveränität, wenn die a-priorische Erkenntnis vor allem den historischen Prozess einbezieht: Die Gesellschaftsdynamik, aus dem individuellen freien Bewusstsein und Willen geschöpft, gewährleistet zukünftige Entwicklungen in ständiger, equilibrierender innerer und äußerer Transition.

Letztlich kann erkannt werden, dass die Gründe für gutes Regieren und kluge Politik – ebenso für Wirtschaftsprozesse – in der Verantwortung der Gesellschaften und ihrer zukunftsfähigen Verantwortung liegen, bezogen auf Machtkontrolle und vor allem freien Gestaltungswillen. Und diese hängen von einer bewusst und gewollt de-personalisierten, also transpersonalisierenden gesellschaftlichen Führungskultur gemäß universeller Denkgesetzlichkeit ab. Die Equilibrierung des kreativen Spannungsverhältnisses adäquat korrespondierender Essenzen und äußerer Resonanzen schafft die transformierende Synthese menschenwürdiger Verschmelzung von Gegenwart und Zukunft. In diesem Sinne ist der freie Wille des Menschen das Energetikum und die conditio-sine-qua-non seiner ebenso freien Gesellschaften.



III. Zukunftsvision: Zivilisation und Homo Genesis


Wer die aktuelle Weltlage und vor allem die gegenwärtige Menschheitsentwicklung im noch laufenden Anthropozän betrachtet, kann dabei jedenfalls drei Richtungen egozentrischer „Visionsbildung“ feststellen: transhumanistische Projektion, Bedrohungsperzeptionen eines Weltuntergangs sowie das traditionelle Verharren in ideologisch-religiös geprägten Mustern. Sämtliche Versuche dieser Art verkennen dabei jedoch wohl auch vorsätzlich die Zentralität des Menschen für seine Zukunfts-entwicklung. Oder sollte sich der Mensch im Laufe des Anthropozän weitgehend seiner selbst entfremdet haben?

Wie oben einführend bereits festgestellt: Das Leben des Menschen und die zukunftsfähige Gestaltung seiner Entwicklungsprozesse bleibt intrinsisch an seine individuelle humane Identität und Qualität seiner Umsetzung gekoppelt. Dabei liegt die Suprematie im autonomen Subjekt, nicht im vegetativen Objekt und seiner Neigung zur Entropie. Die offensichtliche Selbstentfremdung ist umzukehren durch erinnernde und verlebendigende Rückverbindung mit dem Menschen Selbst – dem „Ewigen Selbst“ (Sörensen Kierkegaard) - , seinen inneren Welten und Prozessen. Diese Revitalisierung innerer „Radialer Energie“ (Teilhard de Chardin) aus der Totalität reflektierenden Bewusstseins ist als Basis der Gegenwart zu begreifen, aus der eine menschengerechte Zukunft entwickelt werden kann. Die Menschwerdung im auslaufenden Anthropozän wird zugleich der Brückenbau ins Noozän: aus der equilibrierenden Führung menschlichen Bewusstseins und Seins zum Erfüllungsprozess seiner Selbst gemäßen Bestimmung.



1. Noumenalität und Normativität


Führung in die Zukunft des Menschen und für den Menschen ist zuerst innere Führung aus dem Selbst und damit aus und für die Freiheit. Dabei ist die wesentlichste Immanenz die der Freiheit. Erfolgreiche Führung kommt aus individueller Determination, nie aus der Immanenz äußerer Bedingungen. Das notwendige Änderungspotential hin zur Zukunft folgt also den Prozessen innerer Räume, die erst dann mit den äußeren umsetzungsgeleitet korreliert werden.

Führende Weiterentwicklung als Evolution, als Transition und Transformation hin zu menschengerechter Zukunftsevaluation begriffen, basiert auf der – notwendigerweise individuellen – Kapazität des Geistes, auf dem kognitiven, reflektierenden wie fühlend kontemplierenden Einsatz universeller Denkgesetzlichkeit und humanen Bewusstseins. Die von der Wirklichkeit unabhängige ‚Erkenntnis aus Geist‘ – Noumenalität – bietet die unbegrenzte Reichweite und Autonomie, Zukunft zu identifizieren und zu entscheiden. Das a-priorisch erkennende Bewusstsein des Individuums kann sich aus der Normativität des Faktischen souverän emanzipieren und die relevanten Lebensbedingungen ordnen. Und so kann es gelingen, innere Freiheitsräume zur Neuordnung und Formung äußerer Lebensräume des Menschen maßstäblich prägend einzusetzen und ständig equilibrierend zu qualifizieren. Die weitgehend verflachend zirkulierenden Gegenwartsprozesse („Sackgasse“, vgl oben) werden so abgelöst und aufgelöst durch die noumenale wie normative (Maximen) innere Führung des kreativen Menschen, der um seine Zukunft weiß und diese für seine Gesellschaft beherrschbar macht.



2. Gestaltungswille und Weltformel


Der aus dem Selbst agierende und equilibrierende Mensch kommt aus dem „cogito ergo sum“ (Descartes) als autonomes Subjekt und beherrscht so seine identische und gesellschaftliche Positionierung. Aus Substanz und „radialer Energie“ (vgl. oben) transformiert er seinen innen gereiften Prozess des Findens in die Lebensprozesse der Gesellschaft – kreativ, subjektiv und kommunikativ objektivierend. Seine radiale Energie wird in eine „tangentiale“ (ebenf. Teilhard de Chardin) umgewandelt und in einem klärenden Resonanzprozess gesellschaftlich jeweils internalisiert und geformt. Individueller Gestaltungswille geht über in einen Überzeugungsprozess, um im Großen wie im Kleinen weiterführende gesellschaftliche Entwicklung zu inspirieren. So kann in ständiger Equilibrierung von Individuation und Universalität die (zwischen-) gesellschaftliche Interaktion als Transitions- und Transformationsprozess verstetigt werden.

Aus innerer Ruhung und Freiheit folgt Bewegung, die Verlebendigung von Geist , die Vergeistigung von Leben. Dabei wird die „eine entscheidende Formel“ – in der Regel aus und zur ideologisch-religiösen Fixierung äußerer Machtbedingungen – ersetzt durch die Weltformel kreativ und interaktiv verbundener, multilateraler wie unbedingter Prozesse: Zukunft ist Entwicklung aus der Gegenwärtigkeit des Bewusstseins, und Entwicklung ist unendlicher Prozess, und Prozess ist letztlich unbegrenzbare humane Metamorphose der Zivilisation. Diese Weltformel bietet auch die Potentiale des Menschen zu revitalisieren, die oft erstrebte Erlösung durch eben diese Art der Erfüllung zu erfahren – individuell erzeugt und gesellschaftlich getragen.



3. Kulturmensch und Weltordnung


Die vorstehenden Ausführungen können den Einwand provozieren, dass nicht jeder Mensch diesem „hohen“ Anspruch dieses sog idealen / idealistischen Menschenbildes entsprechen kann. Und wen oder was auch immer dieser Einwand begründen oder schützen möchte, er ist jedenfalls nicht falsch, denn der Mensch ist nicht gleich. Zugleich gilt – wie oben eingeführt: Der Mensch ist in einem Raum des freien Willens geboren und kann über jedes naturgemäße Potential verfügen, sich zum autonomen Subjekt zu entwickeln. Diese Entwicklung ist freilich ergebnisoffen, da sie die wohl größte Herausforderung ist: der Kulturmensch ist – in seiner unendlichen Vielfalt, Diversität und Qualität – Träger seiner Zivilisation und also das Energetikum seiner eigenen weiterführenden Entwicklung.

So ist der Kulturmensch – aus Bewusstsein und Sein gewachsen - unausweichlich Herr seiner Zukunft, dies ist nicht zu kompensieren, egomanisch zu projizieren oder/und zu sublimieren. In seiner inneren Führung liegt sein Schicksal und damit auch das seiner Gesellschaft begründet. Denn der homo sapiens, ein evolutiver Schöpfungsakt im äußeren Raum, hat mit der Entwicklung seines Bewusstseins den weiteren Schöpfungsprozess individuell übernommen, inkarniert und gestaltet emanativ aus den inneren Räumen seines Selbst: der homo genesis. Die Menschen der Renaissance haben es schon präludiert: Der homo genesis – mit einem „Polsprung“ vergleichbar – kommt von innen und vollzieht eine Art individueller Selbstschöpfung im Rahmen und als Teil der universellen Gesamtschöpfung. So entsteht das kosmische Gleichgewicht in verbundenen Räumen von Bewusstsein und Sein und equilibriert radiale und tangentiale Energien.

Dieser Kulturmensch, der individuelle homo genesis, aus dem „wissenden Menschen“ zum schöpfenden Menschen evolutiv selbst verantwortet, expandiert so auch seinen Fortschritt, sich im anderen Menschen und dessen Selbst-Bewusstsein wieder zu erkennen. Körper, Seele, Geist sind Basiselemente humaner Beschaffenheit, aus der exponentielle Variationen der Wahrnehmung und Wahrnehmbarkeit entstehen: Aus und auf allen Ebenen ist Liebe und Lösung, Kommunikation und Verständigung essentiell möglich – transpersonal, nicht transhuman.

Das erkennende und wahrnehmende Subjekt verfügt also über unendliche Chancen, sich equilibirerend und objektivierend mit dem anderen Individuum oder/und seinen Gruppen und Gesellschaften zu verbinden und auseinanderzusetzen. Aus dieser Verbindung (vgl. oben III, 2) des Kulturmenschen werden kreative wie konstruktive Synergien für die ständige, auch optimierende Entwicklung der Gesellschaften geschöpft. Das Potential menschengerechten Fortschritts und seiner Ordnung kann in ständiger Korrelierung von Individuation und Universalität fazilitiert werden. So entstehen aus diesen kommunikativen Klärungs- und Ordnungsprozessen Ordnungen sowie eine Weltordnung, die Gerechtigkeit und die je begründete Würde des Menschen stets weiter entwickeln und auch im Übergang grundsätzlich gewährleisten kann.



Ausblick


Die zivilisatorische Entwicklung des Menschen ist zum einen eine im wesentlichen bewundernswerte, auch erfolgreiche in der Beherrschung von Bio- und Geosphäre, soweit diese dadurch nicht ihrer Zerstörung entgegen gehen. Zum andern hat der homo sapiens das Gleichgewicht innerer und äußerer Entwicklungsräume weitgehend verlassen, da er sich nicht mehr oder noch nicht als von innen proaktiv schöpfender Mensch, eben als homo genesis erkennt und begreift.

Wer das Konzept der Kosmogenese von Teilhard de Chardin aufnimmt, kann erkennen, dass Evolution und Zukunft immer konstitutiv an die Weiterentwicklung des Bewusstseins gekoppelt ist. Die Evolution hat zuerst die Bedingungen des Entstehens von Bewusstsein geformt, danach wurde das expandierende Bewusstsein zum intrinsischen Kernelement des Menschenentwicklung und seiner Gesellschaften. So gilt auch umgekehrt: Ein Sein ohne hinreichendes Bewusstsein hinterlässt eine stagnierende Evolution ohne Elevation und bewirkt eine Endzeit, die ein mögliches Zeitenende der Zivilisation nicht ausschließt. Zugleich birgt eine Endzeit die essentiellen Ingredienzen eines Neuanfangs in sich: die selbstbestimmte Re-Balancierung äußerer und innerer Welten des Menschen unter Suprematie der letzteren.

Der Kulturmensch verfügt über das schöpferische und energetische Potential, gesellschaftliche „Sackgassen“ (vgl. oben letzter Absatz II 2) aufzulösen, wie sie sich immer wieder in politischen und ökonomischen, autokratischen wie neo-feudalistischen, also Menschen abgewandten Dominanzen letztlich wohl ausweglos materialisiert haben. Der Mensch als Subjekt und Fazilitator seiner Kultur wird die Determination und auch die Handlungsmacht für zukunftsfähige, humane Zivilisations-entwicklung immer wieder zurück gewinnen können: Souverän und dynamisch equilibrierend, zugleich frei von ideologischen und religiösen Messianismen, die zu überwunden sind.

Wenn es dem Kulturmenschen als homo genesis gelingt, sich aus innerer Bestimmung – Transzendenz, Geist und Gefühl – kreativ-innovativ zu formen, kann er Mensch-Sein aus dem Selbst erfüllen. Und wenn er beginnt, „nicht aussen zu suchen, was er in sich trägt“ (in Anlehnung an Gandhi), sondern von innen nach außen zu tragen, was er finden und gestalten will, dann erhebt er sich oft beschworener Erlösung entgegen. Zukunft ist dann nicht die Ersatzprojektion eines begrenzten Egos, sondern zeitlose Elevation, die Öffnung in die Universalität equilibrierend entwickelnder Gesellschaftswelten als Teil eines kosmischen Kontinuums. Denn das sog. Paradies war vielleicht außen verloren, nie aber innen.



© J MICHAEL HEYNEN | GRÜNDER UND PRÄSIDENT DES  SENATE OF CULTURES



Samstag, 24. Februar 2024

Demokratische Außenpolitik - und „außenpolitische Demokratie“?

 

Ein Essay zur Notwendigkeit westlicher Außenpolitik-Transformation


von J Michael Heynen




Dieser Planet ist Teil des Universums und also ein Raum des freien Willens. Kulturelle Historizität und territoriale Zuordnung haben dafür im Spannungsverhältnis von Anarchie und Hierarchie Bedingungen erzeugt, unter denen jedenfalls ein Drittel der Menschen in Autokratien / Diktaturen leben. Das internationale System ist daher nach wie vor anarchisch (auch hierarchisch) geprägt und das Erfolgsmodell einer ‚freiheitlich-demokratischen Grundordnung‘ ist kein normativer Imperativ einer Weltordnung.


Demokratische Außenpolitik versieht sich jeweils gesellschaftlicher, innenpolitischer (repräsentativer) Willensbildung, um im äußeren Handlungsrahmen der Diplomatie dementsprechend zu interagieren (bi- und multilateral). Die äußere Souveränität basiert also auf der inneren bzw. auf dem jeweiligen Legitimationsprozess. Diese jüngere Entwicklung zu demokratischer Außenpolitik hat zu deutlich höherer gewaltfreier Konfliktfähigkeit, transformierender Kooperation und Wohlfahrt geführt. Auch der Entfaltungsraum menschlicher Kreativität und friedlicher Lebensentwürfe ist wesentlich expandiert (z. B. EU).


Freilich ist selbst-kritisch festzustellen, dass das sog. „westliche Modell“ ebenfalls dem Risiko des Rückfalls in Attitüden, auch Langfriststrategien absolutistischer Außenpolitiken ausgesetzt ist und dominante Hierarchien / Hegemonien bedingen, die ebenso Kriegsrisiken aufgrund der substantiellen Entkopplung freiheitlich-demokratischer Legitimationsprozesse provozieren. Außenpolitik verkommt dann zur rein formaler, administrativer „Souveränität“. Kurz: Fehlende innere Legitimation fürhrt zur äußeren Abkehr von Pluralismus, Transparenz und Integrität sowie vertrauensvoller Kooperation. Leben gefährdende Interaktion bis hin zu Krieg bilden das verbliebene Handlungsspektrum der Außenpolitik, eingefasst in geopolitische Wettbewerbsinteressen sowie egomanische Feindbild- wie messianistische Machtprojektionen. Diplomatie wird dann jeweils marginalisiert, Außenpolitik durch Sicherheitspolitik („Verteidigungspolitik“) restlos kannibalisiert - statt Deeskalation und Konflikttransformation: „Inflation“ des Kriegerischen!


Diese Entwicklung ist Menschen gemacht, entspricht aber nicht seiner humanen Kapazität. Insbesondere der technologische Progress – inkl. wehrtechnischer Overkill-Kapazität und KI – führt in die zivilisatorische Dimension jeweiligen außenpolitischen Verhaltens. Geschichte kann, muss sich aber nicht wiederholen, denn es liegt im/am Menschen Selbst. Zumindest die zivilisatorische Normativität westlicher Gesellschaften und Politikentwürfe birgt das wesentliche Potential weltrodnungsrelevanter Außenpolitiken, wenn sie den Imperativ ihrer Bestimmung transformieren:


Der Erfolg und Zukunftspotentiale demokratisch verfasster Gesellschaften im Falle integrer staatlicher Organisation ist grundsätzlich unbestreitbar. Traditionell wird dies – die Demokratiefunktionen – auf die jeweiligen Innenpolitiken bezogen – auch wegen der erforderlichen regierungspolitischen Legitimation. Denkbar aber ist es – und in systemlogischer Konsequenz auch zu leisten -, innenpolitische Demokratie analog in einer Außenpolitik eben als außenpolitische Demokratie zu spiegeln: als Willensbildungs-, Legitimations- und Handlungsprozess. Dabei ist freilich von vornherein auszuschließen, innenpolitische Demokratie zu „exportieren“. Denn Demokratie entsteht aus der innen erzeugten Freiheit des Menschen und seiner Gesellschaften und ist daher immer auch missionsfeindlich bzw grundsätzlich immun gegen auch selbst psychisch vermittelte Gewalt sog Weltverbesserung. Die weltweit zahllosen Menschen- und Völkerrechtsverletzungen sind unerträglich, dennoch ist etwa auswärtige Menschenrechtspolitik weitgehend erfolglos und ist unter strikten Voraussetzungen auf die humanitäre Intervention zu beschränken.


Als Folge liberaler Bewegungen des 18.-20. Jahrhunderts wurden bis hin zur Integration föderaler Systeme zuerst außenpolitische Demokratien begründet: USA, Deutsches Reich, EU usw. Als erster überregionaler wie weltweiter Versuch können auch Völkerbund wie UN gewertet werden, Außenpolitiken etwa nach den Grundsätzen der Wilson-Doktrin kollektiv koordinierend zu verbinden. Unabhängig von institutionellen internationalen Verfahren sind auch erfolgreiche außenpolitische Demokratiestrategien wie im Rahmen der Entspannungspolitik ab Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Antagonistischer Systemwettbewerb einer scheinbar intransischen Konfliktfigur wurde kooperativ dialogisch wie kreativ so gelöst, dass seinerzeit unterdrückte Gesellschaften ihren selbstbestimmten und also Emanzipationsprozess ingang setzen konnten. In vertrauensbildenden Kooperations-Regimen wurde undemokratische Machtstaatlichkeit und Despotie über ihre engen Grenzen hinaus geführt und im Kern aufgelöst.


Der Pessimismus eines Tocqueville – „Demokratie kann in anarchischen Systemen nicht überleben“ – war also unbegründet. Denn Freiheit als Grundparadigma von Zivilität und „Ewigem Frieden“ überzeugt und entwickelt, Unfreiheit dagegen ist Todes geweiht und kann bestenfalls gewaltbasiert überleben. Dennoch ist – Tocqueville anders gewendet – die Verführung auch gerade der westlichen Staaten und ihrer Außenpolitiken groß, sich womöglich Angst wie Feindbild gestützt auf das anarchische Spiel einzulassen und sich dann auch letztlich gegen seine innenpolitisch demokratische Essentialität treiben zu lassen. Extremismus, Nationalismus, Rüstungsspiralen, Menschenverachtung und Ressourcenvernichtung in unabsehbarem Ausmaß sind die Folgen. Die gesellschaftliche Autonomie und staatliche Souveränität werden so trotz im Zweifel auch bester Wehrfähigkeit paralysiert. - In einer demokratischen Außenpolitik mit dem Ziel außenpolitischer Demokratieentwicklung ist daher wohl die einzig zukunftsfähige zivilisatorische Lösung zu erkennen. Im Kern erscheinen dafür u. a. folgende Determinanten substantiell:


1. Vorbildliche Gewährleistung innenpolitischer Umsetzung einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und Weiterentwicklung von Freiheitskulturen sowie Menschenrechten und internationalem Recht und Rechtsanwendung ohne Doppelstandards

2. Vorbehaltlose und wertneutrale Kommunikation mit jedem dialogfähigen gesellschaftlichen und staatlichen Subjekt der internationalen Arena mit dem Ziel, substantielle Kooperation zu etablieren, oder umgekehrt: Non-Kommunikation und friedliche Koexistenz

3. Grundsätzliche Respektierung und Gewährleistung unterschiedlicher, eben auch abweichender Entwicklungswege und Geschwindigkeiten ‚anderer‘ Gesellschaften, kultureller Identitäten und innenpolitischer Systeme zur Stärkung von Selbstverantwortung und innovativ entwickelnder Eigenlösungen

4. Neutralität und Nicht-Intervention im Falle symmetrischer wie asymmetrischer regionaler und/oder innenpolitisch-gesellschaftlicher Konflikte; ein Hilfsersuchen kann nur auf globaler (UN-) Ebene beantwortet werden, basierend auf klarem, robustem Mandat

5. Strikter Verzicht auf Doppelstandards zur Stärkung von Transparenz und Integrität, Nutzung kooperativ integrierter Geheimdienstkapazität zur Etablierung neutraler Verifikationsregimes

6. Insbesondere zivilgesellschaftliche Beziehungsebenen sind für aufklärungsorientierte, emanzipatorische Dialogprozesse zu so z B. Rechtsstaatsdialoge, Kooperation zur selbständigen fdGO-Etablierung etc. (ohne Erfolgsparametrisierung, Korrumpierung oder Belohnungsstrategien aus herkömmlichen oder neuen „hidden agendas“)

7. Beziehungspflege ohne egomanische Projektion, Auserwähltheitsmechanismen und geistig fehlgeleiteter Überlegenheit oder Suprematie, sondern freundschaftliche Anerkennung von pluralistischen Leistungs- und Lernprozessen, bi-/multilateral Fazilitierung hin zur jeweiligen Selbstführung in inter- / gesellschaftlichen Projekten und Netzwerken etc.

8. Etablierung von Kooperationsplattformen in den Bereichen Kunst und Kultur, Technik und Wissenschaft etc. als je spezifische Organisationsformen menschlich-kulturell offener Verschränkungsprozesse im Sinne klassischer wie innovativer, noumenaler Diplomatie

9. Außenpolitischer Primat ist der „Kategorische Imperativ“ (Kant) als Entwicklungsmaxime der Politik der Internationalen Beziehungen: das internationale System stiftet den Orchestrierungsprozeß außenpolitischer Demokratisierung sowie die strukturelle Basis

10. Regelbasierte Generierung einer realen Weltordnung freier Subjekte und ihrer partizipatorisch-synthetischen Beziehungen durch inter-humane / zwischen-gesellschaftliche, heterarchische Netzwerke / Cluster als (den Staaten) gleichwertige treibende Kraft internationaler Außenpolitik- / Diplomatie-Transformation.



[ Eine weiter systematisierende Konzeption zur „Außenpolitischen Demokratie“ und / oder „Internationalisierung der Demokratie“ wird vom IRC International Regimes Council in Kooperation mit NOMOI Institute vorbereitet ]



© J Michael Heynen I R C



Dienstag, 26. Dezember 2023

Kultur des Friedens

 


von J Michael Heynen



Während das diesjährige #Weihnachten mit weiterer Gewalt und #Kriegen konfrontiert ist, wird begreifbar, dass die #Welt nach Phasen der Befriedung sich wieder weiter weg von einer 'Kultur des Friedens' entfernt. Dies gilt umso mehr global: Es existiert weder eine sog. #Weltordnung noch eine #Friedenskultur, die die #Menschenwürde wahrt. Im Gegenteil: Konfliktherde und Militärtechnologie sowie die Unfähigkeit zu Gewaltverzicht und weitsichtig transformierendem Konfliktmanagement sind im Sinne menschheitsgefährdender Wirkmechanistik im zivilisatorischen Ausmass angekommen.


In der Tat: Die Menschheitsentwicklung ist im Anthropozän, also der weitegehenden Beherrschung des Planeten durch den Menschen angelangt, zugleich in eben die Menschheit gefährdendem Umfang. Diese Beherrschung bezieht sich nicht auf eine geistige Ebene, sondern - genau das ist das Problem - ausschließlich auf die Bio- und Geosphäre. Fragt sich also: Ist es menschliche Beschränkheit, um nicht zu sagen: Dummheit? Oder ist es fahrlässiges Hinnehmen einer eher unbegreiflichen Entwicklung? Oder ist es - ebenfallls nicht auszuschließen - schlichte langfristige Planung - mit welchem Ziel auch immer?!


Krieg und massive Gewalt sind wieder in die Mitte der Köpfe gerückt - von wem und für wen? Und müsste es nicht eigentlich das vollkommene Gegenteil sein? Außenminister/innen plappern von Krieg, von "gewinnen müssen" usw. Ist da selbst das Wort #Entspannung schon stöhrend? Warum haben wir (Staaten / Gesellschaften mit einer #fdGO freiheitlich-demokratischen Grundordnung) es nicht geschafft, aus der Entspannung in eine nachhaltig etablierte Kultur des Friedens als zentralem Weltmassstab internationaler Politik zu finden? Warum fallen ganze Systeme immer wieder zurück ins noch so nahe 20. Jahrhundert? Warum schafft es nicht wenigstens #Europa - die viel beschworene wie unfähige Friedensmacht -, das "Europäische Haus" (Gorbatschow) in Ordnung zu bringen? Ist das so schwer? Was braucht es dafür?


Ein Ausweg? Solange Staatlichkeit das Hauptgepräge internationaler Beziehungen bildet, werden (auch demokratisch verfasste) Staaten immer wieder zu absolutistischem außenpolitischem Regieren / Reagieren tendieren und die zentralen transformativ lösenden Prozesse und menschheitlchen Entwicklungen nicht mehr beherrschen. Monetäre, egoistische und geopolitische Interessen, der klassische Unterbau ohne reale Tragfähigkeit, sind massgebend. Jede neue Generation beginnt unhistorisch, so wiederholt sich Geschichte also doch - auch ohne überzeugende Gründe.


Ableitung / Erkenntnis: Eine Kultur des Friedens entsteht nur individuell, von Wissen, Gewissen, Ethik getragen, von Reflexion und innerer Selbst-Bestimmung geformt. Innen liegt also die Suprematie des Friedens, um im Äußeren Erfolg zu haben. So ist auf Dauer nur das Subjekt (!) Mensch Zentralperspektive internationaler Beziehungen, denn Staaten haben historisch versagt - oder anders gewendet: Wie lange wollen wir ihnen beim Üben noch zuschauen? Immer wieder blankes (ideologisch-religiöses) Politikversagen auf Kosten menschlichen Lebens? Genau da sind wir auch Weihnachten 2023 wieder angekommen und diskutieren weitere zusätzliche Kriegsrisiken. Reicht es nicht endlich?


Es ist am Menschen Selbst, innen beginnend eine Kultur des Friedens zu manifestieren. Alls weitere ist eher ein "Kinderspiel" - aber eben ohne Waffen und Pubertieren! - #Frieden ist nicht höher als Vernunft, Frieden ist durch #Vernunft!





Mittwoch, 22. November 2023

Noo World Order

 



NOO WORLD ORDER




Eine kognitiv-imaginative „Simulation“ über humane Zukunft,

die in einer Gegenwart beginnt – und Umsetzung postuliert!




Von J Michael Heynen






I. Einführung


Zuerst: ‚Noo‘ stammt vom griechischen Noos / Nous und bezeichnet „die menschliche Fähigkeit, etwas geistig zu erfassen, und die Instanz im Menschen, die für das Erkennen und Denken zuständig ist, also Geist, Intellekt, Verstand, Vernunft, auch die göttliche Weltvernunft … (Wikipedia).


Zugleich kennzeichnet ‚Noos‘ das neue, dem Anthropozän folgende Zeitalter der Menschheit: das Noozän! Während im Anthropozän die Menschen die Geo- und Biospäre des Planeten mehr schlecht als recht beherrschten, beginnen sie im Noozän, sich mit der Noosphere (wieder rück-) zu verbinden. Dabei wird Leben vergeistigt und Geist verlebendigt; menschliches Handeln folgt endlich dem individuellen Selbst, somit aus Einsicht und Erkenntnis, aus Gefühl und Verstand, aus Vernuft und Geist. Es gelingt – unter der Suprematie des Noos – die harmonisierende Equilibrierung bei der Beherrschung der Lebensprozesse in allen Sphären menschlichen Bewusstseins und Seins.


Der Übergang ins neue Zeitalter, dem Noozän, war Krisen geprägt und leidvoll, zugleich aus folgender, erhabener Erkenntnis vollzogen: De-Individualisierung sowie weitgehende Ökonomisierung und Monetarisierung (Materialismus), Infantilisierung und (Selbst-) Entmündigung, egomanische Projektionen und egozentrische Formrituale, Desinformation und nihilistischer Machtmissbrauch haben politische Repräsentation und Regieren sowie weite Teile der Wirtschaft von Menschen und Gesellschaften irreversibel entkoppelt. Politisch – und eben auch ökonomisch - anmaßende „Gestaltungsmacht“ hinterließ Sinn- | Entleerung und schließlich ein historisch einmaliges Vakuum bezüglich Legitimation und Vertrauen.


Der öffentliche Raum wurde so auch zum Entleerungsraum der Humanität. Die sog. „Politik“ und ihre „Eliten“ haben sich endgültig paralysiert und das Finale ihrer vor allem systemischen Unfähigkeit und satanischen Irrlehren endgültig „vollbracht“. Das daraus folgende multiple Systemversagen – fortgesetzte Friedens- und Freiheitsverluste, Gewalt und Kriege, Konkurs und Verarmung – prägte die Erfahrungen der sog „letzten Generation“ im Anthropozän und führte zur Erkenntnis geleiteten Feststellung im Übergang: Von Menschen für Menschen!


Im Übergang zum Noozän geschieht dann bereits folgendes: Menschen regionaler wie globaler zwischen-, gesellschaftlicher Einheiten kommen zusammen, um über ihre Kooperation in der Krisenbewältigung hinaus eine Charta über eine tatsächlich neue, eine noozänische Weltordnung zu beraten. Die einzige Voraussetzung war, dass diese Art von Repräsentanten folgende zentrale Eigenschaften erfüllten: Individualität - also kein Systemagent überkommener, typischer Konformität -, dann Beherrschung prinzipalischer, transpersonaler innerer / äußerer Führungskompetenz und Integrität, kreativ-kognitive, also Geist geführte Kapazität, einsehendes Verstehen und Begreifen ihrer Gesellschaften, dann vor allem Freude an der schöpferischen Verschränkung von Geist und Leben, von Mensch und Gesellschaften!


Die Repräsentanten dieser Art kommen also zusammen und beraten den ersten Entwurf einer sog. ‚Noo World Order‘, der bewusst auch auf juridische Komplexität verzichtet und auf Grundsätzliches sowie zentrale paradigmatische Maximen konzentriert ist:





II. Noo World Order - Charta [ Erster Entwurf ]




Präambel


Wir, die Repräsentanten jeweiliger Gesellschaftswelten, kommen in freiem Willen zusammen, um über die Charta einer realen, neuen Weltordnung, einer ‚Noo World Order‘ zu beraten. Folgendes stellen wir voran:


Wir alle sind Teil der Schöpfung als Raum des freien Willens; in ihrer Gesetzlichkeit ist unsere freie, ko-kreative Weiterentwicklung angelegt. Gemäß Maß und Mitte dieser Gesetzlichkeit streben wir als lernender menschlicher Teil dieses Raums in offener, nicht nur horizontaler, sondern vor allem auch vertikaler Interaktion danach, die Schöpfung und ihre Quell-Codes gemäß unseren besten Fähigkeiten zu begreifen und durch Verlebendigung in den universellen Entwicklungsprozess zurück zu geben (Emanation). Dafür verbinden wir uns zurück mit der Noosphäre - als geistige Zwischenebene menschlicher Kapazität generiert und in jeweiligen zivilisatorischen Phasen selektiv spezifiziert.


Heute, im Beginn des Noozän, haben wir durch die Rückverbindung mit der Noosphäre die rein existentielle Menschheitsphase des Anthropozän und all den großartigen, zugleich einseitg technisch-materiellen Fortschritten überwunden. Wir haben uns individuell transpersonalisiert und uns in gesellschaftlichen Diskursen zu reiner Führung aus Geist und Vernunft, aus Einsicht und Erkenntnis entschieden. Dem entsprechend begründen Inneres und äußeres Wissen unsere Absicht, in der folgend aufgeführten Charta die normativen Grundsätze menschenwürdiger Zivilisation vorzulegen. Dies unternehmen wir unabhängig und mit dem reinen Ziel der Überzeugung und Inspiration, zugleich ohne Mission, also nicht-religiös / ideologisch. Unsere Initiative dient dem individuellen und gesellschaftlichen Menschen, seine friedliche und schöpferisch-freiheitliche Entwicklung zu facilitieren, in seinen jeweiligen Kulturen zu variieren und aus Freude an der Gestaltung einer humanen Zukunft multilateral zu kooperieren.


In diesem Willen empfehlen wir folgende Maximen den kritischen, konstruktiv-kreativen Weltdiskursen:




§ 1 Mensch und Schöpfung


Der Mensch wird in einem Raum des freien Willens geboren (Planet Erde / Universum). Als solcher hat er Rechte und Pflichten, die aus der universellen Schöpfungsgesetzlichkeit abzuleiten und in Rechtsgleichheit anzuwenden sind. Die freie, insbesondere auch angstfreie Existenz des Menschen verdient höchsten Schutz, seine physische Identität ist die erste Bedingung seiner metaphysischen Bestimmung und Entfaltung.



§ 2 Entwicklung und Erfüllung


Als menschlicher Teil der Schöpfung zu inkarnieren, das heißt, Leben als Chance und Potential zu begreifen, aus der äußeren, der physischen Realität zu lernen und die individuelle innere, die metaphysische Wirklichkeit zu determinieren. Darin liegt der grundsätzliche Sinn des Lebens, schöpfungs- und also menschengerecht das individuelle Selbst zu entwickeln und emanzipierendes Leben daraus zu gestalten – als Basis der Humanität.


Davon ist mit umfasst das so abgeleitete Streben nach Glück als bedeutendem Teil menschlicher Erlösung aus der Erfüllung transzendierenden Bewusstseins und daraus erzeugtem Sinn und Sein. Denn das menschliche Individuum – hoch-privilegiertes Subjekt im Universum – verfügt über die einzigartige Kapazität, sein Leben aus Geist zu bestimmen und daraus die Bedingungen seiner Existenz zu formen. Der Mensch ist denkendes und wahrnehmendes Subjekt in einem, wenn er will.



§ 3 Wille und Vorstellung


Der Mensch ist ko-kreativer Teil der Schöpfung. Ausschließlich als frei entwickelndes Individuum und mit aus seinem Selbst abgeleiteter Führung kann er autonomen Willen und unbegrenzte Vorstellung entwickeln. Zur schöpferischen Weiterentwicklung kann er sich mit allen menschlich verfügbaren Sphären verbinden – vertikal (metaphysisch) sowie horizontal (physisch), also mit der Noosphäre, Bio- und Geosphäre usw. Der transpersonale Mensch (Selbst verbunden) wird dabei im Verfahren der Equilibrierung (hier: Ausgleich der Geltung der Sphären) die geistige Normativität der Noosphäre (Supremat) zur Umsetzumg angemessener Entwicklung gewährleisten. Denn das freie Bewusstsein bestimmt das Sein.



§ 4 Determination und Diskurs


Was der individuelle Mensch als Denkender im Sinne des Absoluten – und nur im „inneren Tempel“ des individuellen Selbst existiert das Absolute – determiniert, das trägt er als kommunizierendes Subjekt in die Relativität der äußeren Realität. In der Verbindung zu anderen Menschen werden die jeweils individuellen Positionen korreliert und priorisiert entschieden. Im teleologischen Diskurs können so Gruppen und Gesellschaften und Allianzen daraus entstehen. Dieser Prozess der dialogischen Objektivation dient der Sinn- und Wahrheitsstiftung, Willens- und Entscheidungsbildung sowie transformierendem Interessen- und Konfliktausgleich.



§ 5 Innere und äußere Führung


Der individuelle Mensch – aus emanzipierender und freier Transzendenzentwicklung des Selbst – beherrscht innere Führung souverän: aus Geist und Gefühl verfügt er über die universelle Denkgesetzlichkeit, daraus Vernunft, Logik, Einsicht und Erkenntnis zu entfalten. So ist der Mensch, der das Allgemeine begreift, Teil des ganzen, um sich in praktischer Vernunft zu konkretisieren; seine ausgleichende Verbindung mit allen menschlich zugänglichen Sphären verleiht ihm die substantielle Wahrnehmung, Menschenliebe und also auch die Fähigkeit zu äußerer Führung. Diese schließt Eigenmacht aus und ist geprägt von umfassender Verantwortung, Integrität und Wahrhaftigkeit, inspirierende Kreativität und Überzeugungskraft, geprägt von ganzheitlicher Zivilität.



§ 6 Gesellschaft und Vertrag


Auf Basis transpersonaler, kultureller Identität wird ein allgemeiner Wille festgestellt, eine Gesellschaft (zuerst regional) zu formen, um unter entsprechenden Ideen und Zielsetzungen Koexistenz und Synergie zu organisieren und in diesem Geist die Zukunft zu gestalten. Die jeweiligen Individuen und Gruppen konstituieren eine freie zivile Gesellschaft und entscheiden über einen Vertrag (einer Verfassung gleich), um die Bedingungen und Strukturen des Zusammenlebens vorläufig festzuschreiben sowie erforderliche Mechanismen der Organisation zu normieren. Einigkeit vorab besteht in der uneingeschränkt freiwilligen Zugehörigkeit sowie in der maximalen Einlösung des kategorischen Imperativs (Immanuel Kant).


Dabei werden Verfahren regelmäßig zeitnah zu aktualisierender Willensbildung festgelegt. Ähnliches gilt bei der Einführung koordinierender Strukturen der Administration im sog. öffentlichen Raum, wie es – im historischen Vergleich – frühere Staaten oder zwischenstaatliche Strukturen und Funktionen eingerichtet hatten. In diesem Zusammenhang wird die Gründung jeweiliger Zwischen- / Staatlichkeit nur dann empfohlen, wenn es gelingt, effiziente Verfahren zu entwickeln, die regelmäßig wiederkehrende Entfremdung von der Willensbildung der Gesellschaft auszuschließen und dies auf Dauer zu gewährleisten.



§ 7 Gesellschaftswelt und Kulturen


Analog zum Individuum liegt der bedeutendste Grund einer Gesellschaft und eines Gesellschaftsvertrags in Geist und Entwicklung ihrer Kultur. In Breite und Tiefe diesen Begriffs - Kultur - werden die Historizität sowie die kreative Vitalität einer Gesellschaft gespiegelt. Freiheit und Gewaltlosigkeit (psychisch vermittelte Gewalt inklusive) sind dafür zentrale Elemente und Merkmale. Dies gilt insgesamt für die inner- wie außer-gesellschaftlichen Beziehungen.


Die spezifisch humane Qualität des Menschen liegt vor allem in seiner Verbundenheit mit anderen Individuen. Gleiches gilt für die lernende wie fördernde Verbundenheit zwischen Gesellschaften. Dies ist getragen von der Erkenntnis, dass ihre Beziehungen weder von (qualitativer) Gleichheit noch von Superiorität geleitet sind. Bei aller notwendigen (formalen) Rechtsgleichheit wird der jeweilige vor allem kulturelle Unterschied nicht nur respektiert, sonern als Entwicklungspotential begriffen.


In jeder Art zwischen-gesellschaftlicher Kommunikation werden insbesondere unterschiedliche Geschwindigkeiten und kulturelle Qualitäten der Entwicklung wahrgenommen und komplementär einbezogen. Als jedenfalls gemeinsame Maxime ist daher zuerst die Einhaltung universeller Schöpfungs- und Denkgesetzlichkeit als zentraler Baustein jeweiliger Zusammenarbeit festzustellen. So werden die Kulturen Träger und treibende Kraft einer Gesellschaft und zugleich Gesellschaftswelt, die den Code zur Konstitution einer Weltgesellschaft, einer humanen Zivilisation, in sich trägt.



§ 8 Gesellschaftsstaat und Regieren


Die vertraglich konstituierte Gesellschaft (in der Regel jeweils zuerst regional) setzt sich aus Individuen und Gruppen zusammen, die ihr grundsätzliches Selbstregieren syndizieren und in Kollaboration einbringen. Damit wird das individuelle Selbstregieren auf die Ebene des Regierens delegiert. Diese Bevollmächtigung gilt für ein Regieren, das sich ausschließlich auf die Moderation und umsetzende Koordination der jeweils freien Willensbildung bezieht.


Aus geistiger und sozialer Verbundenheit werden auf diese Weise Form und Funktion des Gesellschaftsstaats begründet (regional oder inter-regional), in dem politische Macht ausschließlich mit umfassender Legitimation des Regierens begründet wird. Die Legitimation des Regierens wird nicht nur als quantitative Ableitung individueller Willen, sondern als streng vernunftgerecht qualifiziert begriffen.


Der freie wie humane Gesellschaftsstaat hängt also wesentlich ab von: Vertrag / Verfassung, individuelle Willensbildung, Legitimation. Ebenso konstitutiv für das Funktionieren des Gesellschaftsstaats ist die Vernunft und Verantwortung gemäße persönliche wie professionelle Entwicklung seiner Träger (teils als Exzellenz bezogene Elite wahrnehmbar). Die Akteure sind vor allem voll transpersonal entwickelt, zugleich liegt in ihrer Individualität die Unterschiedlichkeit ihrer kontinuierlichen Qualität und Entwicklung begründet.


Da im Gesellschaftsstaat Regieren die Syndikation je verfügbaren Selbstregierens ist, können dennoch unterschiedliche Gründe dazu führen, dass auf eine vollständige Partizipation aller Mitglieder zu verzichten ist. Denn die höchst mögliche, verantwortbare Qualität der Funktion des Gesellschaftsstaats ist nicht zu gefährden bzw. zu behindern. Dafür sind gesondert Verfahren spezifischer Delegationsmechanismen zu entwickeln, um die dauerhafte Verteilungsgerechtigkeit „im Raum des freien Willens“ zu gewährleisten. Insbesondere ist dabei den hohen Anforderungen an die humanen Entwicklungskapazitäten des Gesellschaftsstaats („Wesen und Werden“ berücksichtigend) zu entsprechen und sind die unterschiedlichen Potentiale konstruktiv und kreativ zu fördern und zu verbinden.



§ 9 Ökonomie und Sozialität


Eine freie, humane Gesellschaft ist nicht bestimmt von der Ökonomie und ihrer Expansion, sondern von der vernunftgemäßen Erfüllung existentiell notwendiger Bedingungen. Nicht Haben, sondern aus dem Bewußtsein abgeleitetes Sein prägt die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen.


Das freie Individuum verfügt über Eigentum gemäß seiner Leistungskapazität. Zugleich unterliegen Teile diesen Eigentums gemäß Maß und Mitte der Vernunft dem gesellschaftlichen Teilhabeausgleich bzw. einer angemessenen Sozialbindung zivilgesellschaftlicher Entwicklung. Auch der Markt einer freien Gesellschaft funktioniert klassisch nach Angebot und Nachfrage, Produktion und Konsumtion. Dieser Kreislauf ist kompetitiv und kooperativ sowie vor allem als eine ständig wachsende, korrespondierende zwischen- | gesellschaftliche, qualitative Wachstumsbewegung zu vernetzen. Diese Prozesse sind jeweils mit dem Sinn und Nutzen gesellschaftlicher Entwicklungsziele zu korrelieren.


Dafür ist die klassische freie, soziale Marktwirtschaft weiter im Sinne von Vernunft und Verbundenheit der Gesellschaftsmitglieder zu qualifizieren. Freie Wissenschaft, Forschung und Lehre sind ebenso direkt mit den kulturellen wie ökonomischen Gesellschaftsprozessen zu koppeln und zu verschränken. Gleiches gilt für die Bereiche Gesundheit und Medien etc.


Oberstes Gebot jedenfalls ist, die individuelle Selbstbestimmung und gesellschaftliche Entwicklung zielführend komplementär zu equilibrieren und im jeweils korrespondierenden Interessenausgleich zu verhandeln und entscheiden.



§ 10 Menschenwelt und Zukunft


Nachdem Individuen, Gruppen und einzelne Gesellschaften die einseitige Beherrschung der Geo- und Biosphäre (Anthropozän) überwunden haben und in das neue Zeitalter, das Noozän, einzutreten entschieden haben, erkennen wir die für die Zukunft besonders verantwortungsvolle Herausforderung darin, das Verhältnis zwischen Führung aus Geist und Vernunft und den Bedingungen der Materie auf Dauer angelegt und je ausgleichend zu organisieren: die Entwicklung und nachhaltige Umsetzung eines sog. Noosystems.


Dieser noosystemische, also der vertikale Sphärenausgleich (Noo- / Geo- und Biosphäre) sowie der gleichzeitig horizontale Ausgleich (Individuum / Gesellschaft), gelingt dann auch „institutionalisiert“ auf Dauer angelegt, wenn integre, transpersonal entwickelte Individuen und Repräsentanten (in / zwischen den Gesellschaften) in ständigem, freiem Diskurs best mögliche Entscheidungen oder deren jeweils optimierende Weiterentwicklung gewährleisten.


Die Beherrschung von ständigen Bewusstseins- und Seins-Prozessen wird als ständiger zukunftsgerichteter Transitions- / Transformationsprozess zur Vergeistigung von Leben und Verlebendigung von Geist begriffen. Auf diese Weise wird eine humane Menschenwelt auf Dauer angelegt geformt und insbesondere die Bestimmungskraft ihrer vertikalen Weiterentwicklung humaner Zivilisation gewährleistet. So wird die Menschenwelt als verbundene Gesellschaftswelt in ihre Erfüllung geöffnet.



§ 11 Übergangsregelung


Im Übergang zur vollen Geltung des Noozän ist die traditionelle Staatlichkeit umfassend und endgültig auf den Menschen hin abzustimmen. D. h. staatliche Souveränität und Legitimität des Regierens sind zu re-substantiieren und rückzukoppeln als befristet bevollmächtigte Ersatzhandlung individuellen / gesellschaftlichen sowie verbundenen Selbstregierens (vgl. Oben).


Für die sich individuell und frei konstituierenden Gesellschaften heisst das, die in der Regel geltenden Verfassungen gemäß ihrem Geist zu re-aktivieren und daraus die entleert hinterlassene Form der Staatlichkeit verlebendigen. Je nach kultureller und gesellschaftlicher Entwicklung sind dabei Änderungen und Ergänzungen im gesellschaftlichen Diskurs vorläufig (regelmäßige Revision) zu entscheiden und zu beschließen.


In diesem Prozess sind die kulturhistorischen wie rechtlichen Leistungen der Grundrechte und der sog. ‚freiheitlichen-demokratischen Grundordnung‘ (fdGO) als vorstaatliche noumenale Normativität zu begreifen und in Korrelation mit der universellen Denkgesetzlichkeit und Vernunft zugrunde zu legen. Daraus ist dann – soweit wie erforderlich und vernünftig geboten – die legitimierende Begründung für Staatlichkeit als begrenztes, beliehenes Ersatzhandeln aus dem individuell verbundenen Selbstregieren abzuleiten. Auch hier soll gelten: Die Geist deduzierte Substanz individuellen Bewusstseins bestimmt jeweils die Form des Seins und seiner freien, angemessenen Implementation, insbesondere als Regieren.


Der noosphärisch rekonnektierte und noosystemisch organisierte Gesellschaftsstaat gemäß einer freien Menschenwelt strebt nach einer Einführungsphase maximaler Notwendigkeit seiner Existenz danch, sich im Maß des erfüllenden kategorischen Imperativs auf ein Minimum zu reduzieren oder aufzulösen. Dies soll auch für die politischen Herrschaftsräume in der freien, verbundenen Gesellschaftswelt und schließlich für die humane Zivilisation einer Weltgesellschaft gelten.




III. Vom A-Posteriori zum A-Priori



Während die Beratungen fortgesetzt werden, um nachhaltig menschengerechte Normativität zu erzeugen, in der sich alle, auch historische Weltkulturen repräsentiert erkennen, herrscht unter den meisten Teilnehmern folgende Erkenntnis vor: Warum mussten wir durch all diese schrecklichen wie Menschen unwürdigen Erfahrungen gehen, um in mir und den anderen den wahren Menschen wahrzunehmen und zu begreifen?! Wie konnten wir uns so weit vom Selbst entfernen sowie von unseren multiplen genialen Kapazitäten?! Heute sind wir klüger … und das Heute, das Jetzt ist zeitlos, wenn Geist verlebendigt und Leben vergeistigt wird … „und das kann jeder, wenn er will!“ (Kierkegaard: „Die ewige Macht Selbst“)


Die meisten Teilnehmer dieser Art von ‚Noo World Order Council‘ leisten also mental umfassende Vergebung und erlangen ein Stadium realer Transformation: In der zuerst noumenalen Normativität des oben stehenden Charta Entwurfs wurde zum einen die Historizität des Menschheitlichen begriffen, zum andern zugeich eine humane und also zukunftsfähige Zivilität begründet. Das Selbst des Humanen ist oberste Instanz, zuerst universell gesetzlich gebunden und legitimiert. Die rein quantitative Legitimation egozentrischer Staatlichkeit ist irreversibel von der qualitativen, eben der Legitimation durch geltende Vernunft und Denkgesetzlichkeit überwunden, die Anthropologie mit der Kosmologie (Supremat) equilibriert – freilich eben nicht als Theologie, sondern als evolutionäre, humane Teleologie.


Nicht das personale Ich oder das staatliche Über-Ich, sondern das individuelle transpersonale Selbst wird zur obersten bestimmenden, zugleich kommunikativen und partizipativen Gestaltungsmacht des öffentlichen Raums, um gesellschaftlichen Willen zu moderieren und die Umsetzung zu koordinieren: für eine freie und friedliche, weiterentwickelnde Zivilität in einer gesicherten humanen Zivilisation mit menschengerechter Zukunft.




© J Michael Heynen, Baden-Baden 22.11.2023




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